„Fonds sind wie Autos ohne Bremse“

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DAS DERIVAT sprach mit Petra Becher von der UBS über Talfahrten, die Konkurrenz durch ETFs und eine Zertifikatefabrik für Berater
DAS DERIVAT: Frau Becher, Fondsgesellschaften locken die Anleger derzeit mit großen Kampagnen in ihre Produkte. Mit Fonds, heißt es, lässt sich die Abgeltungssteuer noch umgehen. Was entgegnen Sie?
Petra Becher: Ich denke, man sollte die Steuerfrage nicht überbewerten. Letztlich ist die wichtigste Frage: Passt das Anlageprodukt zu meinem Chance-Risiko-Profil? Wie die Anlageidee verpackt wird, ist dann die zweite Frage. Steuersensible Anleger greifen demnächst vielleicht vor allem zu strukturierten Produkten in einem Fondsmantel. Es mag aber sein, dass manche Instrumente schneller und günstiger als Zertifikate anzubieten sind. Ist die Anlagelösung überzeugend, kompensiert eine attraktive Performance und passgenaue Produktion eventuelle steuerliche Nachteile schnell. Derzeit ist etwa unser Equity Investor sehr gefragt. Durch diese Lösung ermöglichen wir es Beratern, Zertifikate on demand schnell und individuell für die Kunden herstellen zu lassen. Wir stellen dem Berater also die Zertifikate-Fabrik direkt ins Büro. Das ist eine schöne Innovation. Natürlich werden es klassische „Me-Too“-Zertifikateanbieter demnächst etwas schwerer haben.
DAS DERIVAT: Weil Investoren statt eines Indexzertifikats lieber einen ETF, also einen börsengehandelten Indexfonds, kaufen?
Becher: Zum Beispiel. Wer ein passives Investment tätigen möchte, auf steigende Märkte spekuliert und steuersensibel ist, wird sich vielleicht 2008 eher für einen ETF als für ein Indexzertifikat entscheiden. Diese Umschichtungen werden jedoch nur einen Bruchteil der Marktbewegungen ausmachen. Entscheidend ist, dass Zertifikate das flexibelste Instrument sind, um kurz- oder mittelfristig auf Marktbewegungen zu reagieren.
DAS DERIVAT: Auch die Fondshäuser preisen derzeit Produkte, mit denen sie auf Marktbewegungen reagieren können, beispielsweise Misch- oder Dachfonds.
Becher: Auch diese Produkte setzen fast ausschließlich auf steigende Märkte. Und der Kauf eines klassischen Long-Only-Fonds ist etwa vergleichbar mit dem Kauf eines Autos ohne Bremse. Solange es den Berg hinaufgeht, ist alles prima. Was aber passiert bei einer Talfahrt? Mit Zertifikaten können Investoren ihre Strategie wesentlich genauer an die Marktgegebenheiten anpassen. Sie ermöglichen es Investoren, Strategien umzusetzen, die lange nur professionellen Anlegern vorbehalten waren. Wer wäre etwa sonst schon auf die Idee gekommen, durch den Verkauf einer Call-Option und dem Kauf einer Aktie mit einem Riskopuffer in den Markt einzusteigen? Nichts anderes ist letztlich die Basis eines modernen Discountzertifikats. Je nach Risikoneigung des Investors lassen sich so passgenaue Lösungen erarbeiten.
DAS DERIVAT: Überfordert das nicht viele Privatanleger?
Becher: Entscheidend ist, dass Zertifikate das flexibelste Instrument bleiben, um kurz- oder mittelfristig auf Marktbewegungen zu reagieren. Ihre Zielgruppe ist also in der Tat eine andere als die der reinen Long- Fonds. Gewinnen werden beispielsweise Garantiezertifikate, deren Besteuerung sich durch die Neuregelung für viele Anleger sogar verbessert. Außerdem werden mehr Konstruktionen mit kurzen Laufzeiten entstehen, weil die einjährige Spekulationsfrist entfällt.