Ist ihnen möglicherweise die EU-Regulierung über den Kopf gewachsen? Die britische Fintech-Gruppe FNZ prüft aktuell den Verkauf ihrer deutschen Depotbank-Sparte. Das berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg und beruft sich dabei auf mit der Angelegenheit vertraute Personen. Im Rahmen eines Deals könnte die FNZ Bank Deutschland demnach mit mehr als 500 Millionen Euro bewertet werden.
Das Besondere an der Nachricht: Es war FNZ selbst, das in den vergangenen Jahren die Konsolidierung des deutschen Depotbankenmarkts maßgeblich vorangetrieben hat. Nun könnte das gebündelte Geschäft komplett den Besitzer wechseln.
Laut Bloomberg arbeitet das Fintech bereits mit Beratern an einem möglichen Verkauf. Die Überlegungen befänden sich allerdings noch in einem frühen Stadium, und es sei ungewiss, dass sie zu einer Transaktion führen werden, so die Insider. Ein FNZ-Sprecher wollte die Gerüchte gegenüber Bloomberg nicht kommentieren.
FNZ: Vom Käufer zum Verkäufer
FNZ hatte sich in den vergangenen Jahren durch eine aggressive Übernahmestrategie als bedeutender Akteur im deutschen Depotbankengeschäft positioniert. Den Einstieg markierte 2019 der Kauf von Ebase von der Commerzbank-Tochter Comdirect für 154 Millionen Euro. Nur ein Jahr später folgte die Übernahme des Wertpapiergeschäfts der Augsburger Aktienbank mit rund 175.000 Depots und einem Volumen von etwa 20 Milliarden Euro.
Der vorläufige Höhepunkt der Einkaufstour war die Akquisition der Fondsdepot Bank, die ursprünglich 1993 als Abwicklungseinheit des Fondsgeschäfts der Dresdner Bank gegründet worden war. Ende 2024 integrierte FNZ das Einlagen- und Verwahrgeschäft der Fondsdepot Bank in die FNZ Bank – während die ehemalige Fondsdepot Bank sich fortan nur noch auf Haftungsdachleistungen konzentriert und in Deutsche Haftungsdach (DHD) GmbH umbenannt wurde.
Das Ergebnis von FNZs Einkaufstour: ein Depotbank-Konglomerat mit über zwei Millionen Kunden und einem verwalteten Vermögen von rund 140 Milliarden Euro.
Strategieschwenk unter Blythe Masters
Der potenzielle Verkauf fügt sich in eine neue strategische Ausrichtung unter FNZ-Chefin Blythe Masters ein, die im vergangenen Jahr Gründer Adrian Durham an der Spitze der Gruppe ablöste. Die ehemalige JP-Morgan-Managerin treibt einen Kurswechsel voran: weg von kapitalintensiven Geschäften, hin zu profitablem Wachstum.
„Wir planen, Vermögenswerte zu veräußern, die hohe Dosen an regulatorischem Kapital erfordern oder Bereiche, die nicht direkt synergistisch zu unseren Kernkompetenzen im Bereich Vermögensverwaltungsplattformen sind“, sagte Masters gegenüber Bloomberg in einem kürzlich geführten Interview. Offenbar fällt die deutsche Depotbank in eine dieser beiden Kategorie: Das Geschäft von FNZ Deutschland passt nicht ins Portfolio der Gruppe oder Regulatorik gestaltet sich zu kompliziert.
Insgesamt sind es 13 Übernahmen, die die britische Fintech-Gruppe FNZ in den vergangenen Jahren getätigt hat. Der Private-Market-Datenanbieter Tracxn hat sie zusammengetragen: Demnach sind es Unternehmen aus zwölf Sektoren, darunter Investment Tech, Asset Management, and Banking Tech gewesen, die FNZ zusammengekauft hat. Als jüngstes Ziel wurde 2023 die Luxemburger Fondshandelsplattform Ifsam in die FNZ-Gruppe eingegliedert.
FNZ gilt als eine der größten Fintech-Gruppen weltweit und verwaltet laut Recherchen des Manager Magazins rund 1,7 Billionen Dollar an Vermögenswerten. 2022 wurde das Unternehmen demnach mit 20 Milliarden Dollar bewertet. In Deutschland ist der Name FNZ in der Nachfolge von Ebase und der Fondsdepot Bank vor allem als Depotbank geläufig. An ihrer deutschen Spitze steht Peter Karst.
Neue Kapitalspritze – neue Prioritäten
Anfang November hatte FNZ 650 Millionen Dollar neues Eigenkapital aufgenommen – die zweite Kapitalspritze von großen internationalen Investoren in diesem Jahr. Das frische Geld soll offenbar genutzt werden, um das Geschäft auf die Kernkompetenzen zu fokussieren.
Sollte der Verkauf zustande kommen, würde dies eine bemerkenswerte Kehrtwende bedeuten: Was FNZ in mühevoller Kleinarbeit über Jahre hinweg zusammengekauft und konsolidiert hat, könnte schon bald unter neuer Flagge segeln. Für den deutschen Depotbankenmarkt würde dies erneut Bewegung bedeuten – und mögliche Zukaufchancen für andere Akteure eröffnen.

