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Joachim Böttcher, Nachhaltigkeits-Experte<br>von Bankinvest

Joachim Böttcher, Nachhaltigkeits-Experte
von Bankinvest

Fonds-Rally: Klassisch gegen nachhaltig

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DAS INVESTMENT.com: Wodurch unterscheiden sich der klassische Aktienfonds Global Equities und seine nachhaltige Variante? Joachim Böttcher: Für den nachhaltigen Global Equities filtern wir das bereits nach finanziellen Kriterien zusammengestellte Portfolio des klassischen Fonds noch mit Hilfe einer Liste von Ausschlusskriterien. Verboten sind Kinder- und Zwangsarbeit, Korruption sowie der Ausstoß von Treibhausgasen und ozongefährdenden Chemikalien. Ausgemustert werden ganz generell Firmen, die Menschenrechte oder Arbeitsrechte verletzen oder gegen den Umweltschutz verstoßen. Auch Unternehmen, die mehr als 10 Prozent ihres Umsatzes mit Tabak, Alkohol, Glücksspiel und Rüstung oder mehr als 3 Prozent mit der Verbreitung pornografischer Inhalte erzielen. DAS INVESTMENT.com: Wie viele Firmen fallen dabei raus?
Böttcher: Insgesamt sind derzeit 15 Unternehmen ausgeschlossen worden.
DAS INVESTMENT.com: Welche zum Beispiel?
Böttcher: Die französische Großbank BNP Paribas und den russischen Öl-Konzern Lukoil beispielsweise haben wir wegen eines Korruptionsfalls ausgeschlossen. Carlsberg erzielt mehr als 10 Prozent seines Umsatzes mit der Produktion von Alkohol und British American Tobacco mehr als 10 Prozent mit der Produktion von Tabakprodukten. Die Wal-Mart Stores wiederum verletzten international anerkannte Arbeitsrechte.
DAS INVESTMENT.com: Der Global Equities SRI hat seit Januar 1,06 Prozentpunkte weniger Rendite erzielt als der klassische Fonds, was war der Grund?
Böttcher: Besonders der Ausschluss der Brauerei Carlsberg, des Spieleproduzenten Sankyo und des Spirituosenherstellers Davide Campari hat sich negativ auf die Wertentwicklung ausgewirkt. Der Ausschluss des Ölkonzerns Chevron und des Flugzeugbauers Boeing indes war positiv für die Performance.
DAS INVESTMENT.com: Bedeutet Nachhaltigkeit grundsätzlich mehr soziale und ökologische Rendite, dafür aber weniger Geld?
Böttcher: Nein, das kann man so nicht sagen. Schließlich handelt es sich immer nur um eine Momentaufnahme. Es gab auch Phasen, in denen die SRI-Variante vor der klassischen lag.
DAS INVESTMENT.com: Seit Auflegung der beiden Fonds im November 2007 liegt der grüne Aktienfonds aber auch um rund 4 Prozentpunkte hinter dem klassischen Produkt. Davon abgesehen, dass beide mit über 40 Prozent im Minus liegen. Welcher Fonds kommt besser aus der Krise, der grüne oder der graue?
Böttcher: Es kommt auf den Zeitpunkt und den Blickwinkel an. Der eventuell nach der Krise immer noch bestehende Performancenachteil ökologisch und sozial korrekter Anlagen gegenüber traditionellen Investments lässt sich erklären. Nachhaltig orientierte Asset Manager allgemein haben verstärkt in Finanzdienstleister investiert, da diese weniger Fabrikschlote aufwiesen und als nachhaltig galten. Das hat sich für die Performance als fatal erwiesen. Vom Standpunkt des Gewissens liegt der Investor indes meist vorne. Was unsere Fonds angeht, werden diese vermutlich auch in Zukunft dicht beieinander liegen.
DAS INVESTMENT.com: Was bevorzugen Sie privat – klassisch oder nachhaltig?
Böttcher: Meine privaten Gelder sind zu rund 80 Prozent nachhaltig investiert. Es kommen einige nicht-nachhaltige Produkte zur Absicherung des Portfolios zum Einsatz, wobei hier auch bewusst prinzipienlose Asset Manager vermieden wurden. 

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