Manfred Stiegel betreut die Portfolioentscheidungen für den Global Opportunities HAIG World Select

Manfred Stiegel betreut die Portfolioentscheidungen für den Global Opportunities HAIG World Select

Fonds-Portrait Global Opportunities HAIG World Select

Von Ampeln und Truthähnen

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Der Erfolg eines flexiblen Mischfonds hängt wesentlich davon ab, wie gut der Fondsmanager die Aktienquote an die Marktlage anzupassen versteht. Manfred Stiegel hat dafür ein ausgeklügeltes System entwickelt, die sogenannte Risiko-Matrix. Sie liefert dem Gründer der Vermögensverwaltung MS Finance Support in Stadtbergen bei Augsburg wöchentlich aktuelle Marktdaten. „Stehen die Ampeln auf Grün, ist der Fonds voll in Aktien investiert. Zeigt die Matrix hingegen Risiken an, kann ich die Aktienquote durch Verkäufe von Aktien und Index-Futures auf nahezu null reduzieren“, beschreibt Stiegel seine Vorgehensweise.

Dem von Stiegel betreuten Global Opportunities HAIG World Select hat das bislang eine beachtliche Performance beschert: Er gehört im Gruppenvergleich europäischer flexibler Mischfonds über ein und drei Jahre mit einem durchschnittlichen Wertzuwachs von 17,3 beziehungsweise 16,5 Prozent per anno zu den Top Five, über fünf Jahre belegt er mit einem durchschnittlichen Plus von jährlich knapp 10 Prozent Rang elf der Vergleichsgruppe. „Vor dem starken Einbruch im Sommer 2011 hat das System vier Wochen vorher gewarnt, so dass ich seinerzeit die Aktienquote rechtzeitig reduzieren konnte“, erinnert sich Stiegel. Auch auf den jüngsten Kursrutsch habe die Risikomatrix bereits Ende Juli Hinweise geliefert.

Übergeordnetes Ziel des seit 2008 selbstständigen Vermögensverwalters ist es, mit seinem ein Jahr zuvor an den Start gegangenen Fonds die ganz großen Einbrüche an den Kapitalmärkten zu vermeiden. Aktuell hat er alle im Portfolio gehaltenen Aktien durch den Verkauf von Futures auf Indizes wie DAX, S&P 500 und Nikkei größtenteils abgesichert, die Aktienquote liegt derzeit bei rund 66 Prozent. Weitere 22 Prozent parken in Bankguthaben, der Rest verteilt sich unter anderem auf Finanztermingeschäfte. Dem Rentenmarkt steht Stiegel bereits seit 2010 skeptisch gegenüber: „Wenn ich überhaupt Anleihen kaufe, dann nur, um Geld aus Aktienverkäufen zu parken“, lautet sein knapper Kommentar zu dieser Anlageklasse.

Stehen die Börsensignale auf Grün, schaut Stiegel sich die attraktivsten Branchen genauer an und wählt die aussichtsreichsten Titel nach technischen-quantitativen Gesichtspunkten aus. „Aktuell gefallen mir neben japanischen Aktien europäische Telekom-Firmen wie KPN und Telecom Italia“, sagt er. Die Titel seien auf breiter Front im Aufwind und zeigten auch an schwachen Tagen Stärke. Schon seit einiger Zeit negativ sieht Stiegel hingegen den Rohstoffsektor: „Wer auf diesen Markt gesetzt hat, musste satte Verluste einstecken. In unserem Fonds befindet sich dagegen kein einziger solcher Titel.“

Die einzelnen Positionen gewichtet Stiegel üblicherweise mit 4 Prozent. Ist er besonders überzeugt von einer Aktie, kann ihr Anteil aber auch schon einmal bei mehr als 5 Prozent liegen.

Das aktuelle Umfeld bewertet der gebürtige Augsburger, der vor seiner Selbstständigkeit unter anderem für die Hypovereinsbank arbeitete, weiter vorsichtig. Generell wartet er immer ab, was der Markt ihm über die Signale sagen will und greift grundsätzlich nicht vor. Falls ihm jemand sagt, warum die Börsen steigen oder fallen, erzählt Stiegel zudem gern die altbekannte Geschichte vom amerikanischen Truthahn: „Er wird täglich vom Bauern gefüttert, ist diesem gegenüber aber zunächst zurückhaltend. Wegen des Futters freut er sich dann aber doch jeden Tag mehr, ihn im Stall zu sehen – weil ihm die entscheidende Information fehlt: Thanksgiving steht vor der Tür.“

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