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Fondsklassiker
Carmignac Patrimoine: Zurück auf Anfang
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Fondsklassiker Carmignac Patrimoine: Zurück auf Anfang

Seit Juli 2023 bei Carmignac: Jacques Hirsch.
Seit Juli 2023 bei Carmignac: Jacques Hirsch. | Foto: Carmignac

Ja, ist denn schon wieder Jubiläum? Jawohl, es ist. Am 7. November 2024 wird der Carmignac Patrimoine (ISIN: FR0010135103) 35 Jahre alt. Wie groß der Jubel und das öffentliche Medieninteresse dieses Mal ausfallen, dafür dürften die folgenden Monate entscheidend sein.

Schafft es das im vergangenen Sommer neu formierte Managementteam, an alte Glanzzeiten anzuknüpfen? Oder dümpelt das einst fast 30 Milliarden Euro schwere Aushängeschild der französischen Investmentindustrie weiter vor sich hin wie zwischen 2015 und 2023? Für diesen Zeitraumbetrug die durchschnittlich erzielte Rendite gerade einmal 0,7 Prozent, während die Vergleichsgruppe der ausgewogenen Mischfonds im Durchschnitt immerhin ein Plus von 2,4 Prozent pro Jahr für sich verbuchen konnte.

 

 

Mit jedem neuen mauen Performance-Jahr rückt die 2008 vollbrachte Glanztat von Firmengründer Edouard Carmignac, Anteilseigner des Patrimoine in der Finanzkrise vor einem Verlust bewahrt zu haben, in weitere Ferne. Kein Wunder, dass das Volumen des einstigen Bestsellers inzwischen auf weniger als 7 Milliarden Euro zusammengeschmolzen ist. Und auch kein Wunder, dass Carmignac nichts unversucht lässt, den Negativtrend umzukehren.

Dabei ruhen nun die Hoffnungen unter anderem auf Jacques Hirsch. Der langjährige Fondsmanager von Goldman Sachs und der britischen Investmentgesellschaft Ruffer wechselte im Juli 2023 zu der Pariser Fondsboutique und nimmt seither mit Christophe Moulin (seit 2022 an Bord) jene Rolle ein, die Edouard Carmignac mehr als 20 Jahre lang brillant ausgefüllt hat: den Fonds bei aller Überzeugung von langfristigen Investmentthemen im Tagesgeschäft stets so an das Auf und Ab der Konjunktur anzupassen, dass Chance und Risiko zueinander in einem günstigen Verhältnis stehen.

Makro-Overlay lautet das dazugehörige Stichwort, und dafür können Hirsch und Moulin alle gängigen Instrumente des Kapitalmarkts nutzen. Als der Carmignac Patrimoine von 2019 bis 2023 unter der Ägide von David Older und Rose Ouahba stand, genoss dieser Management-Aspekt vorübergehend etwas weniger Aufmerksamkeit.

Ouahba, zuvor seit 2007 für das Anleihe-Segment des Patrimoine verantwortlich, ist 2023 in die Geschäftsführung des Unternehmens aufgestiegen – an ihrer Stelle wählen jetzt Guillaume Rigeade und Eliezer Ben Zimra die erfolgversprechendsten Rentenpapiere aus. Auf der Aktienseite hat seit April 2024 Kristofer Barrett das Ruder in der Hand, der Vorgänger David Older auch beim reinen Aktienfonds Carmignac Investissement (FR0010148981) beerbt hat.

Quelle Fondsdaten: FWW 2024

 

Unter dem neuen Management-Quintett zieht sich der Carmignac Patrimoine bislang recht gut aus der Affäre. Knapp 11 Prozent beträgt der Wertzuwachs seit Anfang Oktober (Stichtag: 14. Mai 2024), wozu unter anderem das aktive Währungsmanagement einen Beitrag leistete. „Im US-Dollar sind wir derzeit untergewichtet, bei den Währungen rohstoffproduzierender Länder wie Australien, Mexiko oder Brasilien eher übergewichtet“, erzählt Hirsch. Short-Positionen gab es zeitweise im Chinesischen Yuan.

Auf der Aktienseite stehen weiter ausgewählte Titel aus den Bereichen Konsum, künstliche Intelligenz und Gesundheit im Vordergrund, mit US-Standardtiteln erzielte Gewinne fließen allerdings seit einigen Monaten verstärkt in das Schwellenländer-Universum. „Dessen Unterbewertung wird noch deutlicher zutage treten, wenn die Zinsen sinken und der US-Dollar letztlich nachgibt“, weiß er sich mit Firmengründer Edouard Carmignac einig. Vielleicht ein gutes Omen – kam in den ersten 25 Jahren nach Auflegung des Patrimoine aus dieser Richtung doch meistens kräftig Rückenwind.

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