Fragwürdige Abstimmungspraktiken

Bußgeld und Dividendenrückzahlung für Allianz Global Investors?

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Wer eine Aktie kauft, hat in der Regel das Recht, auf Hauptversammlungen abzustimmen. Das trifft auch auf Aktienfonds zu. Doch richtige Entscheidungen müssen gut vorbereitet sein - eine Aufgabe, für die den Fondsmanagern oft die Zeit fehlt. Daher engagieren einige Fondsgesellschaften Dienstleister, die ihren Managern Abstimmungsempfehlungen geben. Auch AGI arbeitet seit 2013 mit einem solchen Dienstleister - dem Institutional Shareholder Services (ISS) - zusammen. Doch das könnte der Gesellschaft nun zum Verhängnis werden.

So berichtet die „Wirtschaftswoche“ von einem vorläufigen Gutachten der AGI-Rechtsabteilung. Demnach könnten die Empfehlungen, die die ISS für alle Fonds der Gesellschaft erstellt, gegen ein Gesetz verstoßen und zu Bußgeldern und weiteren finanziellen Schäden für AGI führen.

Denn nach dem Gesetz muss jeder Aktionär melden, wenn er mehr als 3 Prozent der Aktien eines Unternehmens besitzt. Hat er mehr als 30 Prozent der Aktien, muss er sogar ein Übernahmeangebot machen. Die Anteile, die die einzelnen Fonds einer Gesellschaft halten, werden aber nicht zusammengezählt - solange die Manager einzelner Fonds unabhängig voneinander und von der Muttergesellschaft auf den Hauptversammlungen abstimmen.

Doch wie sieht es mit der Unabhängigkeit aus, wenn es eine hauseigene Abstimmungsrichtlinie existiert? Der AGI-Jurist befürchtet laut „Wirtschaftswoche“, dass es sich dabei um das sogenannte „Acting in Concert“ handeln könnte. Dieser Begriff umschreibt die Praxis, bei der die einzelnen Gesellschaften wie eine einzige handeln. In diesem Fall werden sie hinsichtlich der Meldepflichten auch als eine Gesellschaft betrachtet und ihre Aktienanteile werden addiert. Träfe das auf AGI zu, würden der Fondsgesellschaft Bußgelder und eventuell sogar Dividendenrückzahlungen drohen.

Ein AGI-Sprecher weist die Vorwürfe auf Nachfrage von DAS INVESTMENT.com zurück. ISS sei lediglich ein Dienstleister, der Empfehlungen unter Berücksichtigung der AGI-Prinzipien abgebe; wie sie letztendlich abstimmen, entscheiden die einzelnen Investmenteinheiten selbst. Bei den AGI-Prinzipien handele es sich um eine weit gefasste Definition davon, was eine gute Unternehmensführung ausmacht: Die konkrete Auslegung dieser Richtlinien sei Sache einzelner Investmenteinheiten.

Außerdem habe die „Wirtschaftswoche“ das AGI-Rechtsgutachten in einem falschen Zusammenhang zitiert, so der Sprecher weiter. „Es bezog sich auf eine Option, die wir zwar in Erwägung gezogen haben, die letztlich aber gar nicht umgesetzt wurde. Sie steht in keinem Zusammenhang mit der von uns geübten Praxis."

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