Deutschland hat sieben. Die Schweiz vier. Österreich keine einzige. Wer verstehen will, wie es um Frauen in technologischen Führungspositionen bei Versicherern im DACH-Raum steht, trifft auf ein geografisches Gefälle, das überrascht – und auf eine Dynamik, die in den vergangenen zwei Jahren deutlich Fahrt aufgenommen hat.
Frauen nach wie vor in der Minderheit
Dabei ist der Gesamtrahmen bekannt: Frauen in Versicherungsvorständen sind nach wie vor in der Minderheit. Laut dem aktuellen Managerinnen-Barometer des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) lag der Frauenanteil in den Vorständen der 60 größten deutschen Versicherungen Ende 2025 bei etwas mehr als 21 Prozent.
Das klingt bescheiden, ist aber im Branchenvergleich bemerkenswert: Während der Frauenanteil in den Vorständen der 200 umsatzstärksten deutschen Unternehmen außerhalb des Finanzsektors zur gleichen Zeit auf 18,6 Prozent sank, legte der Versicherungssektor zu. Zum Vergleich: 2006, als das DIW mit der Erhebung begann, lag der Frauenanteil in den Vorständen dieser Unternehmensgruppe bei gerade einmal 1 Prozent.
Reine IT- und Technologieressorts sind dabei noch seltener weiblich besetzt als Vorstandspositionen insgesamt – der folgende Überblick zeigt, wer die Ausnahmen sind.
Deutschland: Wachsender, aber schmaler Kreis
In Deutschland sticht die Allianz-Gruppe unter den großen Versicherungskonzernen hervor: Gleich zwei Frauen besetzen technologienahe Vorstandspositionen innerhalb des Konzernverbunds – Barbara Karuth-Zelle als Group Chief Operating Officer (COO) der Allianz SE sowie Birgit Bacher als COO der Allianz Direct Versicherung.
Manuela Moog verantwortet seit November 2025 als IT-Vorständin das Ressort Informationsverarbeitung und Telekommunikation bei der DEVK Versicherungen. Laura Müller ist seit Oktober 2022 eine der jüngsten Vorständinnen der deutschen Versicherungsbranche und leitet bei der Debeka IT-Bereiche, darunter Produktmanagement Back-End, Organisationsentwicklung und IT-Governance.
Bettina Hornung ist seit Juni 2023 IT-Vorständin der DFV Deutsche Familienversicherung. Andrea Sturmfels leitet seit August 2020 als CIO die IT der Helvetia Versicherungen Deutschland. Mareike Steinmann-Baptist trat zum 1. Januar 2025 als Vorstandsmitglied in den Konzern Versicherungskammer ein und verantwortet IT, Digitalisierungstechnik und Reiseversicherung innerhalb der Sparte Personenversicherung.
Schweiz-Österreich-Gefälle
Im DACH-Vergleich sticht die Schweiz deutlich heraus. Gleich vier Frauen bekleiden bei Schweizer Großversicherern Spitzenpositionen in Technologie und Digitalisierung.
Pravina Ladva ist seit Januar 2022 Group Chief Digital & Technology Officer der Swiss Re und Mitglied des Group Executive Committee. Ihre Rolle umfasst sämtliche technologiebezogenen Verantwortlichkeiten des Rückversicherers, einschließlich KI- und GenAI-Strategie sowie Engineering Excellence.
Kathrin Braunwarth leitet seit September 2023 als Chief Information Officer (CIO) den Bereich „Data, Technology & Innovation“ bei Axa Schweiz und ist Mitglied der Geschäftsleitung. Zuvor war die promovierte Wirtschaftsinformatikerin beim Konzern Versicherungskammer tätig. Sie selbst gewann den AI Award beim „CIO des Jahres 2024“.
Sandra Hürlimann übernahm zum 1. Juli 2024 die Rolle der Group Chief Technology Officer (CTO) und Mitglied der Konzernleitung bei Helvetia. Nach dem Abschluss der Fusion von Helvetia und Baloise am 5. Dezember 2025 wechselte sie in die Rolle der CTO Schweiz bei der neuen Helvetia Baloise; Group CTO des fusionierten Konzerns wurde Alexander Bockelmann.
Österreich hingegen weist einen auffälligen Mangel auf. Weder die Vienna Insurance Group noch Uniqa, Generali Österreich oder Allianz Österreich haben derzeit eine Frau in einer dedizierten IT-, CTO- oder CDO-Position. Liane Hirner, Chief Financial and Risk Officer (CFRO) der Vienna Insurance Group, hat Digitalisierung als Teilbereich ihres Verantwortungsbereichs – ihre Funktion ist jedoch primär finanz- und risikogetrieben, keine reine Technologierolle.
Positive Dynamik
Die Analyse zeigt drei zentrale Muster. Erstens bleiben reine IT- und CTO-Vorstandsrollen bei Großversicherern überwiegend männlich besetzt. Frauen finden sich häufiger in neueren Funktionen wie Chief Digital Officer oder Chief Data Officer, die erst in den vergangenen fünf Jahren entstanden sind.
Zweitens ist das geografische Gefälle erheblich: Die Schweiz weist mit mindestens vier Frauen in technologischen Spitzenpositionen einen bemerkenswerten Cluster auf, während Österreich praktisch keine einzige dedizierte weibliche CIO, CTO oder CDO bei einem Großversicherer vorweisen kann.
Drittens ist die Dynamik insgesamt positiv – allein in den Jahren 2024 und 2025 kamen mit Steinmann-Baptist, Moog und Hürlimann mehrere neue Besetzungen hinzu.
DAS INVESTMENT Versicherungen hat die Versicherer nach den größten Errungenschaften dieser Vorständinnen gefragt und stellt einige von ihnen vor.
Birgit Bacher verantwortet seit Februar 2022 als Chief Operating Officer bei der Allianz Direct Versicherungs-AG die Bereiche Operations, Schaden und IT – und damit die technologische Steuerung eines Digitalversicherers, der in fünf europäischen Märkten aktiv ist. Ihre Aufgabe: eine Plattform bauen, die in allen Märkten gleich funktioniert, ohne für jeden Markt neu entwickelt werden zu müssen.
Bacher ist seit 2003 in der Allianz-Gruppe tätig und hat Führungspositionen bei Allianz Österreich, Allianz Technology und Allianz SE durchlaufen. Ihr Arbeitsschwerpunkt lag dabei an der Schnittstelle von IT und Betrieb.
Bei Allianz Direct hat sie die technische Infrastruktur zu einer skalierbaren Plattform weiterentwickelt und Betrieb sowie Schadenbearbeitung auf datenbasierte Steuerung umgestellt – Entscheidungen folgen seither Daten statt Erfahrungswerten, Routineabläufe laufen automatisiert. Parallel hat sie Strukturen für einen regelkonformen KI-Einsatz etabliert.
