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Shareholder-Value-Vorstand Frank Fischer:

Frank Fischer im Interview

„So gut waren wir noch nie“

DAS INVESTMENT: Ihr Flaggschiff-Fonds, der Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen, hat 2018 einen Kurseinbruch erlitten und läuft auch 2019 nicht rund. Was ist da los?

Frank Fischer: Mehrere Dinge. Zuerst einmal sind wir zu gut ins Jahr 2018 gestartet.

Zu gut kann gar nicht sein.

Fischer: Manchmal leider ja. Wir hatten uns einen Vorsprung vor dem Wettbewerb erarbeitet und waren dann zu optimistisch. Im ersten Quartal 2018 hatten wir gute Ergebnisse erwirtschaftet. Wir sind davon ausgegangen, dass wir das durch Investments mit Katalysator auch in einem wirtschaftlich schwächeren Umfeld tun könnten. 


Wo genau war das Problem?

Fischer: Wir haben über unsere normale Quote hinaus Aktien gekauft.

Was heißt für Sie normale Quote?

Fischer: Wir investieren klassischerweise 70 bis 75 Prozent in Aktien. Damit bleiben wir auch bei Verwerfungen handlungsfähig. Im September 2018 hatten wir allerdings eine Aktienquote von 80 bis 85 Prozent. Mit dieser Überquote sind wir in die Korrektur marschiert. Gleichzeitig hatten wir aktivistische Titel im Portfolio, bei denen wir Katalysatoren für eine Wertaufholung gesehen haben.

Erläutern Sie das bitte mal näher.

Fischer: Wir hatten zum Beispiel die Aktie von Telecom Italia im Portfolio. Auch der Hedgefonds Elliott war investiert. Wir hatten genaue Vorstellungen, was die Firma strategisch unternehmen müsste. Zusammen mit Elliott haben wir uns dafür eingesetzt, den Aufsichtsrat neu zu gestalten, das Glasfasernetz aus dem Unternehmen auszugliedern und die Unternehmensschulden zu senken. Die Ideen gefielen auch dem italienischen Staat. Er hat mit uns zusammen für die Änderungen gestimmt. Aber dann ist etwas Unvorhergesehenes passiert.

Nämlich?

Fischer: Eine links- und eine rechtsradikale Partei haben eine Regierungskoalition gebildet. Ich bin gar nicht auf die Idee gekommen, dass so etwas geschehen könnte. Die Koalition hat die Entscheidung über das Glasfasernetz erst einmal verschoben. Bis heute ist nicht entschieden, was damit passieren soll. Der Katalysator, von dem wir uns eine Kurssteigerung erhofft hatten, ist also nicht gekommen.

Das kann aber nicht das einzige Problem gewesen sein.

Fischer: Nein, wir hatten zum Beispiel auch die Aktie von John Menzies, einem Flugzeugabfertiger. Sie stand bei 7,40 Britischen Pfund und ist auf 4,00 Pfund gefallen. Wir hatten einen neuen Aufsichtsratsvorsitzenden etabliert. Es gab danach personelle Fehlentscheidungen im Unternehmen, die uns Zeit und Geld gekostet haben. Mittlerweile läuft dort alles wieder rund. Auf diese Weise haben wir ein paar Fehler gemacht, die die Performance belastet haben.

2019 war auch kein ganz glückliches Jahr für den Fonds.

Fischer: Wir sind dieses Jahr zu vorsichtig an den Start gegangen, weil wir uns nicht hundertprozentig sicher waren, ob es gut ist, gleich ins volle Risiko zu gehen. Es gab nach den Kurseinbrüchen Ende 2018 allerdings eine V-Erholung: Die Kurse bildeten nur einmal einen Boden, genau am 24. Dezember. Normalerweise geschieht das zwei- oder dreimal, bevor es wieder nach oben geht. Das war ungewöhnlich und statistisch unwahrscheinlich. 

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