Manchmal beginnt eine große Geschichte einfach in einem Stall. So war es auch beim Maklerpool Fondsnet. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Erftstadt geht auf die Initiative von Klaudia Scheidt und Walter Becker zurück. Die beiden ehemaligen Privatlehrer suchten zunächst nur nach einer Möglichkeit, ihr eigenes Geld gewinnbringend anzulegen, als sie Mitte der 1990er Jahre auf das damalige Boomthema Investmentfonds stießen. Über den Kontakt zu einer Fondsgesellschaft begannen sie, auch selbst Fonds an Kunden zu vermitteln. Was irgendwann ihr Hauptberuf wurde.
1995 gründeten Scheidt und Becker den Finanzvertrieb Fondsnet. Mit einem dritten Kompagnon kam es zum Bruch, Scheidt und Becker machten weiter. 1998 zogen sie mit ihrer noch kleinen Firma um. Von Köln-Widdersdorf ging es ins nahe gelegene Erftstadt. Hier kommt der Stall ins Spiel.
Faible für Altbauten
Als Firmensitz bezog Fondsnet die Husarenkaserne, einen historischen Pferdestall. Hier hat das Unternehmen bis heute seinen Sitz, weitere Gebäude sind hinzugekommen. Alle vier Erftstädter Fondsnet-Standorte strahlen den Charme vergangener Jahrhunderte aus: denkmalgeschütztes Fachwerk, Hofcafé-Flair. „Das passt zu Fondsnet“, findet der heutige Geschäftsführer Georg Kornmayer. In Erftstadt wurde Fondsnet vom Finanzvertrieb zum Maklerpool – Stand heute zu einem der größten am deutschen Markt.
Im Verlauf der Fondsnet-Geschichte machten sich die Gründer Becker und Scheidt in der Öffentlichkeit zunehmend rar. Von Becker, der 2022 verstarb, existieren nicht einmal offizielle Fotos. Umso präsenter in der Außenwahrnehmung von Fondsnet ist Georg Kornmayer. Der heutige Geschäftsführer arbeitete den Pool-Gründern ursprünglich als externer IT-Dienstleister zu. 2006 wurde er Teil des Unternehmens. Die Hauptfiguren teilen sich bis heute ihre Rollen auf: Kornmayer vertritt Fondsnet eloquent nach außen, Scheidt bleibt öffentlich unsichtbar und wirkt nach innen.
Komplott um Rückvergütungen
Was wäre ein deutscher Maklerpool ohne einen handfesten Skandal? Bei Fondsnet erinnert man sich an folgende Geschichte: In den frühen Pool-Jahren wollten sich die Chefs mehrerer Wettbewerber gegen den Pool verbünden, da dieser ihrer Ansicht nach zu viel Vertriebsprovision an die Makler durchleitete. Pools sollten sich doch bitte auf eine Mindestmarge aus den Ausgabeaufschlägen verständigen. Der Vorstoß scheiterte.
In der Broschüre zum 30. Jubiläum lassen die Fondsnet-Verantwortlichen die Geschichte genüsslich aufleben, das Schreiben ist mit abgedruckt. Das Skandälchen habe dem Pool viel Aufmerksamkeit beschert: „Das war unser Startschuss, durch den wir uns als Maklerpool in der Breite etabliert haben“, erinnert sich Kornmayer. Die Geschichte spielte 2002, lang ist's her.
Verschlungene Strukturen
Viel ist passiert auf Fondsnets Weg zu einem der größten deutschen Maklerpools. Das betrifft auch die Unternehmensstruktur. 2007 beteiligte sich der Pool am Haftungsdach BN & Partners Deutschland, heute BN & Partners Capital. Gemeinsam mit BN & Partners taten sich die Fondsnet-Verantwortlichen mit der Schweizer Wertpapierhandelsbank Reuss Private zusammen und gründeten 2010 die Holding-Gesellschaft Reuss Private Group. Diese enthält neben einem Schweizer und einem Liechtensteiner Unternehmensteil auch die Reuss Private Holding, die das deutsche Geschäft rund um die Fondsnet-Holding bündelt (Grafik unten).
Fondsnet-Unternehmensstruktur: Holding in der Holding in der Holding
Die Fondsnet-Gruppe ist Bestandteil des Schweizer Reuss-Private-Konzerns.
Die Fondsnet-Strukturen wirken verworren – auf den ersten Blick und auf den zweiten immer noch. Wenn der Pool Geschäftszahlen meldet, sind das für gewöhnlich die Zahlen des gesamten Fondsnet-Kosmos, inklusive Haftungsdach und Bank. Diese Praxis ist auch bei Wettbewerbern üblich.
Der Fondsnet-Verbund beschäftigt heute rund 150 Mitarbeiter. Rund 30 davon arbeiten in der ausgegliederten IT-Tochter Foo mit Sitz in Berlin, 16 beim Bad Oeynhausener Baufinanzierungsspezialisten Haus Finanz Kontor, den Fondsnet 2023 übernahm.

