Die Wirtschafts- und Währungsgemeinschaft Zentralafrikas – französisch: Communauté Économique et Monétaire de l’Afrique Centrale (kurz: Cemac) – bietet einige der höchsten Renditen, die bei Schwellenländeranleihen zu finden sind. Verhandlungen mit internationalen Finanzinstitutionen, höhere Ölpreise, politische Übergänge und das wachsende Interesse internationaler Investoren könnten die Region nachhaltig verändern.

Zu der Vereinigung zählen die sechs Länder Kamerun, Tschad, die Zentralafrikanische Republik, die Republik Kongo, Gabun und Äquatorialguinea. Sie teilen sich eine Währung, eine Zentralbank und einen gemeinsamen Reservepool. Theoretisch sollte dies für Stabilität und kollektive Stärke sorgen. In der Praxis steht die Region jedoch vor einer entscheidenden Bewährungsprobe, wie sich etwa in der Republik Kongo zeigt.

Eine Region unter Druck

Wenn man am Ufer des Kongo steht, kann man nicht umhin, die Kontraste zu erkennen, die Zentralafrika prägen. Auf der einen Seite des Flusses liegt Kinshasa, die Hauptstadt der Demokratischen Republik Kongo, eines der größten und am schnellsten wachsenden Länder Afrikas mit fast 100 Millionen Einwohnern. Auf der anderen Seite liegt Brazzaville, die Hauptstadt der Republik Kongo, einer Nation mit nur 5,5 Millionen Einwohnern.

Andenken aus Brazzaville  | Bildquelle: Bluebay

Wie viele Länder der Region kämpft die Republik Kongo mit hoher Verschuldung, Liquiditätsengpässen und der schwierigen Aufgabe, Reformen umzusetzen und gleichzeitig soziale und politische Stabilität zu wahren. Was mir jedoch bei Gesprächen mit politischen Entscheidungsträgern, Investoren und multilateralen Institutionen am meisten auffiel, war, dass viele dieser Probleme nicht allein auf nationaler Ebene verstanden werden können. Die Schicksale in der Region sind eng miteinander verflochten.

Die Cemac betreibt eines der weltweit ungewöhnlichsten Währungssysteme. Die sechs Mitgliedstaaten teilen sich den CFA-Franc, der von der Bank der zentralafrikanischen Staaten (Beac) verwaltet wird. Die Devisenreserven werden gebündelt, die Geldpolitik koordiniert und wichtige wirtschaftliche Entscheidungen erfordern zunehmend einen regionalen Konsens. Diese Architektur sollte für Widerstandsfähigkeit sorgen, doch stattdessen beginnen einige der wichtigsten Fäden, die das Gefüge zusammenhalten, zu reißen.

So decken die regionalen Devisenreserven derzeit etwa 3,8 Monate der Importe ab und liegen damit unter der Fünf-Monats-Schwelle, die für ressourcenabhängige Volkswirtschaften als sicher gilt. Noch wichtiger ist, dass der Governance-Rahmen der Region dazu führt, dass die Maßnahmen eines Landes die Finanzierungsaussichten eines anderen direkt beeinflussen können. Für Investoren entsteht dadurch eine ungewöhnliche Dynamik. Ein Land kann vernünftige Reformen verfolgen und seine Haushaltsziele erreichen, sich aber dennoch durch die Entwicklung seiner Nachbarn eingeschränkt sehen.

Die Kamerun-Frage

Keine Diskussion über die Cemac kommt ohne Kamerun aus. Historisch gesehen fungierte Kamerun als Ankerwirtschaft der Region. Es verfügte über relativ starke Institutionen, reifere Kapitalmärkte und erhielt zu günstigeren Konditionen Zugang zu internationaler Finanzierung als viele seiner Nachbarn.

Heute jedoch steht das Land vor einer Phase politischer Unsicherheit, deren Auswirkungen weit über seine Grenzen hinausreichen. Während meines Besuchs beschrieben viele Marktteilnehmer ein wachsendes Führungsvakuum. Politische Spannungen haben die Entscheidungsfindung erschwert und die politische Dynamik gebremst. Zwar engagieren sich die Technokraten weiterhin, doch das allgemeine politische Umfeld hat Unsicherheit darüber geschaffen, ob Kamerun in der Lage ist, die Führungsrolle zu übernehmen, die es traditionell innerhalb der Cemac innehatte.

Allerdings sind die regionalen Institutionen auf die Beteiligung und den Einfluss Kameruns angewiesen. Wenn der Anker schwächer wird, wird die gesamte Struktur anfälliger. Anleger, die sich ausschließlich auf länderspezifische Kennzahlen konzentrieren, könnten daher die Bedeutung regionaler politischer Entwicklungen unterschätzen. In der Cemac ist das politische Risiko nicht nur nationaler Natur, sondern zunehmend systemischer Natur.

Das Problem der Schuldenzusammensetzung

Eine meiner interessantesten Diskussionen vor Ort betraf die Zusammensetzung der Schulden in der Region. Viel Aufmerksamkeit wurde der Auslandsverschuldung gewidmet, insbesondere nach den Problemen, mit denen mehrere rohstoffexportierende Länder nach dem Einbruch der Ölpreise in den Jahren 2014 und 2015 zu kämpfen hatten.

In der Republik Kongo sind die Spuren dieser Zeit nach wie vor sichtbar. Die Verschuldung ist weiterhin hoch, mit einer Schuldenquote von über 90 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Ein Großteil der Belastung stammt aus großen Infrastrukturprojekten und ölgestützten Finanzierungsvereinbarungen, die bei sinkenden Rohstoffeinnahmen nur schwer aufrechtzuerhalten waren.

Nun ist jedoch eine neue Herausforderung entstanden: Frühere IWF-Programme sahen strenge Beschränkungen für die Auslandsverschuldung vor. Diese Beschränkungen sollten zwar die Anfälligkeit gegenüber externen Einflüssen verringern, hatten jedoch eine unbeabsichtigte Folge: Sie drängten die Regierungen dazu, auf inländische Kredite zurückzugreifen. Infolgedessen sind mehrere Länder nun stark von kurzfristigen inländischen Schulden abhängig, oft zu relativ hohen Zinssätzen.

Dies führt zu einem Paradoxon: Längerfristige Auslandsfinanzierungen können das Fremdwährungsrisiko erhöhen. Eine übermäßige Abhängigkeit von inländischen Krediten kann jedoch Refinanzierungsrisiken mit sich bringen und Kredite für den privaten Sektor verdrängen.

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Governance ist wichtiger denn je

Wenn es ein Thema gab, das in meinen Gesprächen immer wieder auftauchte, dann war es die Verwaltung der öffentlichen Finanzen. Mehrere Beamte wiesen auf anhaltende Diskrepanzen zwischen Finanzverwaltung, Ausgabenkontrolle und Haushaltsausführung hin. In einigen Fällen basieren Zahlungen weiterhin auf papierbasierten Prozessen, was zu Ineffizienzen führt und die Aufsicht einschränkt. Solche Schwächen können weitreichende makroökonomische Folgen haben.

Wenn Regierungen Schwierigkeiten haben, Ausgaben effektiv zu überwachen, häufen sich Zahlungsrückstände an. Außerhalb des Haushaltsplans getätigte Ausgaben lassen sich schwerer nachverfolgen. Die Finanzberichterstattung verliert an Glaubwürdigkeit. Investoren neigen dazu, sich auf Hauptindikatoren wie Defizite und Schuldenquoten zu konzentrieren. Doch in vielen Schwellenländern kann die Qualität der öffentlichen Finanzverwaltung ebenso wichtig sein.

Starke Systeme schaffen Vertrauen – schwache Systeme Unsicherheit. Diese Unterscheidung gewinnt zunehmend an Bedeutung in einer Welt, in der Investoren selektiver werden und der Zugang zu Kapital nicht nur von der Wirtschaftsleistung, sondern auch von Transparenz- und Governance-Standards abhängt, wie sich bereits innerhalb der Cemac selbst beobachten lässt. Marktteilnehmer beginnen, stärker zwischen Emittenten zu unterscheiden, die sich für Offenlegung und Reformen einsetzen, und solchen, die auf undurchsichtige Finanzierungsstrukturen setzen. Diese Differenzierung dürfte sich weiter verstärken.

Gründe für Optimismus

Trotz der Herausforderungen hat mich mein Besuch vorsichtig optimistisch gestimmt. In der Republik Kongo skizzieren die politischen Entscheidungsträger Haushaltsreformen, um das Vertrauen der Investoren zu gewinnen: die Digitalisierung von Steuer- und Zollerklärungen, die Einführung eines einzigen Staatskontos sowie umfassendere Reformen zur Rationalisierung von Subventionen im Strom-, Öl- und Gassektor.

Keine dieser Maßnahmen wird die Wirtschaft über Nacht verändern, doch sie sind Schritte in die richtige Richtung. Was mich am meisten ermutigte, war die offensichtliche Erkenntnis, dass es bei Reformen nicht nur darum geht, die Unterstützung des IWF zu sichern oder Investoren anzuziehen. Es geht auch darum, Institutionen aufzubauen, die für die Bürger effektiver funktionieren.

Die Ressourcenbasis des Landes bietet weitere Gründe für Optimismus: Der Kongo wird oft als Ölstaat gesehen, doch er verfügt ebenso über bedeutende Phosphat- und Kalivorkommen, was Chancen für die Düngemittelproduktion und die landwirtschaftliche Entwicklung eröffnet. Erdgasressourcen bieten Diversifizierungspotenzial, während erneuerbare Energien noch weitgehend unerschlossen sind.

Der Ausbau der Infrastruktur könnte diese Aussichten weiter stärken. Projekte zur Verbesserung der Verkehrsanbindung zwischen Brazzaville und Kinshasa haben das Potenzial, die Handelsströme in Zentralafrika neu zu gestalten. Eine verstärkte regionale Integration würde Chancen für Unternehmen schaffen, die in der gesamten Region aktiv sind.

Warum Anleger aufmerksam sein sollten

Aus Anlageperspektive nimmt die Cemac eine faszinierende Position ein. Die Region bietet weiterhin einige der höchsten Renditen, die bei Schwellenländeranleihen zu finden sind. Da globale Anleger in einem von Unsicherheit und Wachstumsverlangsamung geprägten Umfeld nach Rendite suchen, zieht Zentralafrika die Aufmerksamkeit auf sich.

Anleger sollten sich allerdings klarmachen, dass die Region trotz der engen Verflechtungen kein einheitliches Ganzes darstellt. Die Unterscheidung zwischen den einzelnen Ländern gewinnt zunehmend an Bedeutung, und die Kluft zwischen Reformern und Nachzüglern dürfte sich vergrößern. Regierungen, die Institutionen stärken, die Transparenz verbessern und glaubwürdige fiskalische Strategien verfolgen, werden von niedrigeren Finanzierungskosten und einer breiteren Investorenbeteiligung profitieren. Andere Länder, die Reformen hinauszögern, könnten sich mit begrenzten Finanzierungsmöglichkeiten und einer wachsenden Anfälligkeit gegenüber externen Schocks konfrontiert sehen.

Über die Autorin

Polina Kurdyavko

ist Leiterin für Schwellenländer und Senior Portfoliomanagerin bei RBC Bluebay Investment Management. In dieser Funktion ist sie verantwortlich für mehrere Flaggschiff-Fonds für-Staatsanleihen und Unternehmensanleihen in Schwellenländern, einschließlich Long-Only- und alternativen Produkten.