Franklin Templeton Investments zu Anleihen Keine Anzeichen für eine bevorstehende Rezession

US-Notenbank-Chef Jerome Powell: Weitere Zinserhöhungen der Fed sind vorerst unwahrscheinlicher geworden. | © Getty Images

US-Notenbank-Chef Jerome Powell: Weitere Zinserhöhungen der Fed sind vorerst unwahrscheinlicher geworden. Foto: Getty Images

Sonal Desai, Investmentchefin Franklin Templeton Fixed Income Group

Angesichts einer leicht abgekühlten Konjunktur hat die US-Notenbank (Fed) ihren Leitzins nach ihrer Januar-Sitzung erwartungsgemäß nicht erhöht. Notenbankchef Jerome Powell begründete die Entscheidung mit Anzeichen für eine Abschwächung des Wachstums in Europa und China und Bedenken, die Zinslast könne wichtige andere Ausgaben verhindern.

Darüber hinaus stand die Januar-Entscheidung der US-Notenbank auch unter dem Eindruck des längsten Regierungsstillstandes in der US-Geschichte. Der sogenannte Shutdown verschärfte die Bedenken, die Wirtschaft könne sich an einem Wendepunkt befinden.

Wachstum verlagert sich ins zweite Quartal

Unserer Meinung nach sind die Erwartungen, der US-Konjunkturzyklus nähere sich seinem Ende, derzeit stark übertrieben. Entsprechend ist die momentane Vorstellung einiger Marktteilnehmer, die Fed werde ihre Zinsen in diesem Jahr nicht mehr anheben, absolut fehl am Platz – und die Gründe dafür liegen auf der Hand.

Zum einen sind die Fundamentaldaten der US-Wirtschaft nach wie vor ziemlich stark. Sicherlich wird die vorübergehende Stilllegung von Teilen der Regierungsarbeit in den USA das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im ersten Quartal etwas abschwächen. Allerdings gehen wir davon aus, dass die fehlenden Beträge sich größtenteils auf das zweite Quartal 2018 verlagern werden, weshalb in diesem Zeitraum mit einem stärkeren Wachstum zu rechnen sein dürfte.

Zwar erwarten wir für dieses Jahr eine leichte Abschwächung des Wachstums, das im Jahr  2018 bei 3 Prozent lag. Dennoch halten wir für 2019 ein Wachstum möglich, dass über dem langfristigen Potenzial liegen dürfte.

Die Fed übt sich in Geduld

Vor ein paar Monaten erwarteten wir, die US-Notenbank würde ihre Zinsen 2019 womöglich viermal anheben, doch das Gegenteil ist der Fall. In Anbetracht der jüngsten Entwicklungen hat die Fed einen vorsichtigeren und geduldigeren Kurs eingeschlagen – die obersten Währungshüter der USA nehmen sich Zeit. Zeit, um Anzeichen auf eine mögliche Abschwächung des weltweiten Wachstums abzuschätzen und Zeit, um sowohl das Ausmaß als auch die Auswirkungen der Volatilität an den Aktienmärkten beurteilen zu können.

In der Tat konnten wir nach der Januarsitzung des Offenmarktausschusses der US-Notenbank einen deutlich gemäßigteren Tonfall bei der Fed heraushören. Dennoch gehen wir davon aus, dass sie in diesem Jahr mindestens zwei weitere Zinserhöhungen durchführen wird. Deshalb halte ich die Annahme des Marktes, die Fed werde ihre Zinsen in diesem Jahr überhaupt nicht anheben, für absolut fehl am Platz.

Sicherlich ist die Stärke der aktuellen wirtschaftlichen Expansion der US-Wirtschaft bescheiden, im historischen Vergleich betrachtet. Doch echte Anzeichen, die auf die Gefahr einer bevorstehenden Rezession hindeuten, haben wir noch nicht festgestellt. Vielmehr sehen wir offensichtliche Gründe für die ökonomische Stärke der US-Wirtschaft.

Anleger sollten mit höheren Leitzinsen rechnen

Mit der Arbeitslosigkeit auf dem niedrigsten Stand seit 49 Jahren hat sich auch das Lohnwachstum beschleunigt. Gleichzeitig zeigen sich der Binnenkonsum und die Produktionstätigkeit äußerst robust.  Das deutet zwar auf einen leichten Anstieg der Inflation hin. Jedoch dürfte dieser aller Wahrscheinlichkeit nach nicht allzu hoch ausfallen.

Darüber hinaus weisen wir darauf hin, dass wir für einen Anstieg der Renditen von Staatsanleihen keine zusätzliche Inflation benötigen. Vielmehr glauben wir, dass sich langfristig höhere Zinsen fast von alleine einstellen werden, da die US-Wirtschaft eine Normalisierung der Geldpolitik unterstützt. Anleger sollten deshalb höhere Leitzinsen im Hinterkopf behalten. Das sollte jedoch kein Grund zur Panik sein. Vielmehr sollten sich aktive Manager diese Phasen zunutze machen, um nach potenziellen Chancen Ausschau zu halten.

Chinas Abwärtsrisiken haben zugenommen

Auf globaler Ebene ist die Volkswirtschaft der USA nicht die einzige, die auf eine Abschwächung ihres Wachstums zusteuert. 2018 erhöhte sich das Bruttoinlandsprodukt Chinas um 6,6 Prozent, was dem schwächsten Wachstum seit mehr als zwei Jahrzehnten entspricht. Das ist auch der Grund dafür, warum unsere Einschätzung für China aktuell etwas pessimistischer ausfällt.

Wir rechnen zwar nicht mit einem rapiden Abschwung – unserer Einschätzung nach dürften die Wachstumsschätzungen für dieses Jahr bei ungefähr 6 Prozent liegen – allerdings haben die Abwärtsrisiken unserer Meinung nach zugenommen. Zum einen hat das Land weniger Spielraum, um seine Kreditvergabe anzukurbeln, und sieht sich gleichzeitig einem aggressiveren internationalen Marktumfeld ausgesetzt. Das ist eine Entwicklung, die wir sehr genau im Auge behalten werden.