Remy Schraner, Anlage-Chef Hauck & Aufhäuser (Schweiz) AG

Remy Schraner, Anlage-Chef Hauck & Aufhäuser (Schweiz) AG

Fonds-Portrait H & A Prime Values Growth

Ein gutes Gewissen garniert mit einer Prise Gold

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Viele Nachhaltigkeitsfonds lassen sich bereits am Namen als solche identifizieren. Anders beim H & A Prime Values Growth, den das Sustainable Business Institut mit Sitz in Oestrich-Winkel als einen von 59 Mischfonds mit nachhaltigen Anlagekriterien listet. Bei der Titelauswahl geht Fondsmanager Remy Schraner nach dem Ausschlussprinzip vor: „Der Best-in-Class-Ansatz reicht unserer Meinung nach nicht aus. Wir setzen daher auf Ausschlusskriterien“, erläutert er.

Dazu gehören unter anderem die Verletzung von Menschenrechten und ein nicht nachhaltiger Umgang mit Rohstoffen. In einem zweiten Schritt beurteilt Schraner Unternehmen und Anleihe-Emittenten aus fünf ethischen Perspektiven, um weiche Faktoren wie die Unternehmensführung und die Kundenbetreuung zu analysieren. Das Auswahlprinzip beruht auf einem Punkteschema, wobei ein unabhängiger Beirat die Ergebnisse der Ethik-Analysten regelmäßig überprüft.

Zu den Unternehmen, die das Auswahlverfahren bestanden haben, gehört unter anderem Bosch: „An dieser Firma schätzen wir, dass das Geschäftsmodell nicht nur wirtschaftlich erfolgreich ist, sondern dass es auch durch innovative und ressourcenschonende Lösungen Nutzen und mehr Lebensqualität für Kunden und die Gesellschaft stiftet“, erläutert Schraner. Ein weiteres Beispiel sei der brasilianische Wasserversorger Saneamento: „Das Unternehmen hat ökologische und soziale Anliegen glaubwürdig in sein Geschäftsmodell integriert“, so seine Begründung.

Die Aktienquote variiert je nach Marktlage zwischen 50 und 80 Prozent und wird üblicherweise in 14-tägigen Asset-Allocation-Sitzungen angepasst. Aktuell liegt die Gewichtung bei 60 Prozent. Dabei bevorzugt Schraner nachhaltige Unternehmen mit mittlerer bis hoher Marktkapitalisierung und wettbewerbsstarken Geschäftsmodellen. Regional ist er derzeit vor allem in den USA, Deutschland und Frankreich investiert, wobei US-Titel mit 41 Prozent den mit Abstand größten Anteil haben. Zu den größten Positionen gehören aktuell unter anderem der Gesundheitskonzern Fresenius und der US-Kreditkartenanbieter Mastercard.

Anders als im global ausgerichteten Aktienportfolio beschränkt sich Schraner bei den Anleihen auf europäische Emittenten, darunter Unilever und SNCF. In jüngster Zeit hat der Fondsmanager einen Teil der Anleihen abgesichert und die Duration auf weniger als vier Jahre verkürzt. „Wir denken, dass wir bei den Anleihen die Höchstkurse gesehen haben. Da sich weltweit die Inflationserwartungen progressiv aufbauen, werden die Renditen nicht auf neue Tiefststände fallen. Damit sind die Ertragschance an den Rentenmärkten eher begrenzt“, so seine Begründung.

Auf den Aktienmärkten sieht der Fondsmanager eher in den USA und Asien Kurspotential als in Europa, weshalb er europäische Titel gegenüber nordamerikanischen Aktien derzeit schwächer gewichtet. „Um uns gegen größere Verwerfungen an den Finanzmärkten und auch gegen steigende Inflationserwartungen zu schützen, haben wir aktuell außerdem rund 2 Prozent des Fondsvermögens in physisches Gold investiert“, kommentiert Schraner die aktuelle Portfolio-Beimischung.

Mit seinem nachhaltigen Anlagemix erwirtschaftete Schraner über zehn Jahre ein Plus von durchschnittlich 5,27 Prozent, über fünf Jahre holte er im Schnitt 6,41 Prozent jährlich für seine Anleger heraus. Die Volatilität ist mit durchschnittlich 5,51 Prozent für einen Fonds dieser Bauart sehr niedrig.

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