Rudolf Gattringer (links) und Kurt Eichhorn, Manager des Kepler Vorsorge Mixfonds

Rudolf Gattringer (links) und Kurt Eichhorn, Manager des Kepler Vorsorge Mixfonds

Fondsporträt Kepler Vorsorge Mixfonds

Linzer Rendite-Spezialität

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Die oberösterreichische Stadt Linz ist unter anderem für die leckere Linzer Torte bekannt. Ihre Zutaten: Butter, Mehl, Zucker, Haselnüsse, Ei, Backpulver und ein paar Gewürze – sowie last but not least Ribiselgelee, vulgo Johannisbeergelee.

Eine schmackhafte Mischung bereiten auch Rudolf Gattringer und Kurt Eichhorn zu – allerdings eher für Kapitalanleger als für Tortenfreunde. Ihre Zutaten: Aktien, Anleihen und Geldmarktinstrumente. Aus diesen Bestandteilen stellt das für Österreichs viertgrößte Kapitalanlagegesellschaft Kepler Asset Management tätige Manager-Duo ein Portfolio zusammen, das sich im Gruppenvergleich sehr gut behauptet. So belegt der Kepler Vorsorge Mixfonds in der FWW-Kategorie Mischfonds ausgewogen Welt sowohl über ein, drei und fünf Jahre einen der vordersten Plätze. Über fünf Jahre erwirtschafteten Gattringer und Eichhorn beispielsweise ein Plus von 53,7 Prozent, was ihrem Fonds Rang 4 von 208 Konkurrenten beschert (Stand 20. Juni 2016).

„Die erfreuliche Wertentwicklung ist unter anderem das Resultat unseres Engagements in den so genannten Peripherie-Ländern. Wir haben frühzeitig darauf gesetzt, dass die Renditeaufschläge für solche Anleihen nach der Draghi-Rede im Sommer 2012 sinken würden und uns ins in sehr langen Laufzeiten engagiert“, kommentiert Eichhorn, der für das Anleiheportfolio verantwortlich zeichnet. Performance-Spitzenreiter dieser Strategie über drei Jahre war ein spanischer Pfandbrief mit einer Rendite von 21 Prozent – per anno, wohlgemerkt.

Der studierte Mathematiker Eichhorn ist seit 1996 bei Kepler an Bord und arbeitet seit über 30 Jahren im Anleihegeschäft. Eine besondere Vorliebe hat er für Illiquiditätsprämien: „Kleinvolumige Anleihen haben typischerweise höhere Geld-Brief-Spannen. Dieser Nachteil wird aber durch höhere Renditen abgegolten. Dies liegt daran, dass die typischen Abnehmer für Anleihen wie Versicherer diese Papiere nur mehr sehr eingeschränkt kaufen können.“ Dieser Umstand wird Eichhorn zufolge mit Prämien von bis zu 0,5 Prozentpunkten per anno vergütet – und zwar unabhängig von der Bonität.

Kaufkandidaten findet der Kepler-Manager unter anderem bei supranationalen Emittenten wie der Europäischen Investitionsbank, bei Emissionen der italienischen Regionen oder Bankanleihen. Aus der geringen Handelbarkeit dieser Anleihen ergibt sich allerdings auch, dass ihr Anteil am Fondsvermögen nicht zu hoch sein darf, damit beabsichtigte Portfolioänderungen oder auch Anteilsverkäufe problemlos möglich sind. Das Anleiheportfolio umfasst daher auch andere Anlageklassen wie Bank- und Unternehmensanleihen, die Eichhorn aktuell mit rund 40 Prozent gewichtet.

„Hier setzen wir derzeit unter anderem auf die Branchen Rohstoffe und Energie, die unserer Einschätzung nach zu sehr geprügelt wurden“, beschreibt der Fondsmanager die aktuelle Gewichtung. „Im Schnitt kommen wir mit unserer Positionierung selbst im aktuellen Umfeld auf eine Durchschnittsrendite von rund 3 Prozent jährlich.“ Neben den Illiquiditätsprämien nutzt Eichhorn auch Über- oder Untertreibungen bei den verschiedenen Anleiheformen für seine Zwecke.

Auf der Aktienseite trifft Eichhorns langjähriger Kollege Rudolf Gattringer die Auswahl. Der seit 1998 für Kepler arbeitende Leiter des Aktienfondsmanagements kann die Aktienquote zwischen 30 und 40 Prozent variieren, in den vergangenen Monaten lag sie relativ stabil bei rund 35 Prozent. „Das Anlageuniversum des Aktienportfolios setzt sich aus dem im MSCI All Country World zusammen, der auch rund 10 Prozent Schwellenländer enthält“, sagt Gattringer.

Aus den rund 2.400 verfügbaren Titeln setzt er eine Reihe von Gewinn- und Cash-Flow-Betrachtungen ins Verhältnis zum Unternehmenswert. Auch Wachstum und Qualität spielen eine Rolle. „Bewertung und Wachstum werden kombiniert und die Titel nach Attraktivität gereiht. In regelmäßigen Abständen schauen wir dann, ob die Aktien sich noch im definierten Bereich befinden. Wenn nicht, werden sie durch andere Titel mit Top-Ranking ersetzt“, skizziert Gattringer seinen Auswahlprozess.

Viele der einmal ausgewählten Unternehmen bleiben über Jahre hinweg im Portfolio, unter anderem der US-Gesundheits-Dienstleister Aetna. Aktuell ist Gattringer mit dem Fonds in den Schwellenländern übergewichtet, während Nordamerika und Großbritannien vergleichsweise niedrig gewichtet sind. Auf Sektor-Ebene weicht er im Bereich der Basiskonsumgüter am stärksten nach unten vom Index ab.

Bei der Asset Allocation setzen Gattringer und Eichhorn auf drei Bewertungsblöcke: Erstens makroökonomische Faktoren, zweitens Bewertungsaspekte und drittens Behavioural Finance. „Derzeit liefert keine dieser drei Bewertungssäulen aussagekräftige Signale, so dass wir unser Mischportfolio ausgewogen gewichtet halten“, so Gattringer. So signalisiere etwa die Behavioural Finance-Analyse weder Sorglosigkeit der Anleger noch übertriebenen Pessimismus.

Mit rund 120 Aktien und 150 Anleihen ist das Portfolio des 120 Millionen Euro schweren Fonds breit gestreut. Damit ist die Zutatenliste für diese Linzer Spezialität etwas umfangreicher als jene für das berühmte Backwerk.

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