Roland Kölsch im Interview „Das FNG-Siegel steht staatlichen Labels in nichts nach“
Wie hoch war die Durchfallquote in den vergangenen Jahren?
Kölsch: Die Durchfallquote lag in den letzten Jahren zwischen einem und 9 Prozent. In der jüngsten Vergangenheit lag sie im Schnitt bei rund 5 Prozent.
Wie zufrieden sind Sie mit dem Siegel?
Kölsch: Ich bin insofern mit dem FNG-Siegel zufrieden, als dass es ein guter Startpunkt für die weitere Auswahl nachhaltiger Fonds ist. Die Nachhaltigkeits-Story müssen Anbieter schon noch selber liefern. Viele nutzen eine Bewerbung um unseren SRI-Qualitätsstandard für die Verbesserung interner Prozesse und wollen Tipps erhalten. Unzufrieden bin ich allerdings damit, dass es uns aktuell noch schwerfällt, die Ausrichtung des FNG-Siegels auf Impact zu navigieren. Dafür fehlt einfach immer noch eine halbwegs objektive und Produkte vergleichbar machende Methodik.
Stolz dürfen alle im FNG-Siegel Involvierten sein. Eine wissenschaftliche Studie über SRI-Label in Europa kam zum Ergebnis, dass sich das FNG-Siegel insbesondere bei den Kriterien Transparenz, Strenge und Governance hervortut. Das erwähne ich, weil alle anderen Label staatlich oder quasi-staatlich sind, es uns aber offenkundig gelingt, teilweise sogar besser zu sein. Das sollte den Ruf mancher Akteure nach einem staatlichen Label in Deutschland verhallen lassen.
Was wollen Sie mit dem FNG-Siegel noch erreichen?
Kölsch: Wir wollen die Entwicklungen auf EU- und nationaler Ebene so akkurat integrieren, dass das FNG-Siegel auch weiterhin zur einfachen Erkennbarkeit extern geprüfter, glaubwürdiger Nachhaltigkeitsprodukte beiträgt. Es soll auf weitere Asset-Klassen und Produktgattungen ausgeweitet werden. Exotisch war bereits die Integration von Cat Bonds. Aktuell geht es um Mikrofinanz. Zudem steigt die Nachfrage nach einer Ausweitung der Methodik auf Immobilien. Bei ersterem haben wir bereits eine angepasste Methodik, bei letzterem sind wir im Austausch mit Akteuren, die bereits Expertise auf diesem Gebiet haben. Bei Immobilien geht es schon stark in Richtung Impact-Methodik, da der sogenannte Investor-Impact, also der Einfluss, den Anleger oder Fonds auf Investitionsobjekte ausüben, direkter, messbarer und besser steuerbar ist. Die Impact-Thematik ist wegweisend für weitere Entwicklungen des FNG-Siegels. Wir stehen allerdings bei der Masse liquider Investmentfonds erst am Anfang. Auch die EU schafft ja erst jetzt mit der Corporate Sustainability Reporting Directive und dem European Single Access Point die Grundlage, ab den Jahren 2024/2025 eine gemeinsame Datenbasis für die Wirtschaft zu schaffen.

