Börsenindizes: Der zuletzt gute „Anlageerfolg fondsgebundener Lebensversicherungen verdeckt mangelnde Kundenorientierung von Versicherern und Vertrieben“, heißt es in der dritten Fondspolicen-Studie von F-Fex.  | © Markus Spiske Foto: Markus Spiske

Fondsgebundene Versicherungen

Wie gut kommen Fondspolicen durch die Corona-Krise?

Angesichts der massiven Kursstürze infolge der Corona-Krise wirkt die Bilanz des guten Börsenjahres 2019 sehr fern. „Fondsportfolios mit Wertzuwächsen von 20 Prozent und mehr waren keine Seltenheit“, berichtet aktuell das auf Fondspolicen, Fondsdepots und vermögensverwaltenden Strategien spezialisierte Beratungshaus F-Fex aus Bad Homburg. Das habe auch „den Anbietern von fondsgebundenen Renten- und Lebensversicherungen ein außergewöhnliches Geschäftsjahr beschert“.

Allerdings mache „die anhaltend schlechte Fondsqualität des Anlagestocks der deutschen Versicherer deutlich, dass Anbieter und mandatierte Fondsgesellschaften diesen Erfolg nicht für sich reklamieren können“, erklärt Tobias Schmidt. Auch 2019 „wurde das durch die positive Marktentwicklung vorgelegte Renditepotenzial für die anvertrauten Kundengelder nicht ausgeschöpft“, kommentiert der Vorstand bei F-Fex das Ergebnis einer aktuellen Analyse von 77 Fondspolicen-Anbietern und 176 Fondsgesellschaften in Deutschland.

„Renditepotenziale verschenkt“

Tobias Schmidt, F-Fex

„Immerhin gibt es beim Neugeschäft inzwischen vielversprechende Anlagekonzepte“, räumt Schmidt ein. Bei ihnen versorgten die Anbieter „den Kunden mit intelligent gemanagten Portfolios oder kontinuierlich bereitgestellten, digitalen Beratungstools“. In der Folge steige „die Wahrscheinlichkeit, nachhaltig Outperformance zu generieren“, so Schmidt weiter. Im Bestandsgeschäfts hingegen würden „ungünstige Zusammenstellungen von unterdurchschnittlichen Fonds häufig dauerhaft weiter bespart“.

„Hier werden Renditepotenziale verschenkt“, kritisiert Schmidt. Diese sollten „unbedingt gehoben werden, wenn die Ablaufleistung zum Vertragsende halbwegs mit den Projektionen, die bei Vertragsabschluss in Aussicht gestellt wurden, übereinstimmen soll“. Das gelte im Besonderen „unter Einbeziehung unvorhersehbarer Marktrisiken, wie wir sie aktuell mit der Corona-Krise erleben“, mahnt der Wirtschaftsingenieur, der bis 2017 das Research-Geschäft der Feri-Gruppe verantwortete.

Fondsqualität unterdurchschnittlich

Hinsichtlich der Fondsqualität des Anlagestocks erkennt Schmidt zum Teil erhebliche Unterschiede zwischen den Lebensversicherern. diese bewertet er anhand der durchschnittlichen Ratingnote der Fonds. in der volumengewichteten Betrachtung schneiden unter den großen Versicherern demnach die Versicherer Zurich, R+V und Cosmos am besten ab. „Volkswohl Bund, Gothaer und Nürnberger bilden hier die Schlusslichter. Letztere kommen auch bei der Verteilung der Ratings über den Anlagestock nicht gut weg.“

„Bei Gothaer und Nürnberger sind immerhin 45 beziehungsweise 44 Prozent des Anlagestocks in schwach bis sehr schwach bewertete Fonds investiert“, erklärt Schmidt. Im Outperformance-Ranking für das vergangenen Jahr stehen demnach die Anbieter Provinzial Nordwest (mit plus 7,3 Prozent), R+V (4,6) und Alte Leipziger (4,5) an der Spitze der großen Gesellschaften. Auf den hintersten Rängen liegen demnach die Versicherer WWK (0,2), Allianz (0,1) und Gothaer (-0,5).

Durchwachsene Leistungen

Auch bei den Verwaltern der der bei Fondspolicen eingesetzten Fonds seien große Qualitätsunterschiede festzustellen. „Bei den im Anlagestock stark vertretenen Fondsgesellschaften stechen Lyxor, Blackrock und DWS mit vergleichsweise hohen durchschnittlichen Ratingnoten hervor“, erklärt Schmidt. „Schlusslichter bilden hier Oddo BHF, Franklin Templeton und Carmignac“, so der Berater für das Fondspolicen-Geschäft von Versicherern, Finanzvertrieben und Plattformen.

Und welchen Beitrag leisteten die Fondsgesellschaften zur Outperformance der Fondspolicen im Börsenjahr 2019, dessen gute Aktienmarktentwicklung auch die Renditen fondsgebundener Versicherungen unterstützte? Hierbei schneiden unter den großen Anbietern am deutschen Markt vor allem folgende drei gut ab: Union Investment mit plus 4,6 Prozent, Axa IM (3,6) und DWS (3,4) Am unteren Ende der Rangliste stehen Inka mit minus 2,6 Prozent auch Oddo BHF (-3,8) und Franklin Templeton (-5,1).

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