Candriam-Fondsmanager Olivier Baccam (links) und Edouard Petitcollot: „Jedes Jahr betrachten wir über 500 Übernahmen, investieren aber nur in 20 Prozent davon.“

Candriam-Fondsmanager Olivier Baccam (links) und Edouard Petitcollot: „Jedes Jahr betrachten wir über 500 Übernahmen, investieren aber nur in 20 Prozent davon.“

Fonds-Perle Candriam Risk Arbitrage

Marktneutrale Renditen im Übernahme-Poker

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Seit 2014 gehen Unternehmen wieder häufiger auf Einkaufstour. Im vergangenen Jahr überstiegen Anzahl und Volumen der bekannt gegebenen Firmenübernahmen Analysten zufolge sogar das bisherige Rekordjahr 2007.

Von dieser Fusionswelle wollen nicht zuletzt Fonds profitieren, die sogenannte Merger-Arbitrage-Strategien nutzen. „Wenn ein Unternehmen ein Übernahmeangebot für ein anderes abgibt, steigt der Aktienkurs des Zielunternehmens zwar stark, aber nicht bis auf den Übernahmepreis – weil das Risiko besteht, dass das Geschäft nicht zustande kommt“, erklärt Olivier Baccam, der zusammen mit Edouard Petitcollot den Candriam Risk Arbitrage managt. Die beiden kaufen ab der Bekanntgabe eines Angebots die Aktien des umworbenen Unternehmens, sofern sie davon ausgehen, dass dessen Übernahme stattfindet und der Kurs bis dahin weiter zulegen wird.

Einen feststehenden Ablauf gibt es aber nicht: „Jede Fusion ist anders und jede hat ihren eigenen Zeitplan. Mit unserer langjährigen Erfahrung entscheiden wir auf der Grundlage intensiver Analysen, wann wir kaufen und wieder verkaufen.“

Hohe Liquidität und günstige Bewertung


Dabei ist es Ziel des Duos, die Volatilität unter 5 Prozent zu halten. Das gelingt locker, zurzeit liegt diese Risikokennziffer bei lediglich 1,8 Prozent. Besonders günstig sollen Phasen mit vielen Übernahmen sein, so Baccam: „Und viel spricht für weitere Fusionen. Unternehmen haben viel Liquidität, und Aktien sind günstig bewertet.“

Nach der Ankündigung einer Fusion hängt der Kurs des Zielunternehmens nicht mehr in erster Linie von Unternehmensergebnissen ab, sondern von Nachrichten über den Zusammenschluss. Aus diesem Grund sind Aktien von Unternehmen, die an einer Übernahme beteiligt sind, weniger mit dem Gesamtmarkt korreliert.

Auswahl nimmt zu


Für Investoren hat dies Vorteile, wie Baccam aufzählt: „Erstens ist eine gut gemanagte Merger-Arbitrage-Strategie marktneutral, sodass sie ein Portfolio diversifiziert. Zweitens lassen sich stabile Erträge erzielen, wenn man richtig prognostiziert, welche Übernahmen zustande kommen und welche nicht.“

Ende 2015 kam gleich eine ganze Reihe von Deals zustande, auf die auch der Candriam-Fonds gesetzt hat: In der Chemiebranche hat die belgische Solvay ihren US-Rivalen Cytec übernommen. Chip-Hersteller Intel hat die größte Akquisition seiner Geschichte vorgenommen und den US-Wettberber Altera erworben.

Nach eigenem Bekunden gehen Baccam und Petitcollot äußerst wählerisch vor: „Jedes Jahr betrachten wir über 500 Übernahmen, investieren aber nur in 20 Prozent davon.“ Vorsicht ist etwa geboten, wenn die Finanzierung der Transaktion unsicher erscheint oder es in jüngerer Vergangenheit zu gerichtlichen Untersuchungen bei einem der beteiligten Unternehmen gekommen ist.

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