Fonds-Awards: ETFs brauchen eigene Preise

Detlef Glow, Leiter der<br>Lipper-Fondsanalyse

Detlef Glow, Leiter der
Lipper-Fondsanalyse

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Zu Beginn jedes Jahres ist es wieder soweit: Ratingagenturen, Datenanbieter und Verlage verleihen ihre Auszeichnungen an die aus ihrer Sicht besten Fonds und Produktanbieter. Leider basieren diese Auszeichnungen oftmals auf subjektiven Kriterien. Deswegen tragen sie eher zur Verunsicherung der Investoren als zur Markttransparenz bei.

Bei der Beurteilung der entsprechenden Preise lohnt es sich, auch die Ziele der Auszeichnungen zu hinterfragen. So gibt es Awards für die Innovationskraft oder den Service einer Gesellschaft. Andere Preise beziehen sich auf den Gesamt- oder den risikoadjustierten Ertrag, den ein Fonds innerhalb des Betrachtungszeitraumes erreichen konnte. Gerade die Beurteilung und anschließende Auszeichnung der Wertentwicklung von Indexprodukten sollte Fragen aufwerfen. Denn schließlich werden bei Fonds-Awards Mehrerträge gegenüber dem breiten Markt gewürdigt, die Fondsmanager erzielt haben.

Aus meiner Sicht hat es daher keinen Sinn, ETFs gemeinsam mit aktiv gemanagten Fonds zu analysieren und auszuzeichnen. Das gilt auch dann, wenn keiner der aktiven Fonds in der entsprechenden Anlagekategorie ein besseres Ergebnis erzielen konnte als ein ETF. Denn da ETFs eigentlich nur Marktindizes abbilden, müssten die Auszeichnungen dem Indexanbieter oder besser noch dem Indexentwickler verliehen werden. Schließlich hat dieser den Basiswert entwickelt und damit die Managementleistung vollbracht.

Zudem muss man bei einer Bewertung der Performance darauf achten, dass alle untersuchten Produkte den gleichen Rahmenbedingungen unterliegen. Dies ist insbesondere bei einigen stark konzentrierten Branchenindizes und den Indexprodukten, die sich auf diese beziehenden, im Vergleich zu aktiv gemanagten Fonds nicht der Fall. Während die aktiven Manager aufgrund der gesetzlichen Höchstgrenze nur zehn Prozent in einen Einzeltitel investieren können, sind einzelne Werte in vielen Indizes zum Teil deutlich höher gewichtet. Sollte ein solcher Titel den Markt treiben, hat ein aktiver Manager kaum die Chance, den Index zu schlagen.

Ich möchte mit dieser Darstellung nicht die schlechte Leistung einiger aktiver Fondsmanager entschuldigen. Aber es geht bei Auszeichnungen darum, deren Vergabekriterien so transparent wie möglich zu gestalten und nicht mit undurchschaubaren Kriterien oder durch Pauschalisierungen ad absurdum zu führen.

Ich bin auch nicht der Meinung, dass es keine Auszeichnungen für ETFs geben sollte – ganz im Gegenteil. Aber sie sollten unabhängig von Preisverleihungen für aktive Fondsmanager stattfinden. Zudem sollten die Veranstalter für die Investoren nachvollziehbare und sinnvolle Kriterien entwickeln. Nur so können ETF-Auszeichnungen neben den Marketingeffekten echten Mehrwert bei der Produktauswahl liefern. Aber solche Kriterien für ETFs zu finden, das ist die Schwierigkeit.

Klar, Indexfonds sollen ihre Basiswerte möglichst genau abbilden. Aber woran misst man den Gleichlauf? Eine ähnliche Wertentwicklung über einen bestimmten Zeitraum kann zwischenzeitlich mit ganz unterschiedlichen Kursverläufen einher gehen. Wer den ETF an so einem Punkt kauft beziehungsweise verkauft, der hat das Nachsehen.