Rolf Tilmes

Rolf Tilmes

FPSB: Inflationsschutz durch Immobilien – aber nur aktiv gemanagt

Rolf Tilmes ist Vorstandsvorsitzender des Financial Planning Standards Board Deutschland (FPSB Deutschland).

Die jüngst veröffentlichte Untersuchung der Deutschen Bundesbank bringt es ans Licht: Das Sparbuch ist der am weitesten verbreitete Vermögensgegenstand in deutschen Haushalten.

78 Prozent besitzen ein Sparguthaben. Mit Abstand folgen kapitalbildende Lebensversicherungen (40 Prozent) und Bausparverträge (36 Prozent). Zwar ist der größte Aktivposten deutscher Haushalte die selbst genutzte Immobilie, im Anlageportfolio aber spielen Immobilien ebenso wie Aktien kaum eine Rolle.

Dabei können Immobilieninvestments, professionell ausgewählt und aktiv gemanagt, einen Schutz gegen Krisen und einen Anstieg der Inflationsrate bieten. Bei der Umsetzung einer entsprechenden Strategie können unabhängige Certified Financial PlannerAnlegern helfen.

Die Deutschen verschenken Geld

Gute Zeiten für Zinsanlagensehen anders aus. Wer derzeit knapp zwei Prozent bekommt, bekommt viel. Ein Ertrag, der aber durch Inflation und Steuern praktisch aufgezehrt wird. Schlimmer noch: Zinsanlagen führen zu realer Geldvernichtung.

Wie das wirkt, zeigt ein einfaches Beispiel: Wer 10.000 Euro anlegt und dafür eine jährliche Verzinsung von 1,5 Prozent bekommt, muss bei einer Inflationsrate von zwei Prozent nach zehn Jahren einen Kaufkraftverlust von fast fünf Prozent auf das Anfangskapital zu erleiden.

Viele Sparer in Deutschland sind sich dieser Tatsache, die sich aus dem aktuellen Niedrigzinsumfeld ergibt, noch nicht bewusst. Dabei wäre die Lösung einfach. Sparer sollten stattdessen breiter investieren und auch Sachwerte wie Aktien oder Immobilien, die die Chance auf realen Kapitalerhalt in diesem Umfeld bieten, bei ihrer Geldanlage berücksichtigen.

Doch das tun bislang nur wenige. Gerade elf Prozent der deutschen Haushalte, so ein weiteres Ergebnis der Erhebung der Deutschen Bundesbank, halten Aktien. Aber auch Immobilienanlagen jenseits der eigen genutzten Immobilie spielen in den Portfolios der Deutschen kaum eine Rolle.

Richtiges Management ist nötig

Zwar haben zumindest 44 Prozent der Haushalte eine selbst genutzte Immobilie. Doch im internationalen Vergleich hinkt Deutschland auch hier hinterher. Denn in Frankreich besitzen 58 Prozent der Menschen ein Eigenheim, in Spanien sogar fast 83 Prozent.

Noch schlimmer: Häuslebauer hierzulande nutzen noch nicht einmal alle Finanzierungsmöglichkeiten, die ihnen zur Verfügung stehen. Mit der Folge, dass das Eigenheim oftmals nicht optimal finanziert sind.

In der jüngsten Vergangenheit, stark beeinflusst durch die Verwerfungen der Staatsschuldenkrise und begünstigt durch das niedrige Zinsumfeld, nimmt das Interesse an Immobilien als eigenständige Anlageklasse zu.

Jedoch anstelle einer systematischen und ganzheitlichen Portfolio-Strukturierung werden jetzt Immobilien –fast schon blind – als reiner Inflationsschutz gekauft. Risiko- und Ertragsgesichtspunkte oder ein umfassendes Immobilienmanagement werden oft vernachlässigt.

Wer suchet, der findet

Dazu kommt, dass viele Investoren die Renditemöglichkeiten, die mit Investments in diesem Sektor möglich sind, gar nicht nutzen. Dabei kann der Werthebel, vor allem bei größeren Immobilienbeständen, höher sein, als im liquiden Wertpapiermanagement. So kann der Ertrag von Zinshäusern durch ein professionelles Mietermanagement deutlich gesteigert werden.

Allerdings ist es für Investoren auch nicht ganz leicht, geeignete Immobilien, die ein gutes Ertrags-/Risikoverhältnis bieten, zu finden. Dieses gilt umso mehr, da an einigen Standorten die Preise schon stark gestiegen und die Mietrenditen kaum noch attraktiv erscheinen.

Investoren, die ihren Immobilienanteil im Portfolio ausbauen wollen, müssen deshalb bei der Auswahl möglicher Zielobjektesehr genau hinsehen. Es gilt, Immobilien zu entwickeln und nicht Luxus-sanierte Objekte mit wenig Wertsteigerungspotential zu erwerben.

Immobilienmanagement als Teil der gesamten Finanzplanung

Ein professionelles Immobilienmanagement muss deshalb genauso wie ein professionelles Wertpapiermanagement Teil der privaten Finanzplanung sein. Nur so lassen sich bei der Langfristanlage Immobilien Klumpenrisiken im Portfolio vermeiden, Ertragshebel realisieren und Liquiditäts-und Steueraspekte mit den anderen Vermögensbestandteilen synchronisieren.

Mehr zum Thema
Wohnimmobilien gehören ins Stiftungsvermögen – aber richtig Fondsporträt: Strategiefonds Sachwerte GlobalDer Inflation ein Schnippchen schlagen „Eine schleichende Enteignung der Sparer findet bereits statt“