Fondsmanager des DNB Renewable Energy „Diese 4 Geschäftsfelder schließen wir beim Investieren aus“

Jon Sigurdsen ist Portfoliomanager bei DNB Asset Management, Fondstochter der norwegischen DNB Bank. | © DNB

Jon Sigurdsen ist Portfoliomanager bei DNB Asset Management, Fondstochter der norwegischen DNB Bank. Foto: DNB

DAS INVESTMENT: Seit wann genau bieten Sie Investments mit dem Schwerpunkt Nachhaltigkeit an?

Jon Sigurdsen: Nachhaltige Investitionen waren schon immer ein fester Bestandteil bei DNB. Tatsächlich existiert der norwegische Umweltfonds DNB Miljoinvest seit mittlerweile 30 Jahren. Für die europäischen Märkte haben wir im August 2007 mit DNB Renewable Energy die gleiche Strategie eingeführt.

Wie definieren Sie Nachhaltigkeit ganz konkret?

Sigurdsen: Eine Liste bereits vordefinierter Unternehmen für nachhaltige Investments gibt es nicht – es liegt also an uns, geeignete Firmen ausfindig zu machen. Bei der Auswahl potenziell infrage kommender Unternehmen überprüfen wir unter anderem, ob das Geschäft tatsächlich davon getrieben wird, bessere Umweltbedingungen zu schaffen. Fällt die Antwort positiv aus, nehmen wir das Unternehmen in unser Nachhaltigkeitsprofil auf. Aktuell haben wir mehr als 700 Unternehmen als nachhaltig eingestuft. Oft müssen wir dafür tief in die jeweiligen Wertschöpfungsketten einsteigen, um zu überprüfen, wie sich das Geschäftsverhalten des Unternehmens auf die gesamte Lieferkette auswirkt.

Verwenden Sie die Bezeichnung ESG also ökologisch, sozial, gute Unternehmensführung oder SRI gesellschaftlich verantwortliche Kapitalanlagen?

Sigurdsen: Wir bevorzugen den Ausdruck ESG-Investments, da er mehrere Aspekte miteinschließt.

Auf welchem der Aspekte liegt Ihr größter Fokus?

Sigurdsen: Im Allgemeinen verwenden wir unterschiedliche ESG-Strategien, darunter traditionelles ethisches Produkt- und normorientiertes Screening, aktive Aktionärsbeteiligung und die Integration von ESG-Kriterien. Der Renewable Energy Fonds von DNB konzentriert sich insbesondere auf Umweltfaktoren, da er in Unternehmen investiert, die im Bereich erneuerbare Energien und Energieeffizienz dem Klimawandel begegnen wollen. Social- und Governance-Faktoren werden aber ebenfalls berücksichtigt und in Gesprächen mit den Unternehmen diskutiert. Darüber hinaus richtet sich der Fonds, genau wie das gesamte Anlageuniversum der DNB, nach dem DNB-Standard für nachhaltige Investments.  Der konzerneigene Standard stellt die Einhaltung internationaler Normen und Standards sicher.

Was schreibt Ihr Konzern-Standard genau vor?

Sigurdsen: Er soll sicherstellen, dass DNB nicht zu Menschenrechts- oder Arbeitsrechtsverletzungen, Korruption, schweren Umweltschäden und anderen Handlungen beiträgt, die als unethisch oder nicht nachhaltig gelten können. Unser Standard stellt auch sicher, dass die Einschätzung von Chancen und Risiken, die mit der Berücksichtigung von ESG-Faktoren einhergehen, in Anlageentscheidungen miteinfließt. Wir üben unsere Eigentumsrechte im Einklang mit internationalen Normen und Standards aus, darunter dem UN Global Compact, den UN Guiding Principles on Business and Human Rights, den G20/OECD Principles of Corporate Governance und den OECD Guidelines for Multinational Enterprises. Der DNB-Standard umfasst alle Anlageklassen und Finanzanlagen im gesamten Konzern, einschließlich der Unternehmen, die unter DNB Asset Management gegründet wurden.

Legen Sie auch Ausschlusskriterien zugrunde – auf welche Investments verzichten Sie?

Sigurdsen: Zusätzlich zur Einhaltung der DNB-Nachhaltigkeits-Standards haben die Portfoliomanager ein Begleitschreiben unterzeichnet. Es verpflichtet den Renewable Energy Fonds dazu, jeweils höchstens 5 Prozent aus den Segmenten Kernenergie, Kohlebergbau, Ölsande und Fracking zu erwirtschaften. Bei Kohlebergbau und Ölsanden legen wir damit sogar einen strengeren Grenzwert an als die 30 Prozent, die unser allgemeiner DNB-Standard für nachhaltiges Investieren vorschreibt.

Was muss ein Unternehmen bieten, um in Ihr Portfolio zu gelangen? 

Sigurdsen: Für den DNB Renewable Energy wählen wir Unternehmen aus, die von der Schaffung besserer Umweltbedingungen profitieren können. Dies schließt hauptsächlich Firmen aus dem Bereich erneuerbare Energien und Ressourceneffizienz ein. Immerhin entfallen etwa zwei Drittel der globalen, menschenverursachten Treibhausgasemissionen auf die Energieproduktion. Emissionen stellen somit eine der größten Herausforderungen dar, wenn es darum geht, Nachhaltigkeit weiter voranzutreiben.