Fonds-Vertrieb 2019 „Zwei neue Strategien Anfang 2019“

„ESG-Faktoren sind als zusätzliche Risikodimension wichtig“ – Sandra Sonnleitner leitet unter anderem das Privatkundengeschäft in der DACH-Region bei Allianz Global Investors | © AGI

„ESG-Faktoren sind als zusätzliche Risikodimension wichtig“ – Sandra Sonnleitner leitet unter anderem das Privatkundengeschäft in der DACH-Region bei Allianz Global Investors Foto: AGI

Welche Fondskategorien stehen bei Ihnen im kommenden Jahr vertrieblich vorn?

Sandra Sonnleitner: Im Vertriebsmittelpunkt stehen bei uns weiterhin Multi-Asset-Lösungen. Hier haben wir einen speziellen Fokus auf Income-Strategien sowie etwas offensivere, flexiblere Ansätze, bei denen das Fondsmanagement die Möglichkeit erhält, je nach Marktlage die Ausrichtung des Portfolios entsprechend anzupassen. Um diesen Ansatz bestmöglich umzusetzen, haben wir unsere Produktpalette bereits vor einigen Jahren mit der DMAS-Familie, Allianz Dynamic Multi Asset Strategy, erweitert.

Welche einzelnen Fonds oder Fondsgruppen stehen außerdem im Fokus?

Sonnleitner: Wir sehen verstärkte Nachfrage nach Themenfonds, die bestimmte Megatrends abdecken. Einer der aus unserer Sicht wichtigsten Trends ist das Thema Künstliche Intelligenz. Die Auflage unseres Fonds Allianz Global Artificial Intelligence (ISIN: LU1548497699) vor etwas mehr als einem Jahr hat gezeigt, dass wir am Puls der Zeit sind. Er hat mittlerweile die Marke von einer Milliarde Euro geknackt.

Darüber hinaus gehen Anfang 2019 zwei Strategien an den Start, die sich den Trends Tierschutz sowie Smart Citys widmen. Auch diese Fonds greifen langfristige Zukunftsthemen auf und können als Beimischung einen attraktiven Mehrwert im Portfolio bieten. Zudem haben thematische Investments den großen Vorteil, dass sie die Geldanlage greifbarer machen.

Außerdem hätte ich gerne einen antizyklischen Tipp.

Sonnleitner: Europäische Aktien haben in diesem Jahr vor allem im Vergleich zum US-Markt sehr gelitten. Seit den heißen Sommermonaten hinkt Europa den US-Indizes hinterher und Anleger wenden sich verunsichert ab. Befeuert wird der Trend durch die ungeklärte Brexit-Situation und aktuell die Unsicherheit um Italien. Die Fundamentaldaten bestätigen die schlechte Stimmung aber nicht: Die Arbeitslosigkeit in der Eurozone geht immer weiter zurück und erreicht den niedrigsten Stand seit Dezember 2008 und Fachpersonal wird dringend gesucht. Steigende Löhne unterstützen den Konsum, der mehr als die Hälfe des Wirtschaftswachstums in der Eurozone trägt. Mit diesen Qualitäten kann sich Europa angesichts drohender Handelskriegsszenarien robuster erweisen als erwartet.

Das Thema Nachhaltigkeit, also ESG, hat ja nun schon ein paar Jahrzehnte auf dem Buckel und wird immer wieder mal hervorgeholt. Was ist dieses Mal anders?

Sonnleitner: Unserer Einschätzung nach ist aus verschiedenen Gründen die Zeit reif für ESG geworden. Aktuell ist zu beobachten, dass auch immer mehr Privatanleger erkennen, dass sich mit ESG-Investments nicht nur eine ethische, sondern auch eine gute risikogewichtete Rendite erzielen lässt. Hinzu kommt, dass sich der Marktwert eines Unternehmens immer stärker an weichen und empfindlichen Einflussfaktoren wie Markenbekanntheit und Kundenvertrauen misst: Und das hängt nicht mehr nur an den Produkten, sondern zunehmend auch an Produktionsbedingungen oder der gesellschaftlichen Verantwortung, die ein Unternehmen übernimmt.