Motivwagen auf dem Rosenmontagsumzug in Köln: Zwischen Terrorangst und Kaufrausch (Foto: Ralph Goldmann/dpa)

Motivwagen auf dem Rosenmontagsumzug in Köln: Zwischen Terrorangst und Kaufrausch (Foto: Ralph Goldmann/dpa)

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Mit roten Pumps gegen die Terrorangst

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Wochenlange Diskussionen über einen Charlie-Hebdo-Wagen, ein abgesagter Zug in Braunschweig, Polizeibeamte in erhöhter Alarmbereitschaft – die Angst vor islamistischen Anschlägen hatte die Rosenmontagsfeiern in diesem Jahr fest im Griff. Was die eine oder andere Karnevalstruppe nicht davon abhielt, das leidige Thema trotzdem aufzugreifen. Ein Motivwagen in Köln setzte der um sich greifenden Terror-Hysterie dabei ein zweites Virus entgegen, das die Deutschen in diesen Tagen und Wochen mindestens ebenso fest im Griff hat wie das erste: Kauflust, symbolisiert durch ein Paar rote Damen-Pumps.

Der private Konsum in Deutschland brummt auf Hochtouren. Einer aktuellen Auswertung des GfK-Instituts zufolge sind die Verbraucher in einer Kauflaune wie seit 13 Jahren nicht mehr. Was nicht weiter verwundern kann: Schließlich gibt es fürs Ersparte kaum noch Zinsen, und der der stark gesunkene Ölpreis eröffnet auf der Ausgabenseite zusätzliche Spielräume. Der Einzelhandelsverband HDE erwartet, dass die Einnahmen in der Branche 2015 zum sechsten Mal in Folge steigen, und zwar um 1,5 Prozent auf 466 Milliarden Euro.

Goldene Zeiten also für Konsumaktien? Zumindest für einige, prognostizieren die Analysten der Deutschen Bank. In einer aktuellen Studie küren sie die Baumarktkette Hornbach und den Textilhersteller Gerry Weber zu Top-Favoriten für 2015. Die Kollegen von Warburg Research halten ebenfalls große Stücke auf Hornbach und bringen darüber hinaus Adler Modemärkte, Bijou Brigitte und Sixt ins Spiel.

Während Gerry Weber (Bellevue BB Entrepreneur Europe) und vor allem Sixt (Main First Germany Fund, Deutsche Aktien Total Return) durchaus zu den Top-Picks einzelner Fondsmanager gehören, machen sich die anderen genannten Werte in entsprechenden Portfolios eher rar. Bijou Brigitte etwa findet sich derzeit mit einer deutlich niedrigeren Gewichtung von knapp 3 Prozent im deutschen Nebenwertefonds DC Value One AMI der Berliner Vermögensverwaltung Dickemann Capital und im Loys Global der Oldenburger Loys AG (1,7 Prozent). Anfang 2010 hatte Loys-Manager Christoph Bruns den Hamburger Modeschmuck-Anbieter noch mit über 8 Prozent gewichtet – angesichts der rasanten Talfahrt der vergangenen fünf Jahre von 140 auf zeitweise unter 50 Euro allerdings keine besonders glückliche und schließlich revidierte Entscheidung.

Der gemeinsame Deutsche-Bank- und Warburg-Research-Favorit Hornbach steckt als S-Dax-Wert im Comstage S-Dax ETF, wo er auf ein Gewicht von 2,7 Prozent kommt. Auch im DWS German Small/Mid Cap der Deutsche-Bank-Tochter Deutsche Asset & Wealth Management ist Hornbach vertreten, allerdings nur mit 0,5 Prozent und damit zu 0,2 Prozentpunkte weniger als im Deka Deutschland Nebenwerte der Sparkassen.

Wer bei roten Damen-Pumps in erster Linie an Zalando denkt und nach entsprechenden Kaufempfehlungen sucht, wird vor allem bei jenen Instituten fündig, die den Berliner Online-Versandhändler im vergangenen Oktober an die Börse gebracht haben: Morgan Stanley, Credit Suisse und Goldman Sachs. Als Top-Five-Position findet sich die Zalando-Aktie derzeit lediglich in einem einzigen Fonds, dem Uni Deutschland XS von Union Investment.