Altersvorsorge in Deutschland Private Rentenversicherungen werden flexibler und grüner
Riester-Rente (2. Schicht): Wenig Auswahl, solide Qualität
Im Jahr 2021 verlief das Riester-Geschäft noch vergleichsweise erfreulich: Der Neuzugang stieg gegenüber dem Vorjahr um 12,3 Prozent auf 311.400 Stück. Doch der neue Höchstrechnungszins von 0,25 Prozent hat den meisten Lebensversicherern die Freude am Riester-Geschäft verdorben. Zu groß scheint die Herausforderung des Beitragserhalts und zu gering die Aussicht auf Ertrag. Im Herbst 2022 bedienen nur noch zehn Gesellschaften dieses Geschäftsfeld. Verbraucher können aktuell nur noch aus 16 Tarifen wählen statt 71 im Jahr 2021.
Privat-Rente (3. Schicht): Viele Top-Tarife, großes Angebot
Privat-Renten sind mittlerweile das Brot- und Buttergeschäft der Lebensversicherer. Das spiegelt sich auch im Angebot. In der dritten Schicht finden sich derzeit 61 Prozent aller untersuchten Rententarife – und überzeugen mit Qualität. Von den insgesamt 272 Tarifen erreichen beachtliche 38 Prozent (103 Tarife) die höchste Bewertungsklasse FFF+ (hervorragend).
Am breitesten ist die Leistungsspitze bei Fondsrenten. Nur noch jeder 6. Tarif fällt in die Kategorie Klassik. Und nur ein einziger Klassiktarif erhält die Auszeichnung FFF+. Die sinkende Relevanz der Klassik zeigt sich auch auf Seiten der Versicherer: Während 51 von 57 Versicherern Fondspolicen anbieten, haben nur noch 22 eine klassische Rentenversicherung im Programm.
Richtungswechsel bei den Zinsen
Nachdem der Rechnungszins mit 0,25 Prozent einen historischen Tiefstand erreicht hat, zeichnet sich inzwischen eine Wende am Kapitalmarkt ab. Ob dies auch Konsequenzen für die Tariflandschaft haben wird, sei derzeit schwer absehbar. „Bei einem Anstieg des Zinsniveaus könnte es nach einiger Zeit des Abwartens zu einer Renaissance von Klassikprodukten kommen“, sagt Franke. Schließlich wären Beitragsgarantien dann wieder darstellbar.
Allerdings stelle sich die Frage, ob Versicherer bei steigenden Zinsen noch einmal hohe Zinsverpflichtungen eingehen würden. Die Fesseln der Zinszusatzreserve seien noch allzu gegenwärtig. „Wir gehen davon aus, dass der Fokus weiter auf Hybrid- und Fonds-Tarifen liegen wird, da dies für Versicherer weniger Risiko und geringeren Kapitalbedarf bedeutet.“
Riester-Renaissance unwahrscheinlich
Eine Renaissance der Riester-Tarife sei ebenfalls nicht zu erwarten. Dafür müsse der Gesetzgeber erst einmal seine Hausaufgaben erledigen. Bei weniger Verwaltungsaufwand und mehr Flexibilität in der Beitragsgarantie könnte Riester jedoch wieder attraktiv werden.
Als größte Herausforderung bewertet Franke die aktuelle wirtschaftliche Situation. Sie sei angesichts teilweise schwer nachvollziehbarer politischer Entscheidungen durch Unsicherheit, hohe Inflation und Rezession gekennzeichnet. Das werde sich auch im Neugeschäft widerspiegeln: „Altersvorsorge ist in Krisenzeiten kein Selbstläufer. Versicherer müssen mit innovativen Produkten und fairer Kalkulation um Beiträge für ihre Rententarife kämpfen.“ Deren hohe Tarifqualität sorge aber, objektiv betrachtet, für eine gute Ausgangsposition.
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