Emmanuel Petit, Anleihechef bei Rothschild & Cie Gestion

Emmanuel Petit, Anleihechef bei Rothschild & Cie Gestion

Fonds-Perle: R Euro Credit

Unternehmensanleihenfonds mit ordentlich Schmackes

Als Emmanuel Petit sein Kaufinteresse durchgibt, ist man verwirrt. Schließlich geht es um eine Anleihe aus Italien. In der Eurokrise. Von einer kleinen Privatkundenbank, die außerhalb Italiens kaum einer kennt – der Banca Iccrea.

Und dann kommt plötzlich so ein Franzose daher und will zugreifen? „Wir waren tatsächlich der einzige französische Investor, der sich damals dafür interessierte“, erinnert sich Petit heute. Das war im November 2013.Die Anleihe hatte eine Laufzeit von drei Jahren, die Rendite lag bei etwa 3 Prozent.

Mut zur eigenen Meinung

Zwei Jahre zuvor hatte Petit schon in einem weiteren Krisenland – Spanien – nach einer Anleihe der dortigen Telefongesellschaft, Telefónica, gegriffen. Sie war eben günstig, und Telefónica ist nur in zweiter Linie in Spanien aktiv. Bleibt festzuhalten: Emmanuel Petit hat definitiv Mut zur Meinung.

Er ist Anleihechef bei Rothschild & Cie Gestion in Paris. Und wie das aussieht, wenn eine eigene Meinung funktioniert, zeigt ein Blick auf den R Euro Credit.

Um 16 Prozentpunkte hat der Rentenfonds für Unternehmensanleihen seinen Vergleichsindex in fünf Jahren hinter sich gelassen. Aufs Jahr heruntergerechnet sind es 10,1 Prozent für den Fonds, der Index schaffte 7,8 Prozent. Er hat aber auch ordentlich Schmackes.

So hängt er in normalen Marktphasen seinen Vergleichsindex zwar souverän ab. Kracht es aber an den Märkten – wie etwa im Frühling 2011 oder im Herbst 2008 –, dann verliert er gern auch mal einiges mehr als der Index. Das Portfolio darf man sich als ein handverlesenes Anleihesortiment vorstellen.

Frei von einengenden Richtlinien und ohne Leerverkäufe. Für Petit gibt es nur kaufen oder nicht. Und weil er nicht an einen Index gebunden ist, darf er bei kleinen, unentdeckten Perlen oder kriselnden Kursen sofort zulangen.

Wie damals in Italien. Dass sich die jüngsten Gewinne in den nächsten Jahren nicht wiederholen lassen, ist natürlich klar. Allerdings ist man in einem derart flexiblen Fonds angesichts dessen noch mit am besten aufgehoben.

16 Analysten haben direkt mit der dafür nötigen Anleiheauswahl zu tun. Sie greifen auf Datenbanken zu, unter anderem von Markit, Credit Sight und Ratings Direct.

Es geht darum, Wirtschaftsszenarios zu entwickeln und auf deren Grundlage Branchen, Länder, Themen und letztendlich Unternehmen mit voraussichtlich hohem Wachstum zu finden. Deren Anleihen durchlaufen die hauseigenen Bewertungsmodelle und kommen anschließend ins Portfolio – oder eben auch nicht.

Bloß nicht darauf sitzenbleiben

Doch damit ist die Arbeit nicht getan. „Wir behalten immer die Risiken im Auge“, sagt Petit. In der Tat nimmt das Risikomanagement eine gleichwertige Position neben Analyse und Portfolio-konstruktion ein. Hier geht es – natürlich – um Ausfallrisiken bei den Schuldnern.

Aber auch um Kursrisiken, für die es eine Schmerzgrenze in Form eines Budgets gibt, und Liquiditätsrisiken. Darunter fällt die Gefahr, auf Anleihen sitzen zu bleiben, wenn sich keine Käufer finden. All das überwacht die Risikoabteilung fortlaufend und schlägt Alarm, wenn Gefahren drohen.


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