Die Generation 50plus ist heute in Deutschland so gut gestellt wie nie zuvor. Die meisten Menschen dieser Altersgruppe verfügen über geregelte Einkommen – auch jene Menschen, die nicht mehr am Arbeitsleben teilnehmen. Die sogenannten Best Ager achten zunehmend auf ihre Gesundheit, sie gestalten ihre Freizeit aktiv und haben im Laufe ihres Lebens durchschnittlich einiges Vermögen angesammelt. Große Investitionen wie der Kauf einer Immobilie oder der Unterhalt minderjähriger Kinder sind jenseits der 50 oft schon abgeschlossen. Dafür rücken andere Prioritäten in den Vordergrund.

Als gesellschaftliche Gruppe umfasst „50plus“ die ganze Bandbreite von älteren Arbeitnehmern, die von der Regelaltersgrenze noch ein gutes Stück entfernt sind, bis hin zu hochbetagten und pflegebedürftigen Menschen.

 

So heterogen diese Klientel auch sein mag, in der Finanzberatung ist sie hochwillkommen. „Die Kunden sind nicht mittellos. Mit dem, was wir in den Jahren zuvor gemeinsam aufgebaut haben, lässt sich gut arbeiten“, sagt Jörg Röckinghausen, Mitgründer und Vorstand der Beratungsfirma Mayflower. Viele Berater von Mayflower sind seit Jahren im Unternehmen beschäftigt und betreuen ihre Kunden schon entsprechend lange.

Gestartet vielleicht in ihren Zwanzigern mit etwa gleich alten Kunden sind sie heute bereits ein gutes Stück weit gemeinsam mit diesen Kunden durchs Leben gegangen. Weil man einander lange kenne, sei man mit den Bedürfnissen der Kunden eng vertraut, sagt Röckinghausen. Im Schnitt sind die gut 40 Mayflower-Berater selbst knapp 50 Jahre alt, schätzt er. Als Kernzielgruppe definiert Mayflower gehobene Privatkunden, Akademiker, Schwerpunkt Mediziner.

Ruhestandsplanung

Die Themen, die für Finanzkunden 50plus wichtig werden, sind nicht nur finanzieller Natur. In der Finanzberatung fallen sie unter den Oberbegriff „Ruhestandsplanung“. Dafür hat man bei Mayflower neun Kernfelder identifiziert (Grafik unten). Die Themen Testamente, Gesundheit und Pflege betreffen jeden. Ein typisches Thema für Ü50-Kunden seien auch Vollmachten und Verfügungen, berichtet Röckinghausen. Dagegen sind die Punkte „familieneigene Unternehmen“ oder „Stiftungen“ nur für ausgewählte Kunden relevant.

In puncto Finanzen sei es wichtig, wirklich alle Einkünfte in einen gemeinsamen Zahlungsstrom zu bringen, erinnert Röckinghausen: gesetzliche Rente, betriebliche Ansprüche, Mittel aus der privaten Vorsorge sowie etwaige andere Einnahmen, etwa aus Immobilien oder Unternehmensbeteiligungen. Nur so lasse sich berechnen, welche Mittel nach Steuern und Inflation zur Verfügung stehen. Röckinghausen empfiehlt, für die Versorgung im Alter zwei getrennte Töpfe anzulegen: einen für die Grundversorgung und einen weiteren für flexible Bedürfnisse, die darüber hinausgehen.

Während es in der Altersvorsorge vor allem um den Ansparprozess geht, ist in der Finanzplanung fürs Alter das Entsparen zentral. Geld wurde bestenfalls schon lange zuvor angelegt, jetzt geht es daran, die Mittel in der zweiten Lebenshälfte bestmöglich verfügbar zu machen. Röckinghausen unterscheidet unterschiedliche Stationen im Alter 50plus: Neben den noch Berufstätigen gibt es die Menschen im „aktiven Ruhestand“, Alter etwa 65 bis 80. Noch vergleichsweise fit und gesund, benötigen diese mehr Geld für die aktive Lebensgestaltung als Menschen im höheren Alter.

Im Versicherungskosmos gibt es ein herzlos klingendes Fachwort: das sogenannte Langlebigkeitsrisiko. Es beschreibt, dass Menschen sehr alt werden können und die Finanzmittel bei knapper Kalkulation nicht reichen könnten. Diesen Faktor gilt es ebenfalls zu berücksichtigen.

Wenn es um die Finanzplanung fürs Alter geht, sollte man nicht einfach von statistischen Durchschnittswerten ausgehen, warnt Carsten Reese, Finanzplaner mit Zertifikat des Spezialistenverbands FPSB und Berater beim Finanzdienstleister MLP. Wer Finanzierungslücken schließen will, indem er regelmäßig Geld aus seinem Anlagedepot entnimmt, sollte berücksichtigen, dass auch Unvorhergesehenes passieren kann: Aktienmärkte und Anleihenkurse stürzen ab, die Inflation ist stärker als berechnet. Das kann höhere Entnahmen aus dem Depot erforderlich machen – was schlimmstenfalls die ganze Vorsorgeplanung über den Haufen wirft.