Kennen Sie noch Mark Holowesko, Murdo Murchison, Cindy Sweeting oder auch Norman Boersma? Dies ist eine Auswahl an Personen, die irgendwann einmal für das Management eines Aktienfonds verantwortlich waren. Dieser Fonds war einer der ersten Aktienfonds, der von einem namhaften US-amerikanischen Assetmanager in Deutschland aktiv vertrieben wurde: Der Templeton Growth Fund (ISIN: LU0114760746) aus dem Hause Franklin Templeton. Das Original wurde als US-Dollar-Tranche bereits am 29. November 1954 aufgelegt, es folgte im Jahr 2000 dann eine Luxemburger Variante.
Der Anlagestil: Value + Contrarian
Wer in diesen Fonds investierte, wusste genau, was er bekommt, nämlich ein breit gestreutes Portfolio unterbewerteter Unternehmen. Auch wenn der Fondsname mit dem Zusatz „Growth“ eventuell etwas anderes suggierte: Es handelte sich um einen reinrassigen Value-Ansatz. Genauer:
Der Fonds war von Sir John Templeton als global diversifizierter Aktienfonds konzipiert, der nicht auf den US‑Markt beschränkt war, sondern gezielt international, also inklusive Japan, Kanada, Deutschland und später auch in die Emerging Markets investierte. Die Anlagephilosophie war klar wertorientiert: Kauf von unterbewerteten Aktien relativ zu ihrem inneren Wert, also kein klassisches „Growth at any price“.
Templeton agierte außerdem bewusst contrarian, indem vernachlässigte, unpopuläre oder in Schwierigkeiten befindliche Unternehmen/Märkte mit deutlichem Abschlag zum geschätzten fairen Wert gesucht wurden.
Bewertung war entscheidend
Der Fokus lag konkret auf Unternehmen mit niedrigen Bewertungsmultiplikatoren, wobei insbesondere das KGV eine Rolle spielte. Die Analyse orientierte sich am „inneren Wert“: Cashflows, Gewinne, Bilanzqualität, Substanz und realistische Wachstumsannahmen sollten einen klaren Sicherheitsabschlag rechtfertigen. Der Fonds fokussierte sich auf Dividendenwerte.
Diversifikation ist Trumpf
Eine zentrale Maxime war die breite globale Diversifikation über Länder, Branchen und Einzeltitel, um Einzelland‑ oder Sektorrisiken zu begrenzen. Templeton war beispielsweise früh in für damalige Verhältnisse „exotische“ Märkte wie Japan aktiv und schichtete bei Überbewertung großer Indizes in aus seiner Sicht günstigere Regionen wie zum Beispiel Japan, Kanada und Deutschland um.
Outperformance-Phase 60er Jahre
Höhere Gewichtungen in Japan, Deutschland und Kanada sorgten zum Beispiel Mitte der 60er Jahre bis Anfang der 70er für eine außerordentlich starke Outperformance gegenüber großen Indizes und vielen Mitbewerbern. Während Fonds wie der Uni Global oder DWS Akkumula in der Zeit vom 1. Januar 1966 bis Ende 1972 rund 28 Prozent zulegten (Uni Global) beziehungsweise um die Nulllinie tendierten (DWS Akkumula), erzielte der Templeton Growth Fund ein Plus in Höhe von circa 170 Prozent.
Krisenerprobt
Eine weitere Outperformance, die nicht ganz so lange zurückliegt, begann im Zuge des Crashs der Technologie-Werte Anfang November 2000. Es folgte der Terror-Anschlag auf das World Trade Center, der den Abwärtstrend zusätzlich befeuerte.
Erst Ende März 2003 war die Baisse-Phase beendet. In dieser Zeitspanne vom 1. November 2000 bis 31. März 2003 verlor der Templeton Growth Fund nur rund 30 Prozent. Einige der zu der Zeit ebenfalls beliebten Fonds mussten dagegen herbe Verluste hinnehmen. Manche tragen mittlerweile einen anderen Namen, wir veröffentlichen sie nachfolgend unter ihrem ursprünglichen Namen: Der Tech-lastige Metzler Wachstum International verlor in dem Zeitraum circa 80 Prozent, der DWS Vermögensbildungsfonds I sowie der ACM Global Growth Trends halbierten ihren Wert. Also zahlte sich der Value-Ansatz auch hier wieder aus. Eine relativ hohe Kassequote half zusätzlich, die Verluste deutlich abzufedern.










Nach der Krise ist vor der Krise
Nach dem Platzen der Dotcom-Blase (2000 bis 2003) war die nächste bedeutende Krise an den Finanzmärkten die Weltfinanzkrise von 2007 bis 2009. Ausgelöst durch die US-Immobilienblase und Subprime-Hypothekenkredite eskalierte sie 2008 mit der Insolvenz von Lehman Brothers. Weltweit fielen Börsenkurse stark, Banken gerieten in Liquiditätsnot, und sie mündete in eine globale Rezession.
Hier konnte auch der erfolgreiche Value-Ansatz des Templeton Growth nicht viel ausrichten, und der Fonds verlor von Juli 2007 bis ins erste Quartal 2009 sogar etwas mehr als 50 Prozent seines Wertes, bevor es dann ab dem zweiten Quartal 2009 wieder aufwärts ging. Die beiden zuvor genannten Mitbewerber schnitten mit Verlusten um die 40 Prozent besser ab.
Nur noch Mittelmaß
Es gab zwar Zeiträume, in denen der Fonds in den Jahren nach der Weltfinanzkrise überzeugen konnte, doch zumeist hinkte der Fonds in der Folge dem Gesamtmarkt beziehungsweise dem MSCI World hinterher und erzielte Ergebnisse wie der Durchschnitt seiner Peergroup. Auch in der Abwärtsphase in 2018 konnte der Fonds nicht wirklich glänzen.
Anpassung der Strategie
Höhere Mittelabflüsse waren über die Jahre nicht erkennbar, andererseits waren auch kaum noch signifikante Mittelzuflüsse zu sehen. Und auch wenn die Halbwertszeit der Fondsmanager über die Zeit immer mehr abnahm, der Erfolg früherer Jahre wollte sich einfach nicht mehr einstellen. Was also tun? Man ändert die Strategie.
Der Fonds bekommt ein Facelift
Wer heute in den Templeton Growth Fund investiert, bekommt vieles, aber kein klassisches Value-Portfolio mehr. Der Name blieb, doch die Strategie ist eine andere. Die Top Ten unterscheiden sich kaum von denen anderer globalen Aktienfonds und sind unter anderem gespickt mit bekannten Tech-Größen: Microsoft, Alphabet, Amazon, Apple und auch Nvidia sind hier vertreten.
Die Argumentation
In den guten alten Zeiten des Fonds hätte man vermutlich aufgrund der Bewertungen solche Aktien nicht mit der Kneifzange angefasst. Doch die Zeiten ändern sich. Ein Argument ist, dass es sich trotz einer Allokation unter den Top Ten nicht um eine positive aktive Gewichtung handeln muss, was einerseits natürlich korrekt ist.
Es beschleicht einen andererseits das Gefühl, dass man sich im Vergleich zu früher mehr am Index orientiert. Denn mit einer Investition in diese Unternehmen – egal ob leicht über- oder untergewichtet- läuft man zunächst weniger Gefahr, vom Gesamtmarkt deutlich abgehängt zu werden.
Trotzdem aktives Management
Zur Verteidigung muss man sagen, dass von einem Indexschmuser trotzdem keine Rede sein kann, wenn man sich die Sektor- und Länder-Allokation anschaut, die sich teilweise recht deutlich von der Benchmark MSCI All Country World Index unterscheidet. Insbesondere die Untergewichtung der USA zu Gunsten der Übergewichtung Europas fällt aktuell sofort ins Auge. Der Active Share liegt in aller Regel immerhin über 75 Prozent.
Neue Weichen gestellt
Vor rund vier Jahren wurde das ursprüngliche Templeton Global Equity Team mit dem Templeton Emerging Markets Team zum neuen Templeton Global Investments zusammengeführt. Durch diesen Zusammenschluss entstand eine der weltweit größten Bottom-up-agierende Research Plattform mit über 100 lokalen Investmentexperten. Diese verteilen sich auf 22 Länder und verfügen über eine durchschnittliche Berufserfahrung von mehr als 19 Jahren. Das ist die Basis für das erfolgreiche Management von aktuell rund 80 Milliarden US-Dollar.
Das neue Team
Peter Sartori begann vor drei Jahren in seiner Funktion als Director of Portfolio Management mit dem Portfoliomanagement-Team des Templeton Growth Fund zusammenzuarbeiten. Anfang 2024 wurde er dann schließlich offiziell Teil des Teams und ist seit Anfang letzten Jahres gemeinsam mit Christopher Peel und Warren Pustam für das Portfoliomanagement verantwortlich.
Die neue Strategie
Das neue Team konzentriert sich auf die Diversifizierung der Exposures und die Verbesserung des Fundamentaldatenprofils des Fondsportfolios. Dazu zählen eine Steigerung der Eigenkapitalrendite oder Eigenkapitalrentabilität (Return on Investment/ROE), der operativen Marge, des ROIC (Return on invested Capital), des Gewinnwachstums und der Bilanzqualität und dies alles unter Wahrung einer langfristigen Bewertungsdisziplin. Ziel ist eine größere Ausgewogenheit und bessere Diversifizierung über verschiedene Arten unterbewerteter Chancen im Zeitverlauf.
Die neue differenzierte Sicht auf Bewertungen
Dabei werden diese fünf Arten der Fehlbewertung unterschieden:
- Classic Value – Unternehmen, die unter ihrem echten Wert gehandelt werden
- Diskontierte Vermögenswerte, verborgene Werte – Die Freisetzung von Vermögenswerten treibt die Anlagethese an.
- Diskontierter Cashflow – Umfang und Dauer des generierten Cashflows sind entscheidend
- Fehlbewertetes Wachstum – noch unentdecktes Zukunftspotenzial, die Zukunft wird besser als die Vergangenheit
- Fehlbewertete Qualität – Solide Unternehmen, die der Markt übersieht
In einem Dokument aus dem Hause Templeton aus dem Jahr 2000 ist zu lesen: „Obwohl Fondsmanager Mark Holowesko keine einzige ,.com-Aktie‘ im Portfolio hatte, erzielte der Fonds im letzten Jahr eine Performance von 52 Prozent (Basis Euro, BVI-Methode) und übertraf damit seinen Vergleichsindex MSCI World mit 46 Prozent.“ In demselben Dokument verglich man das KGV des Fonds mit seiner Benchmarkt und stellte dabei die große Differenz in den Fokus: Während das KGV des MSCI zu dieser Zeit bei 36 notierte, lag das KGV des Fondsportfolios mit etwas mehr als 18 bei lediglich der Hälfte, was die Konzentration auf unterbewertete Aktien herausstellt.
Und heute? Laut des Factsheets liegt das KGV des Portfolios bei etwa 25, was in etwa dem der Benchmark MSCI All Country entspricht. Die Eingruppierung des Fonds bei Morningstar in „Aktien weltweit Standardwerte Blend“ zeigt ebenfalls, dass der klassische Value-Stil des Fonds ausgedient hat.
Neues Risikomanagement, Fokus auf Aktienauswahl
Ziel ist es, das aktive Risiko gezielt über die Titelauswahl zu steuern, wobei der Schwerpunkt auf fundamental attraktiven Unternehmen liegt und nicht auf Top-down-bedingten Risiken. Eine disziplinierte Verkaufspolitik soll helfen, Value-Traps zu vermeiden, schwache Positionen effizient abzubauen und die Investmentthesen bei veränderten Markt- oder Unternehmensbedingungen systematisch zu überprüfen und anzupassen. Während das Portfolio früher mit etwa 200 Titel bestückt war, streut man heute über 50 bis 70 Aktien mit „high conviction“.
Die Resultate
Der Fonds konnte im Antrittsjahr (2024) des neuen Managers seine Benchmark nicht schlagen und lag mit knapp 11 Prozent Jahresergebnis deutlich unter dem MSCI All Country World Index, der etwas mehr als 25 Prozent erzielen konnte. Eine Verbesserung in die richtige Richtung sieht man dann im letzten Jahr: Hier lag man mit dem Index nahezu gleichauf und erzielte mit 8,3 Prozent vs. +7,86 Prozent des Index sogar eine kleine Outperformance.
Fazit
Sowohl von der früher sehr erfolgreichen Contrarian-Herangehensweise als auch vom klassischen Value-Stil hat sich Templeton im Fall des Templeton Growth Fund augenscheinlich verabschiedet. Was früher als Unterscheidungsmerkmale zu sehr vielen Mitbewerbern galt, ist Geschichte. Der neue Blend-Ansatz muss nun beweisen, ob er in Zukunft den Fonds wieder zurück in die Erfolgsspur bringen kann.
Die Research-Plattform des US-Hauses bietet alle Möglichkeiten dazu, doch die Peergroup „Aktien global“ gilt als Königsdisziplin des Aktienfonds-Management und ist gespickt mit sehr vielen erfolgreichen Strategien, die es zu schlagen gilt. Es ist noch gar nicht so lange her, als der neue Leiter Deutschland & Österreich von Franklin Templeton, Christian Machts, in einem Interview betonte, dass der Templeton Growth Fund aus Größensicht das wichtigste Produkt ist.
