Frank Lübberstedt von Ehrke & Lübberstedt ist Berater des Acatis Aktien Deutschland ELM

Frank Lübberstedt von Ehrke & Lübberstedt ist Berater des Acatis Aktien Deutschland ELM

Frank Lübberstedt über die Kurs-Rally des Dax

„Man darf sich von der Liquidität nicht verführen lassen“

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DER FONDS: Der deutsche Aktienmarkt ist seit Jahresanfang stark gelaufen. Ist Ihnen das Tempo zu schnell?

Frank Lübberstedt: Ja.

Sind die Werte in Ihrem Fonds denn entsprechend mitgelaufen?

Wir hinken dem Dax leicht hinterher. Das lässt sich aber durch unsere Anlagephilosophie erklären. Wir wählen Werte aus, die fundamental überzeugen. Wenn der Dax in einer Woche 10 Prozent steigt, ist das nicht fundamental untermauert, sondern einfach liquiditätsgetrieben. Davon darf man sich nicht verführen lassen, wir bleiben unserem Konzept treu.

Nicht nur der Dax ist gestiegen, auch Small und Mid Caps sind stark nach oben gegangen. Ist das ebenfalls rein liquiditätsgetrieben?

Das muss man sich punktuell angucken. Wir sehen generell weiter eine positive Tendenz bei den Unternehmensgewinnen. Aber sie haben nicht so stark zugelegt wie die Aktienkurse. Ein Stück weit wird die Bewertung so aufgepumpt, allerdings noch nicht übertrieben stark.

Finden Sie als Value-Investor denn noch Titel?

Es ist schon schwieriger, man muss suchen. Aber wir finden immer noch pro Monat regelmäßig ein bis zwei neue Werte für unser Portfolio.

Zum Beispiel?

Letzten Monat haben wir die Wüstenrot &Württembergische ins Portfolio genommen. Ich bin optimistisch, dass der Kurs n den nächsten drei Jahren um 50 Prozent steigen kann, rein fundamental getrieben. Die Aktie entwickelt sich losgelöst vom Index, für sie ist es völlig egal, ob der Dax 10 Prozent steigt oder fällt.

Hat die W&W Sie nicht schon einmal zur Verzweiflung getrieben, weil der Kurs einfach nicht steigen wollte?

Das stimmt. Es ist die einzige Aktie, an die mich erinnern kann, die sich operativ ganz toll entwickelt hat, wo der Kurs aber über Jahre hinweg nicht gestiegen ist. Das lag damals daran, dass der Streubesitz zu klein für größere Investoren war und das Unternehmen überhaupt kein Interesse an Kapitalmarkt-Kommunikation gezeigt hat. Das ist jetzt anders. Auch der Streubesitz hat zugenommen, und er dürfte weiter steigen. Beim Unternehmen scheinen komplett neue Zeiten angebrochen zu sein. Die Zahlen sind glänzend, die Bewertung ist günstig. Wir haben die Aktie mit einem KBV von 0,45 gekauft, sie also zu 55 Prozent unter ihrem Buchwert bekommen.

Gibt es weitere interessante Neuentdeckungen in diesem Jahr?

Wir haben Kontron als Turnaround-Kandidaten ins Portfolio aufgenommen. Das Unternehmen ist produktseitig gut aufgestellt und die globale Nummer 2 bei Industriecomputern. Es wurde aber in den vergangenen Jahren extrem schlecht gemanagt. Mittlerweile gibt es ein komplett neues Management, das auch schon etwas bewegt hat. Die Früchte wird man in nächsten Jahren ernten können. Wenn der Turnaround funktioniert, wird der Markt das Unternehmen auch wieder besser bewerten.

Wann steigen Sie bei Turnaround-Kandidaten ein? Versuchen Sie, so früh wie möglich dabei zu sein?


Nein, wir sind eher extrem defensive Investoren. Wir wollen unsere Performance mit weniger Volatilität als der Markt erzielen. Wir steigen erst ein, wenn erste Maßnahmen umgesetzt sind und vielleicht schon greifen. Wenn also der Turnaround ziemlich sicher zu gelingen scheint. Ich steige lieber etwas später ein als zu früh. Unser Kursziel für Neuinvestitionen liegt bei 30 Prozent in drei Jahren. Das bieten Turnaround-Kandidaten auch noch bei späterem Einstieg.

Allianz ist zurzeit Ihr größter Wert. Ist ein solcher Standardwert auf der Top-Position für Ihren Ansatz nicht eher ungewöhnlich?

Unsere Benchmark ist der C-Dax. Wir haben einen All-Cap-Ansatz, daher möchten wir nicht nur Nebenwerte, sondern auch immer ein paar ausgesuchte Standardwerte im Portfolio haben. Wir wollen nicht zu 100 Prozent von der Benchmark abweichen, auch wenn wir uns viel stärker als die meisten Fonds vom Index entfernen. Die Allianz passt perfekt ins Portfolio. Wir legen Wert auf ein sehr gutes Management und eine starke Bilanz. Beides hat die Allianz. Wie auch die Münchener Rück ist sie seit vielen Jahren als Basisinvestment im Portfolio.

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