Martin Sachsenmaier

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Frankfurt-Trust-Manager Martin Sachsenmaier: „Aktienanleger sollten sich auf rauhere Zeiten einstellen“

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DAS INVESTMENT.com: Am Wochenende treffen Ihre beiden Lieblingsvereine Eintracht Frankfurt und VfB Stuttgart aufeinander. Wem drücken Sie dabei stärker die Daumen? Martin Sachsenmaier: Normalerweise den Stuttgartern, wobei mir die Frankfurter im Moment deutlich besser gefallen. Viele Fans hatten zunächst große Vorbehalte gegen den neuen Trainer Michael Skibbe – offenbar zu Unrecht, wie sich schnell gezeigt hat. Die Eintracht hat in dieser Saison alle ein bisschen überrascht, und ich hoffe, das hält noch ein wenig an. DAS INVESTMENT.com: Fest steht, dass die Stuttgarter die Punkte im Moment viel nötiger brauchen. Haben Sie eine Erklärung für die schwache Performance der vergangenen Wochen? Sachsenmaier: Es passiert durchaus öfter, dass bei einer Mannschaft, die in einer Saison ganz oben mitgeschwommen ist, im nächsten Jahr plötzlich ein Bruch kommt. Wenn der gewohnte Erfolg ausbleibt, steigt die Nervosität, und das verstärkt den Teufelskreis. Eine solche Phase macht der VfB gerade durch, das zeigt auch die in meinen Augen überhastete und reichlich fragwürdige Suspendierung von Torwart Jens Lehmann für das Pokalspiel in Lübeck. DAS INVESTMENT.com: Ihr Spieltipp vor diesem Hintergrund?
Sachsenmaier: Zwei zu eins für Frankfurt: Mit diesem Ergebnis würde sich die Eintracht erst einmal in der Spitzengruppe festsetzen, und das wäre schon Klasse. DAS INVESTMENT.com: Zwei zu eins – diese Kombination könnte auch dem System entsprungen sein, mit dem Sie im FT Life–Invest die jeweilige Asset Allocation festlegen. Wie steht denn dort das Spiel Aktie gegen Rente zurzeit?
Sachsenmaier: Eins zu null. Das bedeutet, die Aktienquote beträgt 35 Prozent gegenüber 20 Prozent in der neutralen Gewichtung oder 50 Prozent in der nächsthöheren Stufe. DAS INVESTMENT.com: Warum ist dieses im übertragenen Sinne zweite Tor bisher nicht gefallen? Sachsenmaier: Dafür hätten unsere Indikatoren für das Sentiment oder die Fundamentals ein positives Signal liefern müssen. Das ist bislang nicht passiert, eindeutig grünes Licht gibt es allein von der Markttechnik. Bevor wir die Aktienquote ausweiten dürfen, müssen entweder die Bewertungen fallen, etwa aufgrund höherer Unternehmensgewinne; oder die allgemeine Marktstimmung müsste deutlich sinken, weil das im Rahmen unseres Sentimentfaktors ein antizyklisches Kaufsignal wäre. Beides geben die von uns ausgewerteten Daten aber nicht her. DAS INVESTMENT.com: Soweit Ihr System. Was sagen Sie selbst, hätten Sie am Aufschwung der vergangenen Monate nicht gern etwas stärker teilgenommen? Das hätte Ihnen auch in der Deutschen Fondsliga genutzt, wo Sie nur Rang 15 belegen. Sachsenmaier: Die grundsätzliche Entscheidung, Aktien überzugewichten, war ja richtig; insofern bin ich sehr zufrieden. Die aktuell eher schlechte Platzierung hat viel damit zu tun, dass bei einer Aktienquote von 50 Prozent im FT Life–Invest aus Absolute–Return–Überlegungen heraus generell Schluss ist. Wären wir zu 100 Prozent flexibel, hätten wir seit Beginn des Wettbewerbs am 7. August mit einer dann vom System vorgegebenen Quote von 75 Prozent eine Performance von 6,5 Prozent erzielt und lägen im oberen Drittel der Tabelle. Andererseits haben die Fonds, die jetzt vorne liegen, 2008 durch die Bank weg mehr als 40 Prozent an Wert verloren. So etwas wäre uns nicht passiert, und ich glaube, dass wir uns bis zum Ende des Wettbewerbs im Mai noch ein ganzes Stück nach vorne arbeiten können. DAS INVESTMENT.com: Weil die Börsen nach oben übertrieben haben? Sachsenmaier: Exakt. Verantwortlich für die im März einsetzende Kursrally waren vor allem die Frühindikatoren. Die Lageindikatoren dagegen zeigen erst nach und nach eine Stabilisierung an, und zwar auf sehr niedrigem Niveau. Der Blick nach vorn verleitet zudem nicht unbedingt zu Euphorie. Überall auf der Welt laufen staatlich finanzierte Konjunkturprogramme wie die Abwrackprämie aus, so dass zum Beispiel die deutsche Automobilindustrie im kommenden Frühjahr in ein tiefes Loch fallen dürfte. Weil die Auftragseingänge in vielen Branchen noch immer deutlich unter Vorjahr liegen, dürfte die Arbeitslosigkeit spätestens im Frühjahr 2010 deutlich steigen. Nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa. Ich bezweifle, dass die Weltwirtschaft unter diesen Voraussetzungen in der Lage ist, einen selbst tragenden Aufschwung zu generieren. DAS INVESTMENT.com: Haben Sie einen Zeitrahmen für die erwartete Konsolidierung? Sachsenmaier: Wir rechnen mit drei bis sechs Monaten. Was jedoch nicht ausschließt, dass die Kurse zunächst weiter steigen. Das Zentralbanken haben die Märkte mit Liquidität geflutet, viele Investoren sitzen noch immer auf Koffern voller Bargeld, und das Jahresende naht. Die Versuchung, aus Wettbewerbsgründen doch noch auf den Aktienzug aufzuspringen, ist deshalb groß. Andererseits kann dieser Druck auch eine einmal in Gang gekommene Abwärtsbewegung beschleunigen, weil viele bereits investierte Anleger dann mit Blick auf den 31. Dezember die bislang aufgelaufenen Gewinne realisieren werden. DAS INVESTMENT.com: Die im März getesteten Tiefs sollten aber halten? Sachsenmaier: Davon gehe ich im Moment aus. Zu 100 Prozent  ausschließen kann man neue Tiefstände allerdings nie. Wir haben nicht nur in den vergangenen anderthalb Jahren gesehen, wie schnell sich eine längst geschlossen geglaubte Schleuse wieder öffnen kann. DAS INVESTMENT.com: Der Ausgleich für die Renten in Ihrem Fonds fällt also spätestens, wenn sich an den Aktienbörsen die Markttechnik verschlechtert? Sachsenmaier: Sehr wahrscheinlich, ja. Obwohl viele Charts derzeit noch recht gut aussehen, liefert gerade die Markttechnik ein weiteres Argument, warum Aktienanleger sich auf rauhere Zeiten einstellen sollten. Viele Indizes liegen 20 bis 30 Prozent über der 200–Tage–Linie, was in dieser Ausgeprägtheit nur sehr selten passiert. In der Vergangenheit war es in vergleichbaren Situationen stets so, dass die Märkte diese Linie anschließend nach relativ kurzer Zeit getestet haben. Deutsche Fondsliga: Weitere Kursgewinne bei Aktienfonds Wahlkampfstudie: Bundestagswahl stützt Aktienkurse

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