Wie diese Strategie-Fonds mit einem regelbasierten Ansatz durch die Märkte navigieren
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Statt Prognosen: Die Hoerner Bank verfolgt mit ihren beiden vermögensverwaltenden Strategien einen anderen Weg, um diese durch unterschiedliche Marktphasen zu steuern. Die Details.
Die beiden Fonds basieren auf derselben Investmentphilosophie, verfolgen jedoch unterschiedliche Ziele. Bei dem einen steht der mittelfristige Kapitalerhalt im Vordergrund, beim anderen der langfristige Vermögenszuwachs.| Bildquelle: KI-generiert
Prognosen gehören zum Kapitalmarkt wie Kursschwankungen. Verlässlich sind allerdings weder die einen noch die anderen. Gerade die vergangenen Jahre haben gezeigt, wie schnell vermeintliche Gewissheiten über Konjunktur, Inflation, Zinsen oder geopolitische Entwicklungen überholt sein können.
Die Hoerner Bank verfolgt mit ihren beiden vermögensverwaltenden Strategien deshalb einen anderen Weg. Nicht die möglichst präzise Vorhersage der nächsten Marktbewegung steht im Mittelpunkt, sondern ein regelbasierter Investmentprozess, der unabhängig davon funktionieren soll, welche Überraschung die Kapitalmärkte als Nächstes bereithalten.
Der Hoerner Bank Strategie Substanz Plus P (ISIN: LU0378037153) und der Hoerner Bank Strategie Rendite Global Plus P (ISIN: LU0378037310) basieren dabei auf derselben Investmentphilosophie, verfolgen jedoch unterschiedliche Ziele. Während beim Substanz Plus der mittelfristige Kapitalerhalt im Vordergrund steht, ist der Rendite Global Plus auf langfristigen Vermögenszuwachs ausgerichtet und nimmt dafür deutlich höhere zwischenzeitliche Schwankungen in Kauf.
Die Wurzeln der Strategien reichen bis ins Jahr 2008 zurück. Damals wurde das Konzept des Substanz Plus gemeinsam mit Andreas Beck vom Institut für Vermögensaufbau entwickelt. Wissenschaftliche Erkenntnisse zur Portfoliooptimierung, passive Strategien und Faktorprämien bildeten wesentliche Grundlagen. 2018 wurde das Konzept des Rendite Global Plus weiterentwickelt und um den heutigen antizyklischen Investmentansatz ergänzt. Damit stehen heute zwei Strategien zur Verfügung, die auf einer gemeinsamen Investment-DNA beruhen, beim Umgang mit Risiko jedoch unterschiedliche Wege einschlagen.
Die Hoerner Bank: Unabhängigkeit mit langer Tradition
Die Geschichte der Hoerner Bank reicht bis ins Jahr 1849 zurück. Ihren Ursprung hat sie in einer „Agentur für Auswanderer nach Amerika“. Heute ist die inhabergeführte Privatbank neben dem Asset Management und der klassischen Vermögensverwaltung insbesondere in der internationalen Erbenermittlung tätig. Insgesamt verwaltet die Bank nach eigenen Angaben rund 410 Millionen Euro. Davon entfallen rund 203 Millionen Euro auf den Rendite Global Plus und etwa 180 Millionen Euro auf den Substanz Plus.
Verantwortet werden die Strategien im Team
Reiner Riecker ist seit 2007 Portfoliomanager und Vermögensverwalter bei der Hoerner Bank AG und leitet seit 2018 die Vermögensverwaltung. Die beiden Fonds begleitet er bereits seit ihrer Auflage im August 2008. Zuvor war er unter anderem bei der Baden-Württembergischen Bank und beim Bankhaus Bauer tätig.
Michael Geiß gehört seit 2018 zum Portfoliomanagement der Hoerner Bank. Seine berufliche Laufbahn führte ihn zuvor über die Kreissparkasse Ludwigsburg und das Bankhaus Jungholz. Neben der Titelselektion und Asset-Allokation verantwortet er die Nachhaltigkeitsstrategie im Bereich Asset Management.
Das Fondsmanagement arbeitet zudem regelmäßig mit Andreas Beck zusammen. Der wissenschaftliche Berater begleitet die risikoadjustierte Portfoliosteuerung auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse. Die Verantwortung und die Anlageentscheidungen verbleiben jedoch vollständig beim Fondsmanagement der Hoerner Bank.
Prognosefrei statt prognosegläubig
Der zentrale Gedanke hinter beiden Strategien ist bemerkenswert einfach: Langfristiger Anlageerfolg soll nicht davon abhängig gemacht werden, einzelne Aktien, Länder oder kurzfristige Marktbewegungen richtig vorherzusagen. Stattdessen setzt die Hoerner Bank auf eine disziplinierte Asset-Allokation und breite globale Diversifikation. Auf der Aktienseite bildet der MSCI All Country World Investable Market Index den Aus-gangspunkt. Das Anlageuniversum umfasst damit entwickelte Märkte und Schwellenländer einschließlich Small und Mid Caps.
Allerdings wird die regionale Gewichtung des Weltaktienmarktes nicht einfach übernommen. Hier kommt der sogenannte Value-Parity-Ansatz ins Spiel. Fundamental günstiger bewertete Märkte werden höher, vergleichsweise teure Regionen niedriger gewichtet. Die Bewertung erfolgt unter anderem anhand des geschätzten Forward-KGV. Die Aktienallokation wird übewiegend über kostengünstige Regionen-ETFs umgesetzt.
Gerade in den USA weicht das Management bewusst von der klassischen Marktkapitalisierungsgewichtung ab, um die starke Konzentration auf einzelne Mega-Caps zu reduzieren und den Value-Faktor stärker zu berücksichtigen. Die Rentenseite folgt dagegen stärker einem Bottom-up-Ansatz. Staatsanleihen erfüllen unter anderem die Funktion eines Liquiditätspuffers, während einzelne Anleihen anhand ihres Rendite-Risiko-Profils ausgewählt werden. Entscheidend sind Kreditqualität, Restlaufzeit, Rendite bis zur Endfälligkeit, Zinsstruktur und Liquidität.
Damit verbindet die Hoerner Bank ein regelbasiertes Grundgerüst mit diskretionären Entscheidungen. Asset-Allokation, Value Parity und die Rebalancing-Impulse folgen quantitativen Vorgaben. Die konkrete Auswahl von Anleihetranchen, das Timing von Put-Optionen und das Liquiditätsmanagement liegen dagegen in der Hand des Fondsmana-gements.
Antizyklik: Kaufen, wenn andere verkaufen
Besonders interessant ist der Umgang mit Marktstress. Beim Rendite Global Plus P werden Rückschläge nicht ausschließlich als Risiko betrachtet, sondern als Voraussetzung dafür, zusätzliche langfristige Rendite zu erwirtschaften. Definierte Stressindikatoren geben Rebalancing-Impulse. Kommt es zu deutlichen Kursrückgängen, kann Kapital aus liquiden Anleihen beziehungsweise der Liquiditätsreserve in Aktien umgeschichtet werden. Die Aktienquote wird damit gerade dann erhöht, wenn andere Marktteilnehmer Risiko reduzieren. Beruhigen sich die Märkte und steigen die Kurse wieder, wird das zusätzliche Aktienrisiko sukzessive zurückgeführt.
Das Management bezeichnet den daraus angestrebten zusätzlichen Ertrag als „Antizyklik-Prämie“. Dieser Ansatz hat eine wichtige Konsequenz: Der Fonds versucht nicht, Drawdowns grundsätzlich zu vermeiden. Zwischenzeitliche Schwankungen werden bewusst akzeptiert. Entscheidend ist vielmehr, wie das Portfolio auf diese Schwankungen reagiert. Kurze und heftige Korrekturen sind deshalb ein grundsätzlich günstiges Umfeld für die Strategie.
In solchen Situationen können Signale ausgelöst werden, die Aktienquote beispielsweise von 60 auf 70 oder 80 Prozent anzuheben. Schwieriger sind dagegen langanhaltende Aufwärtsmärkte ohne größere Rückschläge. Dann reduziert das Modell planmäßig Aktienrisiken. Bleibt die erwartete Korrektur aus, kann der Fonds mit seiner niedrigeren Aktienquote zeitweise hinter einem stark steigenden Aktienmarkt zurückbleiben. Gemäß Anlagerichtlinien kann die Aktienquote zwischen 51 und 100 Prozent liegen; in der Praxis bewegt sie sich in der Regel zwischen 60 und 80 Prozent. Genau darin liegt allerdings auch die Konsequenz des Ansatzes: Die Strategie versucht nicht, jederzeit möglichst nah am Aktienmarkt zu liegen.
Substanz Plus: Das Risikobudget kommt aus den Erträgen
Beim Substanz Plus P funktioniert die Risikosteuerung anders. Das Minimalziel besteht im mittelfristigen Kapital- beziehungsweise Werterhalt nach Kosten. Der Anlagehorizont beträgt drei bis fünf Jahre. Die Zielrendite gibt das Management mit Euro Short-Term Rate plus 200 Basispunkten beziehungsweise aktuell durchschnittlich etwa 4 bis 5 Prozent pro Jahr nach Kosten an. Entscheidend ist dabei die Verbindung von Zinsniveau und Aktienrisiko. Die maximale Aktienquote wird dynamisch an das Zins- und Renditeniveau angepasst.
Vereinfacht gesagt: Je größer der laufende Ertragspuffer der Rentenanlagen, desto mehr Aktienrisiko kann sich die Strategie erlauben. Die Aktienquote bewegt sich normalerweise zwischen 15 und 30 Prozent. Damit unterscheidet sich der Substanz Plus fundamental von klassischen Mischfonds mit einer weitgehend statischen Aktienquote. Das Risikobudget soll nicht unabhängig vom Kapitalmarktumfeld festgelegt werden, sondern berücksichtigt, welchen Puffer die Rentenseite über den mittelfristigen Anlagehorizont aufbauen kann. Gerade das heutige Zinsumfeld ist deshalb grundsätzlich günstiger für das Konzept als die jahrelange Nullzinsphase. Auskömmliche Realrenditen und höhere Kupons schaffen einen Puffer gegenüber Wertschwankungen und ermöglichen zugleich höhere Aktienquoten.
Performance: Zwei Risikoprofile, zwei Ertragspfade
Die unterschiedliche Ausrichtung zeigt sich auch in der Wertentwicklung. Der defensivere Substanz Plus P ist deutlich ruhiger unterwegs, während beim Rendite Global Plus P die Erträge entsprechend dem höheren Risikobudget stärker ausfallen. Ein reiner Renditevergleich greift jedoch zu kurz, da beide Fonds mit deutlich unterschiedlichen Aktienbudgets arbeiten.
Nicht jeder Markt spielt den Strategien in die Karten
Ein regelbasierter Ansatz ist nicht automatisch in jedem Marktumfeld überlegen. Gerade diese Einschränkung ist für die Einordnung der beiden Fonds wichtig. Beim Substanz Plus P zeigte sich 2022 eine außergewöhnlich schwierige Konstellation. Der abrupte Zinsanstieg führte gleichzeitig zu Verlusten bei Anleihen und Aktien – ausgerechnet bei jenen Anlageklassen also, deren Kombination normalerweise stabilisierend wirken soll. Die relativ kurze Duration ermöglichte es jedoch, freiwerdendes Kapital anschließend zu deutlich höheren Renditen wieder anzulegen. Der Fonds erreichte bereits 2023 wieder ein neues Allzeithoch.
Beim Rendite Global Plus P liegt die Schwäche an anderer Stelle. Ein über Jahre nahezu ununterbrochen steigender Aktienmarkt kann dazu führen, dass das Modell zu früh Risiken reduziert. Der Preis für die Bereitschaft, in Krisen antizyklisch kaufen zu können, besteht darin, in Haussephasen nicht vollständig an den Aktienmarktgewinnen teilzunehmen. Antizyklische Strategien funktionieren nur dann, wenn man ihnen auch in jenen Phasen treu bleibt, in denen ein einfacher Aktienindex scheinbar die bessere Lösung gewesen wäre.
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