Demonstranten bei der Klimakonferenz in Madrid im vergangenen Dezember: Fondsgesellschaften nehmen bei nachhaltigen Entwicklungen eine wichtige Rolle ein, sagt Fanny Nosetti von der Banque de Luxembourg. | © Getty Images

Fondsmanagerin über grüne Investitionen

Die frustrierende Seite nachhaltiger Geldanlage

Verantwortliche Geldanlagen sind in aller Munde. Sie werden in großer Zahl angeboten und mit den immer gleichen Argumenten angepriesen. Aber der unterschwellige moralische Druck, der dabei oft aufgebaut wird, bringt selbst nichtrauchende, mülltrennende und aus Umweltgründen nur kurz unter die Dusche springende Hybridfahrzeugbesitzer dazu, sich – gewissermaßen in einer Abwehrreaktion – Zigaretten zu kaufen, ein volles Wannenbad zu nehmen oder unsortierten Hausmüll absichtlich in der Biotonne zu entsorgen.

Vorsicht, Baustelle!

Viele Vermögensverwaltungsgesellschaften betonen, dass sie nachhaltige Geldanlagen nicht erst jetzt entdeckt haben, sondern über Erfahrung auf diesem Gebiet verfügen. Aber ist das wirklich so? Die Vereinten Nationen haben die Ziele für nachhaltige Entwicklung erst 2015 festgelegt – im selben Jahr, in dem auf der Weltklimakonferenz in Paris ehrgeizige Ziele für die Reduzierung des CO2-Ausstoßes formuliert wurden.

Die konkrete Messung und Veröffentlichung von Daten über die Nachhaltigkeit von Unternehmen ist zwar noch lange nicht selbstverständlich, aber es werden Maßnahmen entwickelt. Die CO2-Bilanz ermöglicht eine Erfassung der direkten oder indirekten Emissionen von Treibhausgasen eines Unternehmens und ist eine der am weitesten fortgeschrittenen Initiativen. Sie kommt bei immer mehr Unternehmen zum Einsatz.

Erst seit 2019 müssen Unternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten in Frankreich auf der Grundlage eines Index mit fünf Kriterien angeben, welche Maßnahmen sie umsetzen, um die Gleichstellung von Frauen und Männern in ihren Teams zu erreichen. Die Ratingagenturen, die sich auf die Analyse nicht-finanzieller Daten spezialisiert haben, sind sich bei der Vergabe von Bewertungen an Unternehmen nicht immer ganz einig. Ihre unterschiedlichen Bewertungen verwirren eher, und es ist außerdem nicht sicher, inwiefern man ihnen vertrauen kann. In diesen Unterschieden liegt allerdings auch etwas Beruhigendes: Sofern dieser Zustand anhält, verläuft die Entwicklung recht undogmatisch.

Unabhängig von ihrer Erfahrung auf dem Gebiet der nachhaltigen Geldanlagen verändern die Vermögensverwaltungsgesellschaften daher ihre Geschäftspraktiken und gehen dabei immer umfassender vor.

Anpacken statt Perfektionismus

Geradlinig verläuft diese Entwicklung nicht – und manche Kurven müssen sehr vorsichtig genommen werden. Vor allem sollte man sich möglichst vor schlammigen Pfaden und sogenanntem Greenwashing hüten, weil es die Glaubwürdigkeit aller Beteiligten beschädigen kann. Manches funktioniert aber auch sehr gut und bringt konkrete Fortschritte, weil sich Entschlossenheit auszahlt.

Anlässlich der 25. Weltklimakonferenz in Madrid unterzeichneten nicht weniger als 631 Investoren aus aller Welt mit einem verwalteten Vermögen von insgesamt 37.000 Milliarden US-Dollar einen offenen Brief, in dem die Staaten für ihr Engagement in Sachen Klimaschutz zur Verantwortung gezogen werden sollen. Es handelt sich um eine der bisher größten gemeinsamen Aktionen von Finanzmarktteilnehmern,
die auf die globale Erwärmung aufmerksam machen soll. Die Investoren empfehlen den Staaten, das Konzept zur Klimaberichterstattung der Task Force on Climate-Related Financial Disclosures (TCFD) anzunehmen.

Die Unternehmen selbst gehen voran. Im Rahmen der 2015 vom Carbon Disclosure Project (CDP), dem WWF, dem World Resources Institute (WRI) und den Vereinten Nationen initiierten Initiative „Science Based Targets (iSBT) legten 285 Unternehmen sich auf Ziele zur Verringerung ihrer CO2-Emissionen fest, um den Empfehlungen des Intergovernmental Panel on Climate Change zu folgen. Gemeinsam sind diese 285 Konzerne jedes Jahr für 752 Millionen Tonnen an CO2-Emissionen verantwortlich; das ist mehr, als Frankreich und Spanien zusammen pro Jahr verursachen. Eine Reduzierung ihrer Emissionen um 35 Prozent entspräche somit der Schließung von 68 Kohlekraftwerken.

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