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in Aktive Fonds versus ETFsLesedauer: 3 Minuten

Auswertung zu ETFs ETFs die bessere Alternative zu aktiv verwalteten Fonds? Die Wahrheit ist eine andere

Eine ETF-Auswertung zeigt, dass die Erfolgsquote von Indexfonds gar nicht so hoch ist, weil viele schnell wieder liquidiert werden.
Eine ETF-Auswertung zeigt, dass die Erfolgsquote von Indexfonds gar nicht so hoch ist, weil viele schnell wieder liquidiert werden. | Foto: Imago Images / Pond5 Images

Börsengehandelte Indexfonds (ETFs) haben sich vor allem in den vergangenen Jahren immer größerer Beliebtheit erfreut. Sie bieten geringere Kosten und oft eine bessere Performance als aktiv verwaltete Fonds. Ali Masarwah, Geschäftsführer der Fondsdiscount-Plattform Envestor hat ETFs nun aber eine erschreckend schlechte Bilanz ausgestellt.

Für seine Analyse hat der ehemalige Morningstar Analyst 30 ETFs in relevanten Kategorien über die vergangenen zehn Jahre, von April 2014 bis März 2024 ausgewertet. Auf den ersten Blick ist die allgemeine Performance der ETFs im Vergleich zu aktiv verwalteten Fonds, wenig überraschend, besser. Doch Masarwah erklärt, wieso dies bei genauerer Betrachtung täuscht.

 

Ergebnisse zeigen nur die halbe Wahrheit

Insbesondere bei den Weltaktienfonds schneiden die ETFs überdurchschnittlich gut ab. „MSCI-World- oder FTSE-World-ETFs haben die durchschnittlichen Fonds der Kategorie regelrecht deklassiert“, so Masarwah über die jährliche Überperformance im Vergleich zu den Fonds. Auch andere große Kategorien haben im analysierten Zeitraum eine vergleichsweise überdurchschnittliche Performance bewiesen. „Den Vogel schießen ETFs auf den Nasdaq 100 ab, die die Fonds der Kategorie Aktien USA Wachstum um jährlich 5,75 Prozentpunkte übertroffen haben“, sagt der Experte.

Diese Ergebnisse beinhalten allerdings nur ETFs, die im analysierten Zeitraum über den gesamten Erhebungszeitraum aktiv geblieben sind. In der Statistik tauchen keine Produkte auf, die im Bemessungszeitraum liquidiert oder geschlossen wurde. Dadurch entstehe eine kognitive Verzerrung, die in Fachkreisen auch „Survivorship Bias“ genannt wird. In einem solchen Fall werden die erfolgreichen Zustände sichtbarer gemacht als die erfolglosen.

Überlebensquote von ETFs schockiert

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Masarwah hat genauer hingeschaut und eine sogenannte Überlebensquote der ETFs erstellt. Sein Fazit: „Man kann getrost von einem Massensterben sprechen.“ Von anfangs 76 ETFs in der Kategorie Rentenfonds Euro Staatsanleihen haben lediglich 33 ETFs bis heute geschafft weiter zu existieren. Das entspricht nach zehn Jahren einer Quote von 43 Prozent.

Doch es geht noch deutlich schlimmer. Die europäischen Nebenwerte schnitten im Bemessungszeitraum am schlechtesten ab. Von anfangs neun ETFs haben zehn Jahre später nur zwei davon überlebt. Das entspricht lediglich 22 Prozent. Auch in den USA, in der Kategorie „USA Growth“ überlebten gerade einmal die Hälfte aller ETFs in den vergangenen zehn Jahren. Die Zahlen sind alarmierend.

 

Liquidationen schwächen die Bilanz enorm

Um noch stärker herauszustellen, wie schlecht die Lage um ETFs wirklich ist, hat Masarwah eine Erfolgsquote der ETFs erstellt. Darunter fallen ETFs, die im gesamten Analysezeitraum existierten und zusätzlich besser abgeschnitten haben als die aktiv verwalteten Fonds. Das Negativbeispiel sind China Aktien-ETFs mit einer Erfolgsquote von null Prozent. Doch auch Nebenwerte-ETFs aus den USA kommen unter den Voraussetzungen der Bemessung lediglich auf eine Erfolgsquote von 38 Prozent. 

Das Hauptproblem der schwachen ETF-Bilanz sind die durchgeführten Liquidationen. Doch durch das „Survivorship Bias“ werden die Performances der ETFs in Gänze verschönt und insbesondere Laien stehen nur vor der halben Wahrheit, ohne davon überhaupt zu wissen.

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