Fondsmanager misst nach

Was ist an der sagenhaften Jahresendrally dran?

Zu Jahresende geht es an der Börse noch einmal nach oben, lautet eine verbreitete Anlegerweisheit. Aber stimmt sie auch? Sven Lehman, Fondsmanager beim Multi-Family-Office HQ Trust ist der Frage nachgegangen. Um Klarheit in den Nebel um die sagenhafte Dezember-Performance an Börsen zu bringen, zog Lehman die Entwicklung des US-Leitindex S&P 500 von 1872 bis heute heran – kein anderer Index lässt sich über einen solch langen Zeitraum zurückverfolgen.

Ergebnis: Über die Jahre betrachtet lässt sich im Monat Dezember tatsächlich ein etwas besseres Ergebnis nachweisen als im Durchschnitt der übrigen Monate. So legten die Aktien des S&P 500 im letzten Monat des Jahres durchschnittlich um 1,2 Prozent stärker zu als im Rest des Jahres.

Die Rechnung Dezember gleich super Börsenmonat geht trotzdem nicht glatt auf. Denn ein besonders erfreuliches Ergebnis zu Jahresende kam besonders in solchen Börsenjahren zustande, in denen der Kurstrend schon vorher nach oben zeigte. Lief es dagegen unrund, sah auch der Dezember eher mau aus, fand Lehmann heraus.

So sackten die Aktien des S&P 500 in Jahren, in denen der Index von Januar bis November bereits um 15 Prozent eingeknickt war, im Dezember durchschnittlich um weitere 1,6 Prozent ins Minus. Wenn umgekehrt die Kurse in den elf Monaten zuvor mehr als 15 Prozent gestiegen waren, legten sie im Dezember im Mittel noch einmal um weitere 2,1 Prozent zu. Dieses positive Ereignis beobachtete Lehmann sogar fünfmal häufiger (59 Mal) als die Kombination 15 Prozent Verlust von Januar bis November mit weiterem Verlust im Dezember (12 Mal).    

Im Dezember legten die Titel des S&P überdurchschnittlich zu
Dezember-Erträge des S&P 500 in Abhängigkeit der Performance Jan-Nov, Zeitraum: 1872 - 2019

Quelle: HQ Trust/ Global Financial Data/Thomson Reuters Datastream

Über den langen Zeitraum betrachtet gibt es allerdings drei bestimmte Monate, in denen sich Kurse durchschnittlich noch besser entwickeln als im Dezember: Für die Monate April, Juli und vor allen Dingen Januar maß Lehmann noch höhere mittlere Kursanstiege als für Dezember. Allerdings waren in jenen Monaten auch die Schwankungen höher, räumt Lehmann ein.

Monat Januar liefert besonders hohe Erträge - und hohe Schwankungen
Mittlere Erträge des S&P 500 nach Monaten, Zeitraum 1872 - 2019

Quelle: HQ Trust
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