Fortis OBAM Equity World

//
Der OBAM Equity World (WKN: A0B94X) der niederländisch-belgischen Fondsgesellschaft Fortis ist ein Fonds mit höheren Weihen: Er wird nach derselben Strategie gemanagt wie ein Fonds, der 1936 in den Niederlanden aufgelegt wurde. Er trägt wie dieser den Namen OBAM, das für Onderlinge Beleggings en Administratie Maatschappij (zu Deutsch: Anlage- und Verwaltungsgesellschaft auf Gegenseitigkeit) steht, was als Anlageprodukt für französische Ordensschwestern fungierte. Die Nonnen befürchteten damals die Verstaatlichung ihrer Klöster und setzten sich in die Niederlande ab.

Vor 70 Jahren musste der damalige Fondsmanager J.G.A. Baron Sirtema van Grovestins seine Entscheidungen noch vor dem Orden rechtfertigen. Das ist heute passé. Der aktuelle, bislang fünfte Manager des Fonds müsste sich aber kaum Sorgen machen, Mutter Oberin zu missfallen: Rolf Stout ist seit 18 Jahren für den Fonds verantwortlich und übertraf seinen Vergleichsindex MSCI Welt in dieser Zeit jährlich um durchschnittlich 5 Prozent.

Vom britischen Branchendienst „Citywire“ wurde Stout im November 2007 mit der Bestnote AAA ausgezeichnet. Das schafften bislang nur 38 von 1.900 Fondsmanagern in Deutschland. Dem Fonds gibt die Rating-Agentur Standard & Poor’s (S&P) ihre zweitbeste Note AA. Von Morningstar hat er fünf Punkte erhalten. Dort zählt er den zu den drei besten Fonds auf Sicht von einem und drei Jahren in der Kategorie internationale Aktienfonds für Standardwerte mit Growth-Strategie.

Auf Sicht von drei Jahren erzielte der seit März 2004 auch in Deutschland angebotene Fonds eine Wertentwicklung von im Schnitt 19 Prozent pro Jahr. Zum 31. Dezember lag diese Kennzahl noch bei 28,4 Prozent, knapp drei Mal höher als beim MSCI Welt. Das vorige Jahr schloss der Index mit einem Minus von 1,7 Prozent ab. Der Fonds dagegen lag 29,9 Prozent im Plus. Seit Anfang Januar verlor er jedoch um rund 18 Prozent an Wert. Beim Vergleichsindex waren es nur 7,4 Prozent.

Stout macht seinem Namen zumindest bei der Geldanlage alle Ehre: „stout“ ist im Niederländischen nämlich die Bedeutung für „kühn“, „wagemutig“. Wenn die Aktienkurse einbrechen, sieht er den richtigen Zeitpunkt, um seine Positionen aufzustocken. Im Jahr 2005 zum Beispiel baute er den Anteil koreanischer Aktien in seinem Portfolio aus, nachdem diese stark gefallen waren. Noch heute ist er Korea-Fan: „Im Vergleich zu anderen Ländern der Region sind südkoreanische Unternehmen mit einem durchschnittlichen Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 10,5 günstig bewertet“, erklärt Stout.

Bei chinesischen Aktien, so Stout, sei das KGV zwar etwa doppelt so hoch. „Doch die Gewinnaussichten der Unternehmen rechtfertigen eine höhere Bewertung“, sagt Stout. „Insbesondere bei Finanz- und Bautiteln, die an der Hongkonger Börse gelistet sind, sehe ich langfristig noch Spielraum für Kurssteigerungen.“ Die asiatische Bauindustrie dürfte vom Ausbau der Infrastruktur in den fernöstlichen Schwellenländern profitieren. Besonders hohes Potenzial schreibt Stout Firmen zu, die in der ehemals niederländischen Kolonie Indonesien aktiv sind.

Asiatische Aktien machen derzeit ein Drittel des Fonds aus. Auf jeweils rund ein Viertel kommen Unternehmen aus den USA und der Eurozone. In der Branchengewichtung dominieren Industrie- und Rohstoffwerte mit jeweils etwa einem Fünftel. Im Dezember erhöhte er seine Positionen beim Öl- und Gasförderer Transocean aus dem texanischen Houston und dem Kasseler Bergbau- und Chemieunternehmen Kali und Salz.

Der deutsche MDax-Titel Kali und Salz gehört zu den 120 bis 140 Unternehmen in Stouts Portfolio mit geringem bis mittlerem Börsenwert. Auf sie entfallen etwa 40 Prozent des Portfolios. „Aufgrund des höheren Risikos bei den Mid und Small Caps streuen wir bei diesen Titeln stärker“, erklärt Stout. Die übrigen 60 Prozent des Fonds füllen 60 bis 80 Standardwerte auf. Zu den größten Einzeltiteln des Fonds zählt zum Beispiel der schwedisch-schweizerische Elektronikkonzern ABB.

„Ich nehme nur dann Großunternehmen in den Fonds auf, wenn ich sie zu einem angemessenen Preis kaufen kann“, so Stout. Diese Titel bilden das sogenannte strategische Portfolio, das etwa sechs bis acht Jahre gehalten werden soll. Nur drei bis fünf Jahre beträgt die Verweildauer bei den Aktien kleiner und mittelgroßer Firmen des sogenannten taktischen Portfolios.

Der Ausgabeaufschlag des Fonds beträgt bis zu 5 Prozent. Die jährliche Verwaltungsgebühr liegt bei 1,5 Prozent.

Mehr zum Thema