Knapp die Hälfte der deutschen Frauen parkt ihre Ersparnisse auf dem Sparbuch oder Tagesgeldkonto. Damit wählen sie ausgerechnet die Anlageform, die langfristig am wenigsten Ertrag bringt. Das ist eines der zentralen Ergebnisse des Altersvorsorgebarometers von J.P. Morgan Asset Management, für das je 500 Frauen und Männer in Deutschland befragt wurden.
Das Paradoxe daran: Gefragt, welcher Anlageform sie die höchsten langfristigen Erträge zutrauen, nennen Frauen an erster Stelle Fonds und ETFs (21 Prozent) sowie Immobilien (20 Prozent) – Aktien kommen dagegen nur auf 9 Prozent. Und doch legen 49 Prozent der Frauen den Großteil ihrer Ersparnisse auf dem Sparbuch an.
Zu wenig Wissen, zu viel Angst
Das Vertrauen in die eigene Urteilsfähigkeit klafft erheblich auseinander. Mit 51 Prozent fühlt sich zwar mehr als die Hälfte der Frauen zuversichtlich, Spar- und Anlageentscheidungen treffen zu können. Schaut man jedoch auf die starken Ausprägungen, schrumpft dieser Wert: Nur 11 Prozent der Frauen sind „sehr zuversichtlich“ – bei Männern ist es jeder Vierte. Insgesamt sind es 69 Prozent der männlichen Befragten, die sich sicher fühlen.
Als Hauptgrund für ihre Zurückhaltung nennen 34 Prozent der Frauen mangelndes Finanzwissen, 28 Prozent fehlt die passende Beratung. Vier von zehn geben an, Angst vor den Risiken des Kapitalmarkts zu haben – bei Männern sind es 31 Prozent.
„Finanzielle Unabhängigkeit für Frauen beginnt im Kopf. Wir müssen den Fokus von der reinen Risikovermeidung hin zur Chancennutzung verschieben. Denn für eine langfristige Vorsorge führt am Kapitalmarkt kein Weg vorbei“, sagt Beatrix Vogel, Leiterin Marketing & PR bei J.P. Morgan AM.
Der Flexibilitätsmythos
Warum greifen Frauen zum Sparbuch, obwohl sie um dessen Schwächen wissen? Die Befragung liefert eine klare Antwort: Flexibilität. 52 Prozent der Frauen, die Sparbuch und Tagesgeld bevorzugen, nennen die einfache und flexible Handhabung als entscheidendes Argument – noch vor der Verlustangst (42 Prozent) und dem schnellen Zugriff auf das Geld (33 Prozent).
Vogel hält dieses Argument für einen hartnäckigen Mythos: „Frauen schätzen an Sparprodukten Flexibilität und Liquidität – dies sind jedoch keine Exklusivmerkmale von Tagesgeldkonten. Auch Fonds und ETFs bieten tägliche Verfügbarkeit, und das bei gleichzeitig deutlich höheren Renditechancen.“
Tatsächlich spiegelt sich das in der Anlagepraxis wider: Nur 28 Prozent der Frauen investieren in Fonds und ETFs, bei Männern sind es 36 Prozent. Noch deutlicher ist der Unterschied bei Aktien: Nur 16 Prozent der Frauen investieren direkt, bei Männern sind es mit 34 Prozent mehr als doppelt so viele.










Rentenpessimismus treibt private Vorsorge an
Dabei fehlt es Frauen nicht am Sparmotiv. Zwei von drei Frauen sparen zusätzlich zur gesetzlichen Rente für das Alter – 46 Prozent sogar regelmäßig. 62 Prozent vertrauen primär auf die private Vorsorge als wichtigste Säule, mehr als bei Männern (58 Prozent).
Der Grund: 52 Prozent der Frauen erwarten weniger oder deutlich weniger staatliche Unterstützung im Ruhestand – bei Männern sind es 42 Prozent. Und nur jede dritte Frau glaubt, im Alter den gewünschten Lebensstandard halten zu können. Bei Männern ist es immerhin jeder Zweite.
Diese Zuversichtslücke besteht, obwohl Frauen bei der Planung nicht untätig sind. 47 Prozent haben bereits eine Bankberatung oder unabhängige Finanzberatung genutzt – ähnlich wie Männer (46 Prozent). Allerdings verlassen sich Frauen bei der Informationssuche häufiger auf Freunde und Familie (40 Prozent gegenüber 37 Prozent bei Männern) und seltener auf das Internet (32 Prozent gegenüber 47 Prozent).
Was Berater daraus mitnehmen können
Für Finanzberater und Vermögensverwalter liefern die Umfrageergebnisse eine klare Botschaft: Bei Frauen geht es nicht um mangelnde Vorsorgebereitschaft. Es geht um Aufklärung – über Alltagsmythen wie die vermeintliche Exklusivität der Sparproduktflexibilität, über die tatsächlich geringen Risiken breit gestreuter Fonds und über die langfristigen Folgen einer Unterallokation in Aktien und ETFs.
Besonders aufschlussreich ist dabei, dass Frauen den Weg zum Berater durchaus kennen. Sie nutzen professionelle Beratung ähnlich häufig wie Männer. Was in diesen Gesprächen jedoch offenbar zu kurz kommt, ist die konkrete Brücke von Sicherheitsbedürfnis zu Kapitalmarktinstrumenten – also die Erkenntnis, dass ETFs und Fonds nicht trotz, sondern wegen ihrer Flexibilität eine überlegene Alternative zum Tagesgeld sein können.
Vogel fasst es so zusammen: „Um die Rentenlücke zu schließen, müssen wir zuerst die Lücke des Finanzwissens schließen. Mit wenigen Anlagegrundsätzen lassen sich viele Vorurteile zu Investments und zur Altersvorsorge entkräften. So können Frauen ihre finanzielle Freiheit mit mehr Selbstvertrauen angehen.“
Grundlage der Auswertung ist das Altersvorsorgebarometer von J.P. Morgan Asset Management, für das im Herbst 2025 insgesamt 1.000 Frauen und Männer ab 18 Jahren in Deutschland befragt wurden.
