Umberto Borghesi, Fondsmanager der Oyster Dynamic Allocation

Umberto Borghesi, Fondsmanager der Oyster Dynamic Allocation

Fonds-Portrait Oyster Dynamic Allocation

London oder Genf – Hauptsache Italien

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Im Aktienindex MSCI Europe kommen italienische Titel gerade einmal auf einen Anteil von 4 Prozent. Im Euro Stoxx 50 sind es mit knapp 8 Prozent nicht sehr viel mehr, auch wenn immerhin 5 der 50 dort vertretenen Unternehmen aus Italien stammen. Was Umberto Borghesi von der Londoner Investment-Boutique Albemarle Asset Management aber nicht sonderlich schert: Der gebürtige Italiener und Manager des bei der Genfer Privatbank Syz aufgelegten Oyster Dynamic Allocation hat seinen Heimatmarkt seit über 30 Jahren im Visier und hält aktuell 46,5 Prozent des Aktienportfolios seines Mischfonds in italienischen Titeln.

„Über das gesamte Portfolio betrachtet liegt der Anteil generell bei etwa 30 bis 35 Prozent“, erläutert Borghesi. Für italienische Aktien spricht seiner Ansicht zufolge unter anderem die Tatsache, dass die wirtschaftliche Erholung des Landes im Vergleich zu den anderen Staaten Europas etwa 12 bis 24 Monate verzögert stattfindet. Entsprechend niedrig bewertet sind viele der an der Mailänder Börse gehandelten Titel.

Grundsätzlich fokussiert sich der Fondsmanager auf die Länder Westeuropas, wobei er Griechenland aufgrund der strukturellen Probleme generell meidet. Borghesi kann auch auf Anlagen außerhalb Europas und auf Rohstoff-Investments zurückgreifen – nutzt aber beide Optionen derzeit nicht.

Hinsichtlich der Gewichtung von Aktien und Anleihen kann Borghesi frei agieren, Restriktionen muss er nicht beachten. Bislang bewegte sich die Aktienquote seit Auflegung im Jahr 2008 zwischen 15 und 65 Prozent und die Rentenquote zwischen 5 und 65 Prozent. Cash als eigene Anlageklasse kommt in dieser Zeit auf einen Anteil von null bis 45 Prozent. „Bei der Gewichtung spielen neben der makroökonomischen Entwicklung Branchentrends der kommenden 12 bis 18 Monate eine wesentliche Rolle“, erläutert er. Doch auch allgemeine Marktbewertungen und die Politik der Zentralbanken fließen in die Portfolioentscheidungen mit ein.

„Die letzte große Anpassung der Anlageklassen erfolgte Anfang 2015, indem wir die Aktienquote von rund 70 auf 50 bis 55 Prozent heruntergefahren haben“, erinnert sich Borghesi. Die damalige Umschichtung diente dazu, Gewinne aus der Rally mitzunehmen, die von der lockeren Geldpolitik der Europäischen Zentralbank befeuert wurde.

Auf der Aktienseite setzt Borghesi auf einen mehrstufigen Auswahlprozess: Zunächst analysiert er in Frage kommende Titel nach qualitativen und quantitativen Kriterien. Anschließend erstellt er ein Risiko-Ertrags-Profil, das sich aus dem hauseigenen Bewertungsmodell ergibt. „Dieses Modell basiert auf drei Szenarien, die das Unternehmen, die Branche und den Marktausblick berücksichtigen“, erläutert der Fondsmanager.

Außer auf typische Wachstums- oder Substanzwerte greift Borghesi vereinzelt auch auf Restrukturierungs-Kandidaten zurück, wenn diese seiner Meinung nach wie das Verlagshaus Mondadori attraktive Chancen bieten. Gefallen findet er derzeit unter anderem auch an Daimler, dem Edel-Notizbuchhersteller Moleskine und dem Automobilzulieferer Wacker Neuson. Das Renten-Segment deckt Borghesi aktuell bevorzugt über norwegische und italienische Staatsanleihen ab.

Mit seinem Italien-lastigen Portfolio fährt Borghesi respektable Ergebnisse ein: So ist der Oyster Dynamic Allocation im jüngsten Drei-Jahres-Vergleich mit einem Wertzuwachs von 36,2 Prozent das mit Abstand erfolgreichste Angebot der FWW-Kategorie Mischfonds Flexibel Euroland (Stichtag: 14. Dezember). Über fünf Jahre war das südländische Flair angesichts der schwachen Entwicklung italienischer Staatsanleihen allerdings nachteilig und ließ den Fonds etwas schwächer abschneiden.

Generell hat sich Borghesi zum Ziel gesetzt, mit den Aktienmärkten Schritt zu halten, wenn sie gut laufen. Entwickeln sie sich mau, will er besser abschneiden und Verluste begrenzen. „Um mein Ziel zu erreichen, reduziere ich beispielsweise das Risiko im Fonds, wenn das Bewertungsniveau hoch ist und die Gefahr von Schwankungen oder Kursrückgängen steigt“, erläutert Borghesi. Dies setzt er um, indem er beispielsweise von kleineren in größere Unternehmen umschichtet, die Duration sowie das Kreditrisiko bei den Anleihen reduziert und die Kasse hochfährt.

Ein gutes Beispiel für diese Strategie lieferten die vergangenen Monate, in denen Borghesi den Cash-Anteil seines Fonds auf bis zu 15 Prozent aufgestockt hat. Mit dieser Portfolioausrichtung sieht er sich gut für das kommende Jahr gerüstet: „Die Märkte werden bis auf weiteres von vielen Unsicherheitsfaktoren geprägt bleiben“, mahnt er und hat dabei unter anderem die weitere wirtschaftliche Entwicklung in China im Blick.

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