Die Skyline glänzt im Abendlicht, die Türme ragen imposant in den Himmel – doch hinter den Glasfassaden des Frankfurter Bankenviertels vollzieht sich eine Entwicklung, die selbst erfahrene Makler überrascht. Während in den Randbezirken der Mainmetropole Büroflächen leer stehen und teils als unvermietbar gelten, zahlen internationale Finanzinstitute für Premium-Standorte im Herzen der Stadt Mieten, die neue Rekorde setzen.
Zweigeteilter Markt seit 2020
Die Spitzenmieten im Frankfurter Finanzviertel steigen rasant. Zu Jahresbeginn lagen sie bei knapp über 52 Euro je Quadratmeter, aktuell werden in Neuverträgen bereits deutlich höhere Beträge abgerufen. Bei einzelnen Abschlüssen erreichen die Höchstmieten 60 Euro und mehr, wie Suat Kurt, Niederlassungsleiter beim Großmakler Jones Lang Lasalle (JLL) in Frankfurt, der Nachrichtenagentur DPA berichtet. Diese Preise zahlen vor allem Banken, Kanzleien und Beratungsfirmen, die aus Metropolen wie London und Paris noch höhere Mietniveaus gewohnt sind.
Ganz anders sieht es in weniger gefragten Lagen aus. In der City-West oder Frankfurt-Niederrad, wo die frühere Deutschlandzentrale von Nestlé leer steht, steigt der Leerstand teils bis zur Unvermietbarkeit. Diese paradoxe Situation besteht seit der Corona-Pandemie 2020. Zuvor gab es das 20 Jahre lang nicht, sagt Kurt.
Homeoffice lässt Büros veröden
Seit der Corona-Pandemie hat sich das Homeoffice in weiten Teilen durchgesetzt. Fast jeder vierte Arbeitnehmer arbeitet dem Ifo-Institut zufolge zumindest teilweise von zu Hause. Die Folgen für den Büromarkt sind drastisch: Mitte des Jahres lag die Leerstandsquote in den sieben deutschen Metropolen bei 7,7 Prozent – der höchste Wert seit 2013. In Frankfurt kletterte sie sogar auf gut 10 Prozent.
Dazu kommt das Ende des Immobilienbooms nach der Niedrigzins-Phase. In B- und C-Lagen funktionieren Vermietungen nur noch direkt an der S-Bahn, während Premium-Standorte begehrt bleiben.
Mit Dachterrasse und Fitnessstudio gegen das Homeoffice
Unternehmen setzen auf eine neue Strategie: kleiner, aber feiner. Um Beschäftigte ins Büro zu locken, braucht es etwas Besonderes. Bei erstklassigen Objekten gehören dazu Dachterrassen, Fitnessstudios, Gastronomie oder Kindertagesstätten. Diese Extras sollen die Attraktivität der Arbeitsplätze steigern.
Auch das Angebot ist knapper geworden. Nach einigen Großabschlüssen im Frühjahr – die Commerzbank etwa mietete ein weiteres Hochhaus neben ihrer Zentrale – fehlen verfügbare Flächen. Gleichzeitig gibt es größere Gesuche für 150.000 bis 200.000 Quadratmeter.
Zudem kommen kaum neue Büroprojekte auf den Markt. Für das Gesamtjahr rechnet Kurt mit einer vermieteten Bürofläche von bis zu 600.000 Quadratmetern – deutlich über dem Zehnjahresschnitt.

