Ein Ein-Sterne-Hotel in Boston, ein Fenster, das nicht richtig aufgeht. Christoph Fröhlich riss es auf, es wurde besser, dann fiel es zu. 40 Sekunden später roch es wieder, „als wäre jemand drin gestorben“. Das ist der Teil des Finanzjournalismus, der nie auf Linkedin landet.

In der Sonderfolge von „For Professional Investors Only“ sitzt diesmal kein Gast am Tisch. Malte Dreher und Christoph Fröhlich befragen sich gegenseitig, Regel eins: „Kommt drauf an“ ist keine Antwort. Es geht um Pressemitteilungen, Dienstreisen, Panels, Vertriebler, Namensschilder und um einen pinken Bibi-und-Tina-Rucksack im Drei-Sterne-Restaurant. Beide würden ihn tragen. Malte legt eine schräg geschnallte Bauchtasche drauf: „Ich gehe lieber als Litfaßsäule richtig geil essen, als ohne Branding.“

Bei einer Frage antworten beide ohne Zögern gleich: den größten Namen der Branche interviewen, einen Larry Fink, der nichts Neues zu sagen hat oder eine völlig unbekannte Person mit einer außergewöhnlichen Geschichte? Die Unbekannte. Malte hat als Student in Köln etwa eine Woche lang den Chauffeur von Helmut Kohl begleitet. Später schrieb er ein Porträt über die Empfangschefin der DWS anlässlich ihres 40. Dienstjubiläums. „Solche Geschichten machen wir echt zu wenig mittlerweile.“ Sein Argument: Durch das kleine Fenster sieht man oft mehr vom großen Haus als im Termin mit dem amtierenden Vorstand.

Dagegen läuft die Maschine, die die Branche jeden Tag anwirft. Pressemitteilungen aus derselben Stanze. Kapitalmarktausblicke, die nach einem Jahr Zuhören niemanden schlauer gemacht haben. Panels im feinen Umgangston. Beide würden lieber sechs Teilnehmer moderieren, die sich schon über die Definition des Themas lautstark streiten, als dass alle einer Meinung sind. „Wir haben viel zu selten Panels, wo es so richtig knallt“, sagt Malte. Christoph sagt über die Aktiv-versus-Passiv-Debatte, sie gehe ihm auf den Keks, und alt sei sie außerdem.

Eine andere Frage: Lieber eine unbequeme Geschichte veröffentlichen und einen wertvollen Branchenkontakt verlieren oder vorsichtiger formulieren und dafür keine Arbeitsbeziehung in Scherben hinterlassen? Malte wählt den Konflikt. Seine Erfahrung: Danach kommen beide Seiten besser miteinander klar als vorher. „Ich würde nichts mehr so weichspülen. Dann würde ich es eher lassen.“

Weltklasse-Story exklusiv, die niemand liest, oder banale Geschichte, die mit den Klicks die Lampen ausschießt? Christoph nimmt die Klicks: „Dann bin ich da doch so ein bisschen bitch.“ Es geht in der Folge um falsche Namensschilder auf einer bekannten Branchenveranstaltung, warum Christophs prominenteste Telefonnummer nicht zurückschreibt und wer in dieser Branche um 2.30 Uhr nachts elf Monate alte Linkedin-Posts likt.

Welche Fragen wirklich unangenehm wurden und warum Malte vier Wochen Dienstreise lieber ohne Süßigkeiten als ohne Wein übersteht, darum geht es in der Sonderfolge.