Die Fintech-Gruppe FNZ hat sich in Deutschland vor allem dadurch einen Namen gemacht, dass sie die Konsolidierung unter hiesigen Depotbanken deutlich vorangetrieben hat. Nach der Münchner Ebase schluckte das Unternehmen zuletzt auch die in Hof ansässige Fondsdepot Bank.
Laut einem Bericht des „Manager Magazins“ schwelt innerhalb der Gruppe jedoch eine Krise. Hunderte aktuelle und ehemalige Mitarbeiter haben eine Sammelklage am Firmensitz in Wellington/Neuseeland angekündigt. Sie werfen der Unternehmensführung vor, ihnen Beteiligungen im Wert von mehreren Milliarden Dollar entzogen zu haben.
Kern der Auseinandersetzung ist demnach eine Serie von Kapitalerhöhungen, die seit Mai 2024 durchgeführt wurden. Laut einer von den Mitarbeitern beauftragten Anwaltskanzlei führten diese Maßnahmen dazu, dass Anteile, die in den Händen von Mitarbeitern liegen, teils um rund zwei Drittel an Wert verloren, wie das „Manager Magazin“ unter Berufung auf den vorliegenden Schriftsatz berichtet.
FNZ-Mitarbeiter fühlen sich von Eigentümern übervorteilt
FNZ hatte seinen Mitarbeitern in der Vergangenheit regelmäßig Anteile überschrieben – als Ersatz für Boni. Knapp die Hälfte der rund 7.000 Beschäftigten weltweit ist demnach an dem Unternehmen beteiligt. Ihnen gehörten bislang nahezu 35 Prozent der Firmenanteile. Einzelne Anteilspakete seien zweistellige Millionenbeträge wert. Umso aufgebrachter sind die Firmenangehörigen nun offenbar, dass diese Anteile durch Kapitalerhöhungen und Sonderregeln, die sich externe Großinvestoren zugesichert haben, massiv an Wert verlieren.
Hintergrund ist offenbar ein Wechsel in der Führung bei FNZ. Der Gründer und vormalige CEO, der Neuseeländer Adrian Durham, wurde im vergangenen Jahr durch Blythe Masters ersetzt. Masters, die in der Vergangenheit auch schon Finanzchefin der Investmentbank J.P. Morgan war, hat die Private-Equity-Gesellschaft Motive Partners mitgegründet, die sich 2022 an FNZ beteiligt hat.
Vor allem Motive Partners habe durch die Kapitalerhöhungen profitiert, kritisieren nun FNZ-Mitarbeiter. Die Gesellschaft habe gemeinsam mit anderen institutionellen Investoren die Zusage erhalten, bei einem Verkauf das Dreifache ihrer Investments, eine Summe von 4,5 Milliarden Dollar, garantiert ausgezahlt zu bekommen – im Zweifel auf Kosten der übrigen Anleger, wie der Mitarbeiter.
Bei FNZ argumentiert man laut Manager Magazin mit neuer „finanzieller Stärke“, die die Kapitalerhöhungen dem Unternehmen brächten. Der FNZ-Aufsichtsrat habe sich über die Kapitalerhöhungen im Vorfeld unabhängig informiert. Unzufrieden mit den Maßnahmen zeigten sich vor allem ehemalige Mitarbeiter des Unternehmens gezeigt.
Über FNZ
FNZ gilt als eine der größten Fintech-Gruppen weltweit und verwaltet laut Recherchen des Manager Magazins rund 1,7 Billionen Dollar an Vermögenswerten. 2022 wurde das Unternehmen demnach mit 20 Milliarden Dollar bewertet. In Deutschland ist der Name FNZ in der Nachfolge von Ebase und der Fondsdepot Bank vor allem als Depotbank geläufig. An ihrer deutschen Spitze steht Peter Karst.