Jörg Schmidt leitet bei Union Investment die Managerauswahl im Multi-Asset-Management.   | © Andreas Mann

Fondsmanager-Selekteur Jörg Schmidt

„Alpha ist wichtiger denn je“

DAS INVESTMENT: Sie setzen bei Union Investment weiter auf aktiv gemanagte Zielfonds. In Zeiten niedriger Zinsen fallen deren Kosten aber stärker ins Gewicht. Kommen Sie da nicht ins Wanken?

Jörg Schmidt: Per Definition ist der durchschnittliche aktive Ansatz genauso erfolgreich wie der durchschnittliche passive Ansatz. Wir fragen uns immer, wie die Performance-Verteilung der aktiven Fondsmanager aussieht. Wäre die Gauß’sche Kurve hoch und spitz, also alles nah beim Durchschnitt, hätten die Verfechter passiver Investments alle Argumente auf ihrer Seite. Nur ist aber die Kurve nicht hoch und spitz, also gibt es am rechten Rand ziemlich viele Manager, die eine Outperformance erzielen.

Aktives Management ist also nicht aus der Zeit gefallen.

Schmidt: Absolut nicht. In einer Welt, in der die Grundverzinsung vieler Anlageklassen relativ gering ist, hat sich das Verhältnis von Marktrendite, dem Beta, und Überrendite, dem Alpha, verschoben. Letzteres ist für mich als Investor wichtiger denn je. Wir kommen aus einer Phase, die passive Investments aufgrund der langfristig steigenden Kurse und ihres Charakters, immer voll investiert zu sein, begünstigt. Doch dann kommt wie jüngst im September eine Faktor-Rotation rein. Momentum-Werte wie Apple, Google und Facebook verlieren auf einmal massiv. Es wird also immer wieder Marktphasen geben, die für eine ausgeprägte Spreizung in der Performance der Einzeltitel sorgen. Und gerade jetzt sehen wir eine solche Phase, das sind ziemlich interessante Voraussetzungen für Stockpicker.

Wie finden Sie die guten Fondsmanager?

Schmidt: Aus unserer Sicht setzt sich die aktive Rendite aus zwei Performance-Treibern zusammen, einer Faktor-Rendite und dem Alpha eines Managers. Ein Beispiel: Auch wenn man den Value-Stil in den vergangenen Jahren nicht benötigt hat, gibt es dennoch gute Value-Manager innerhalb ihres Metiers. Insgesamt zerlegen wir das Fonds-Universum nach über 50 Faktor-Renditen und schauen, wie viel von der Fonds-Performance sich auf einen Faktor wie Value zurückführen lässt und was nicht zu erklären ist. Letzteres ist dann ein Hinweis auf die Alpha-Fähigkeit der Fondsmanager. Mit denen wollen wir dann ins Gespräch kommen, um herauszufinden, ob sie ihre bisherige Outperformance auch in Zukunft liefern können.

Und alle anderen aktiven Manager haben ein Problem.

Schmidt: Finden wir jedenfalls schon, denn sie bieten kein oder im Verhältnis zu den Gebühren nicht genügend Alpha und sind über Faktor-Strategien meist leicht zu replizieren.

Und die Faktor-Rotation schafft keiner?

Schmidt: Das mag es geben, ich stelle es mir aber als eine enorme Herausforderung vor. Vielmehr sind wir überzeugt, dass die Fähigkeit, Alpha zu erwirtschaften, mit Erfahrung zu tun hat und daher ein Manager sein gewähltes Marktsegment strukturiert bearbeiten sollte. Ein Stockpicker mit einem regionalen oder stilistischen Fokus ist vermutlich erfolgreicher als jemand, der heute da ist und morgen woanders.

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