Fondsklassiker Ein Jahr der Extreme für Deutschland-Aktienfonds

Christian von Engelbrechten und Frank Lübberstedt (re.): Die Fondsmanager des Fidelity Germany und des Acatis Aktien Deutschland ELM blicken auf ein negatives Börsenjahr am deutschen Aktienmarkt zurück. | © Fidelity, Ehrke & Lübberstedt

Christian von Engelbrechten und Frank Lübberstedt (re.): Die Fondsmanager des Fidelity Germany und des Acatis Aktien Deutschland ELM blicken auf ein negatives Börsenjahr am deutschen Aktienmarkt zurück. Foto: Fidelity, Ehrke & Lübberstedt

Das Börsenjahr 2018 bleibt Frank Lübberstedt in schlechter Erinnerung, so viel steht fest. Der Berater des Acatis Aktien Deutschland ELM ( ISIN: LU0158903558) blickt „extrem unzufrieden“ auf die vergangenen Monate zurück – und stört sich noch am wenigsten daran, dass der Dax sein im Januar markiertes Allzeithoch ab dem Spätsommer mehr und mehr aus den Augen verloren hat. Denn der Leitindex ist für Lübberstedt kein Maßstab, er hat stets den gesamten Markt im Blick und war es in den vergangenen Jahren gewohnt, am Jahresultimo besser dazustehen.

Davon kann 2018 wahrlich keine Rede sein. Zum Stichtag 25. November hinkt der Acatis Aktien Deutschland ELM dem Dax um mehr als 8 Prozentpunkte hinterher. Gegenüber M-Dax, S-Dax und Tec-Dax fällt der Rückstand teilweise sogar noch deutlicher aus. Was ist passiert?

Uralter Konflikt zwischen Investoren

Im Grunde geht es um den uralten Konflikt zwischen Growth- und Value-Investoren. Also um die Frage, ob es beim Kauf einer Aktie eher auf ein möglichst hohes Wachstum des dahinterstehenden Unternehmens ankommt oder ob der Schlüssel zum langfristigen Erfolg im günstigen Einkauf liegt.

Lübberstedt hat zwar nichts gegen steigende Umsätze und Gewinne, neigt aber dennoch eher der zweiten Antwort zu und kann sich „an keine Marktphase erinnern, in der Growth-Aktien Value-Titeln derart lange überlegen waren“. Oder, auf eine möglichst griffige Formel heruntergebrochen: Was Anfang 2018 an der Börse teuer war, ist im Lauf des Jahres noch teurer geworden. Preiswertes ist dagegen preiswert geblieben. Bestenfalls.

                                  Quelle: Morningstar

Als Beispiele nennt Lübberstedt Titel wie den Maschinenbauer Heidelberger Druck oder den Telekom-Anbieter Freenet, deren Kurse seit Anfang Januar um mehr als ein Drittel eingebrochen sind. Im gleichen Zeitraum habe sich die Aktie des Pharma- und Labor-Zulieferers Sartorius um mehr als die Hälfte verteuert – ungeachtet ihrer bereits zu Jahresanfang mehr als sportlichen Bewertung.

Davon, dass sich diese Entwicklung irgendwann umkehren wird, zeigt sich Lübberstedt fest überzeugt. Wann das passiert, vermag er freilich nicht zu sagen. Unter dem Strich betrachtet der in Lübeck ansässige Vermögensverwalter 2018 deshalb nicht nur als enttäuschendes, sondern auch als extrem spannendes Jahr: „Man kann heute die Investments finden, die 2020 oder 2021 glänzen.“ 

Wachstumsorientierter Anlagestil 

Erheblich besser läuft es 2018 für einen zweiten Deutschland-Klassiker, den Fidelity Germany (LU0048580004). Unschwer zu erraten, dass Fondsmanager Christian von Engelbrechten eher einem wachstumsorientierten Anlagestil folgt. Und sich deshalb bei Titeln wohlfühlt, mit denen Lübberstedt gemäß seiner Philosophie wenig anzufangen weiß.

Beispiel Qiagen: Das in Tec- und M-Dax gelistete Biotech-Unternehmen gehört derzeit zu seinen größten Übergewichtungen. „Ich kaufe Aktien, die nachhaltig und zuverlässig Wachstum liefern“, betont von Engelbrechten. Ferner achtet der Fidelity-Manager auf eine hohe Kapitalrendite und schätzt es, wenn eine Firma aus dem laufenden Geschäft hohe Überschüsse erzielt.

Jüngste Korrektur hält Chancen bereit 

Zumindest Letzteres könnte auch Lübberstedt unterschreiben. Einig sind sich beide Konkurrenten zudem darin, dass die jüngste Korrektur eine Reihe von Chancen bereithält. Aufgestockt hat von Engelbrechten unter anderem mehrere Nebenwerte aus dem Tech-Sektor.

Bei allen zutage tretenden Unterschieden: Auf Sicht von zehn Jahren liegen der Fidelity Germany und der Acatis Aktien Deutschland ELM mit Zuwächsen von 186 beziehungsweise 212 Prozent recht nahe beieinander. Und gehören mit diesen Ergebnissen weiter zur Spitzengruppe ihrer Kategorie. Anlage erfolg ist eben keine Frage des Stils – man muss ihn sich im Auf und Ab der Börse über mehrere Zyklen erarbeiten.