Fonds-Porträt BB Entrepreneur Europe Small „Bei unseren Analysen stoßen wir auf Firmen, die extrem günstig bewertet sind“

Birgitte Olsen managt den BB Entrepreneur Europe Small von Bellevue Asset Management seit 2008

Birgitte Olsen managt den BB Entrepreneur Europe Small von Bellevue Asset Management seit 2008

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Ohne Zweifel lastet auf Entrepreneuren eine hohe Verantwortung. Denn das eigene Unternehmen stellt meist den Großteil des Familienvermögens dar. Das heißt: Geht es der Firma gut, geht es auch der Familie gut – und umgekehrt. „Daraus ergibt sich für Unternehmen, an denen die Gründerfamilie maßgeblich beteiligt ist, eine ganz besondere Situation. Sie können es sich deshalb nämlich nicht leisten, erhöhte Risiken einzugehen, sondern müssen bei allen Entscheidungen langfristig, idealerweise in Generationen, denken“, sagt Birgitte Olsen, Fondsmanagerin des BB Entrepreneur Europe Small der Investmentboutique Bellevue Asset Management.

Und genau das macht diese im Durchschnitt auf lange Sicht besonders erfolgreich. So brachte der CS Family Index TR EUR, der 40 börsennotierte Familienunternehmen aus den USA und Europa enthält, gegenüber dem MSCI World Index NTR EUR zwischen Ende 2005 und 2015 einen Mehrertrag von rund 65 Prozentpunkten.

Auswahl nach Value-Kriterien

Das bedeutet aber nicht, dass eigentümergeführte Unternehmen per se eine bessere Wertentwicklung liefern. Vielmehr ist ein gründlicher Investmentprozess notwendig, um die aussichtsreichsten Werte herauszufinden. Olsen und ihr Team verstehen sich dabei als Value-Investoren: „Firmen haben nur dann die Chance, in unser Portfolio aufgenommen zu werden, wenn wir auf Basis unserer Analyse ein Kurspotenzial von wenigstens 20 Prozent sehen und die Firma ein vernünftiges qualitatives Risikoprofil und insbesondere eine solide Bilanz aufweist.“

Eine erste Grundlage für die Beurteilung der Familienunternehmen ist deshalb der intensive Kontakt zum Management und den Inhabern der einzelnen Firmen. Olsen und ihr Team führen rund 350 bis 400 Gespräche mit Unternehmen in ganz Europa jedes Jahr durch. Diese Meetings nutzt das Management außerdem, um das Geschäftsmodell der Unternehmen zu durchdringen. „Gemäß dem bekannten Grundsatz von Warren Buffett investieren auch wir nur in das, was wir verstehen“, macht Olsen klar.

Jedoch gibt es bei familiengeführten Unternehmen auch Besonderheiten. „Wir haben zum Beispiel zusammen mit dem Center for Family Business an der Universität St. Gallen analysiert, welche Beteiligungshöhe einer Familie sich wie auf die langfristige Wertentwicklung auswirkt“, erklärt die Expertin. Das Ergebnis: Als sogenannter Sweet Spot hat sich ein Stimmrechtsanteil in Höhe von 20 bis 30 Prozent erwiesen. Ferner gilt es, neben den üblichen makroökonomischen oder länderspezifischen Risiken auch firmenspezifische Besonderheiten zu beachten. Olsen: „Im Rahmen unseres Risikomanagements berücksichtigen wir deshalb auch, ob es eine durchdachte Nachfolgeregelung gibt oder ob etwa Minderheitsaktionäre benachteiligt werden.“