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Fonds der Woche Auf Sektor und Zeitpunkt kommt es an

Firefly
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Sind Themenfonds Teufelszeug oder Performance-Booster?

Für Investmentgesellschaften und Fondsinitiatoren eignen sich Themenfonds perfekt, da mit der Auflage eines Fonds, der sich auf einen oder mehrere Sektoren konzentriert, eine Geschichte erzählt wird, was wiederum den Vertrieb erleichtert. Und das ging bislang auf: In den letzten Jahren war die Nachfrage nach Themenfonds stabil.

 

 

 

Bis Mitte 2022 verdreifachte sich der Anteil dieser Fonds am globalen Aktienfondsvermögen im Zeitraum von zehn Jahren von 0,8 Prozent auf 2,2 Prozent. Wenn man sich die Nettomittelzuflüsse anschaut, so war das Jahr 2021 beeindruckend: Die weltweiten Nettozuflüsse lagen mit rund 188 Milliarden US-Dollar nochmal höher als im bisherigen Rekordjahr 2020, in dem 139 Milliarden US-Dollar an Zuflüssen erzielt werden konnte.

Krise, teilweise sogar Kollaps

Den letzten stärkeren Gegenwind erlebten einige Themenfonds in den Jahren 2022 und 2023. Die Kurse der Fonds, die sich beispielsweise im Bereich Cleantech und Cannabis, kollabierten teilweise und haben sich bis heute nicht wirklich erholen können.

Jüngstes Beispiel eines Kurssturzes: Der Bit Global Crypto Leaders, aufgelegt am 01.09.2021, lag 1,5 Jahre nach Auflage mit rund 80 Prozent im Minus, konnte sich mittlerweile glücklicherweise wieder berappeln und liegt aktuell noch mit rund 45 Prozent seit Auflage im Minus. 

Fondsauflage, Fondsverschmelzung, Fondsschließung

Doch auch in den Jahren zuvor wurde nicht alles Gold, was als solches angepriesen wurde: Ältere Semester werden sich noch an den UniSector: Sport erinnern (Auflage 01.04.1998), für den Union Investment die Werbetrommel Ende der 90er-Jahre kräftig rührte. Doch nach gerade einmal exakt vier Jahren war damit auch schon wieder Schluss. Man hatte sich mehr erwartet, doch hohe Mittelzuflüsse blieben aus. So wurde der Fonds zum 31.03.2002 wieder aufgelöst und es erfolgte ein kostenfreier und automatischer Tausch in einen anderen Themenfonds aus dem Hause Union Investment, nämlich den Unisector Lifestyle.

 

Quelle Fondsdaten: FWW 2024

 

 

Dieser wurde am 01.10.1999 aufgelegt, bildete die Themen Touristik, Freizeit und Markenartikel ab und bot daher eine ähnliche Risikostruktur wie der Sport-Fonds, der zu jenem Zeitpunkt also Geschichte war. Also alles gut? Keinesfalls, denn auch diese Geschichte war nach weiteren zwei Jahren auserzählt: Die Schließung des Lifestyle-Fonds erfolgte zum 01.04.2004. Dies ist nur ein Beispiel von vielen. Dabei handelt es sich nicht um ein rein deutsches Problem, wie diese düsteren Zahlen unterstreichen: Im Zeitraum von 2007 bis Ende 2021 wurden laut Morningstar weltweit mehr als 75 Prozent der Themenfonds geschlossen und verschmolzen, die zu Beginn des Beobachtungszeitraums am Markt erhältlich waren.

Der Zug ist meist bereits abgefahren

Fondsgesellschaften legen Themenfonds oft in der Spätphase eines Bullenmarktes auf, also erst dann, wenn sich der zugrunde liegende Trend bereits etabliert hat und es sich nicht (mehr) um einen neuen Trend handelt. Man kann beobachten, dass die Korrelation zwischen der Auflage thematischer Fonds und starker Aktienmarktphasen hoch ist, während in schwächeren Phasen die Zahl wieder abnimmt. Im zweiten Halbjahr 2020 wurden zum Beispiel in Europa nahezu genauso viele Themenfonds aufgelegt, wie insgesamt in 2019. 2021 wurde mit 90 Neuauflagen ein weiterer Rekord erzielt und nahezu 50 Prozent dieser neuen Fonds wurden erst im 4. Quartal 2021 gestartet.

Europa liebt Themenfonds

Breit diversifizierte Themenfonds stehen in Europa ganz weit oben auf dem Zettel der Anleger. Dazu zählt beispielsweise der Pictet-Global Megatrend Selection, der gleich auf mehrere globale Megatrends setzt. Eine gewisse Vielfalt an Themen sorgt dafür, dass im Gegensatz zu vielen anderen, die Schließungsquote im Hause Pictet sehr niedrig ist. Auch der Allianz Thematica erfreut sich großer Beliebtheit.

Was spricht für Themenfonds?

Grundsätzlich sollten Anleger diese Art von Fonds, im Portfoliokontext als Beimischung betrachten. Zur richtigen Zeit mit dem richtigen Assetmanager investieren, kann die Performance eines Portfolios positiv beeinflussen. Wichtig ist auch, dass es sich um Megatrends handelt, die aller Voraussicht nach in Kürze nicht verschwinden und deren Potenziale noch nicht ausgeschöpft sind. Also genau das Gegenteil von kurzfristigen Modetrends. 

Nahrung meets Wasser 

Diese beiden Bereiche hat Schroders aufgegriffen und am 05.10.2021 den Schroder ISF Global Sustainable Food and Water (ISIN: LU2380233515) aufgelegt. Hauptverantwortlich für den globalen Aktienfonds ist Mark Lacey (Leiter Global Resource Equities, Portfoliomanager). Unterstützt wird er dabei von den beiden Kollegen Alexander Monk und Felix Odey (Analysten erneuerbare Energien), wobei das Management-Team die kompletten Research-Kapazitäten von Schroders nutzt. Lacey ist seit 2013 für Schroders tätig, davor war er unter anderem Portfoliomanager der Global Energy-Fonds von Investec und Leiter Global Energy bei Goldman Sachs.

Die Karriere startete er im Jahr 1996 bei Credit Suisse Asset Management. Alexander Monk ist als Analyst für nachhaltige Energie seit September 2018 im Ressource-Equities-Team tätig. Davor war er Analyst für nachhaltige Investments bei Schroders in den Segmenten globale Dienstleistungen und Telekommunikation. Bei Schroders begann er im August 2016 seine Investment-Laufbahn. Der Dritte im Bunde, Felix Odey, ist seit Juni 2017 im Ressource-Equities-Team als Analyst für Energieaktien tätig, und auch er begann seine Investment-Laufbahn bei Schroders (seit September 2016). 

 

 

 

 

Was steckt drin?

Der Abbau von Treibhausgasen und eine Veränderung des Lebensstils, um sich dem Klimawandel anzupassen, war selten so wichtig wie heute. Außerdem: Erhalt der Artenvielfalt, die Reduzierung der Umweltverschmutzung und des Abfalls sowie eine gesündere Ernährungsweise. Etwas mehr als ein Viertel der globalen Treibhausgase gehen auf Lebensmittel und Wasser zurück.

Es gibt Schätzungen, dass in den nächsten rund 25 Jahren 30 Billionen US-Dollar nötig sind, um eine Weltbevölkerung von 10 Milliarden Menschen mit Lebensmittel und Wasser versorgen zu können, und zwar nachhaltig. Das Pariser Abkommen mit dem 2 Grad- und idealerweise 1,5 Grad-Ziel spielt hierbei ebenfalls mit rein. Genau die Unternehmen, die diese positive Wende mitgestalten bzw. auslösen, stehen im Fokus der Fondsmanager.

Sechs Hauptthemen:

Food & Water Inputs: Um die entstehende Versorgungslücke zu schließen, die sich bis 2050 auftun wird, werden dringend Technologien benötigt, die es den Landwirten ermöglichen, mit geringerer Ressourcenintensität mehr Lebensmittel zu produzieren. Dazu gehören beispielsweise maßgeschneiderte Düngemittel, Pestizide und natürlich auch fortschrittliche Saatguttechnologien. Ebenso sind für eine Verbesserung der globalen Gesundheitslage bessere natürliche Inhaltsstoffe und Nahrungsergänzungsmittel wichtige Themen.

Food & Water Production and Processing: Die Herausforderung ist riesig. Denn die landwirtschaftlichen Methoden müssen rund um den Globus modernisiert werden, um die landwirtschaftliche Produktion bis zum Jahr 2050 um 70 Prozent zu steigern und gleichzeitig die Treibhausgasemissionen um 66 Prozent zu senken. Dies ist nur durch die Einführung einer breiten Bandbreite von Technologien möglich, die Abfall deutlich reduzieren, die Ernährungssicherheit mit Blick auf immer häufiger auftretende Wetter-Extreme stärken und eine größere Ressourceneffizienz ermöglichen.

Dazu gehört zum Beispiel die Präzisionslandwirtschaft. Konkreter: Präzisionslandwirtschaft nutzt Informationstechnologie (u.a. Drohnen), um sicherzustellen, dass Pflanzen und Böden das bekommen, was sie für ihre Gesundheit und Produktivität brauchen. Das bedeutet, dass entsprechende Maßnahmen erfolgen, damit zur richtigen Zeit am richtigen Ort Schritte veranlasst werden, um die Produktion zu optimieren und die Rentabilität, Nachhaltigkeit und Umweltschutz zu gewährleisten.

Food & Water Distribution and Retail: Lebensmittel- und Wasserverschwendung stehen im Mittelpunkt des landwirtschaftlichen Übergangs zu mehr Nachhaltigkeit. Nachhaltigere Transportmethoden wie Schiff und Bahn sowie optimierte Kühltransporte sollen zukünftig dazu beitragen, dies mit geringeren Emissionen zu erreichen. Da Ernährung und Gesundheit immer mehr in den Mittelpunkt der Verbraucher rücken, müssen auch Restaurants und Einzelhandelsgeschäfte den sich ändernden Anforderungen gerecht werden.

Food & Water Recycling: Aktuell werden noch jedes Jahr rund zwei Milliarden Tonnen Abfall produziert, von denen nur rund 20 Prozent wiederverwertet und kompostiert werden. Außerdem werden 45 Prozent des Wassers als Abwasser freigesetzt. Das Recycling von Abfall am Ende seines Lebenszyklus wird zu einer großen Herausforderung, deren Lösung dazu beitragen wird, dass das globale Wassersystem nachhaltig(er) wird. Zusammenfassend kann man sagen, dass es das Ziel sein sollte, die Erträge und Effizienz der Landwirtschaft zu steigern, die globale Ernährung und das weltweite Essverhalten zu verändern und die Abfälle sowie Emissionen erheblich zu reduzieren.

Hochflexibel, benchmarkfrei

Es gibt keine Vorgaben hinsichtlich der Sektoren, des Stils, der Marktkapitalsierungen und den Regionen. Die regionale Allokation ist sozusagen Zufall, ergibt sich aus dem Investmentprozess und stellt keine angestrebten Gewichtungen dar. Die Manager nutzen einen bereits seit 2005 etablierten Investitionsprozess, der speziell für Aktien aus dem Bereich "Ressourcen" entwickelt wurde. Unternehmen, die in der Lage sind, nachhaltig ihr Wachstum und den Cashflow steigern zu können und zu einem angemessenen Wert gehandelt werden, sind potenzielle Portfolio-Kandidaten.

Aus einem ursprünglichen Anlageuniversum (ca. 10.000 Aktien) bleiben nach der thematischen Selektion noch knapp 200 Titel übrig, aus denen dann die Manager ihre Zielinvestments auswählen. Hierbei spielen beispielsweise Punkte wie Qualität der Bilanz (Verschuldungsgrad) und der Unternehmensführung, das Kundenmanagement, der Umgang mit den Mitarbeitern und auch regulatorische Risiken eine wichtige Rolle. Es handelt sich um einen Long Only-Ansatz, Derivate zur Absicherung sind nicht vorgesehen. Das konzentrierte Portfolio (ca. 230 Millionen USD) besteht aus 35-60 Titeln.

 

 

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