Loriot hat es gewusst: „Männer und Frauen passen einfach nicht zusammen.“ Der verstorbene, große deutsche Humorist, bürgerlich Vicco von Bülow, hätte kürzlich seinen 100. Geburtstag gefeiert. Sein Bonmot über die Geschlechter ist deutsches Kulturgut geworden und es gilt natürlich auch in der Finanzbranche.

Die Welt der Banken, Versicherungen, Vermögensverwalter und Fondsgesellschaften ist seit jeher männlich geprägt. Nur zögerlich und vereinzelt haben Frauen Einzug in die Finanzwelt gehalten. Auch wenn es einzelne zu Starruhm gebracht haben, blieben die Managerinnen in der Minderheit. Eine Auswertung des Analysehauses „Morningstar“ aus dem Jahr 2023 ergab zum Beispiel, dass nur knapp 4,7 Prozent der in Deutschland domizilierten Fonds von Frauen gesteuert werden.

An der Leistung liegt es nicht. Eine Studie des US-Geldhauses Goldman Sachs aus dem Jahr 2020 untersuchte die Performance von Aktienfonds auf dem US-Markt. Das Ergebnis: Über lange Zeit konnten keine großen Unterschiede in der Anlageleistung männlicher und weiblicher Fondsmanager festgestellt werden. Im Jahr 2020 hätten Fondsmanagerinnen sogar im Schnitt einen Prozentpunkt mehr Rendite geliefert.

Unterschiede zwischen Männern und Frauen gibt es nicht nur im Management der Finanzunternehmen. Auch die Kundinnen und Kunden der Geldhäuser agieren unterschiedlich.

Gemein gilt: Frauen legen anders an als Männer, sie gelten als risikoscheuer, diversifizieren anders. Und vor allem: Sie legen offenbar Wert auf eine andere Beratung durch Finanzvermittler und Vermögensverwalter. Anne Connelly, Gründerin des Karrierenetzwerks „Fondsfrauen“ und des Finanzportals „herMoney“, weiß: Frauen brauchen keine anderen Produkte, bevorzugen aber eine andere Ansprache und Kommunikationsstil. Das finden sie in einem weiblich geprägten Beratungsumfeld eher vor.“

Eine umfassende Analyse

Lassen sich diese Annahmen und Beobachtungen verifizieren? Fondsnet, einer der führenden deutschen Maklerpools, hat in einer nie dagewesen Tiefe die Daten seiner Vertriebspartner und Vermittler analysiert. Fondsnet gewährt DAS INVESTMENT exklusive, selbstverständlich anonymisierte Einblicke in diese große Untersuchung. Die Ergebnisse liefern spannende Erkenntnisse zum Thema „Männer und Frauen in der Finanzwelt“.

Fondsnet hat die Daten von rund 6000 Vermittlern, also ihren Vertriebspartnern, ausgewertet. Dahinter verbergen sich rund 600.000 aktive Konten. Stichtag der Auswertung ist der 20. September 2023. Zu diesem Stichtag waren 42,1 Prozent aller Kunden der Vertriebspartner weiblich, 57,5 Prozent waren männlich. Mit 0,4 Prozent den kleinsten Teil der Kundschaft der Vermittler stellen Firmen, also juristische Personen.  

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Anschließend hat Fondsnet den Kundenbestand nach Anlagevolumen sortiert. Danach stehen weibliche Kunden für 35,4 Prozent des Anlagevolumens, bei den Männern sind es 55,3 Prozent und bei den Firmenkunden 9,3 Prozent. Der im Vergleich zu ihrer geringen Gesamtzahl deutlich größere Anteil der Firmenkunden beim Anlagevolumen ist leicht erklärt. Hinter den Firmenkunden verbergen sich weitere Kunden und größere Anlagevolumina. Bemerkenswert ist allerdings, dass weibliche Anleger im Verhältnis zu ihrer Anzahl ein geringeres Anlagevolumen als ihre männlichen Pendants aufweisen. Frauen investieren also im Schnitt geringere Summen.  

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Unterschiedliche Risikobereitschaft

Als Fondsnet dann die Daten auf die Anzahl unterschiedlicher Fonds in den Kundendepots hin untersuchte, ergab sich ein anderes Bild. Die weiblichen Kunden investierten im Schnitt in eine größere Zahl von Fonds als die Männer. Das heißt, Frauen diversifizieren stärker, sie streuen ihr Vermögen breiter als Männer. 

Um herauszufinden, was das im Detail bedeutet, hat Fondsnet daraufhin das Anlagevolumen der Kundinnen und Kunden ihrer Vertriebspartner nach Anlageklassen und nach der Risikoeinstufung SRI (Summary Risk Indicator) untersucht. Der SRI wird von Finanzhäusern bei der Kundeninformation und -einstufung eingesetzt. Er bildet die Volatilität, also die Schwankungsbreite der Anlageform ab. Ein SRI von 1 steht für das geringste Risiko, dazu gehören beispielsweise Geldmarktfonds, ein SRI von 7 steht für die riskantesten Anlageformen. Viele Aktienfonds finden sich in der Klasse SRI 3.

Das Ergebnis der Analyse bestätigt die allgemeine Annahme über die Risikobereitschaft von Anlegerinnen und Anlegern eindrucksvoll. Männer sind in den höheren Risikoklassen von SRI 4 bis SRI 7 stärker investiert. In den Risikoklassen SRI 1 bis SRI 3 stellen dagegen Frauen den größeren Teil des Anlagevolumens.

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Bezogen auf die Anlageklassen bedeutet das: Männer sind deutlich stärker in Aktienfonds investiert (56,4 Prozent) als Frauen (46 Prozent). Bei Strategie- und Rohstofffonds hält sich das Verhältnis der Geschlechter etwa die Waage. Bei allen anderen Anlageklassen, also bei Geldmarktfonds (Männer 1,5 Prozent; Frauen 1,8 Prozent), bei Immobilienfonds (2,5 Prozent zu 3,7 Prozent), bei Mischfonds (26,3 Prozent zu 33,9 Prozent) und bei Rentenfonds (9,1 Prozent zu 11,1 Prozent) stellen Anlegerinnen das größere Volumen in der Untersuchung von Fondsnet. Ein erneuter Beleg, dass Frauen risikoärmer investieren. 

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Was zählt im Kundenkontakt

Wie sieht es nun im Kundenkontakt, also in der Beratung und Vermittlung aus? Auch hierzu liefern die Fondsnet-Daten spannende Erkenntnisse. Männliche Vertriebspartner haben 59,9 Prozent männliche Kunden und 39,4 Prozent weibliche Kunden. Weibliche Vertriebspartner haben 53,9 Prozent männliche Kunden und 45,8 Prozent weibliche Kunden. Auch wenn männliche Kunden insgesamt überwiegen, kann als Trendaussage gelten: Männer beraten Männer und Frauen beraten Frauen.

Bezüglich des Alters der Kunden lässt sich sagen: je älter, desto männlicher. Interessant hierbei ist, dass in der Gruppe der 20 bis 29 Jahre alten Kunden der Anteil der Frauen mit 6,4 Prozent fast 40 Prozent größer ist als der Anteil der Männer (4,7 Prozent). 

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Und welche Rolle spielt das Alter der Vermittler für die Kunden? Die Fondsnet-Daten zeigen einen eindeutigen Zusammenhang. Ältere Kunden lassen sich überwiegend von älteren Vermittlern beraten, jüngere Kunden vertrauen ihr Geld dagegen bevorzugt jüngeren Beratern an. So sind bei den über 60-jährigen Vermittlern stolze 41,1 Prozent der Kunden ebenfalls über 60 Jahre alt; bei den 20 bis 29 Jahre alten Vermittlern hingegen sind sogar 42,2 Prozent der Kunden im gleichen Alter (18 bis 29 Jahre alt).

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In der Fondsberatung treffen also Menschen in ähnlichen Lebenssituationen aufeinander. Man könnte sagen: Die Vermittler beraten sich selbst.