Wankelmütige Anlagemärkte, Rezessionsängste und wegen der Inflation weniger Geld im Portemonnaie: Der Gegenwind, der Verbraucher in Finanzbelangen aktuell anweht, regt viele zum Handeln an – das jedoch nicht immer zu ihrem eigenen Vorteil. Laut einer Umfrage des Vermögensverwalters JP Morgan Asset Management sind es unter allen Verbrauchern vor allem Frauen, die sich aufgrund der unsicheren Rahmenbedingungen aktuell wieder aus Aktien, Fonds und ETFs zurückziehen, um das Geld auf Sparbücher und Tagesgeldkonten umzuschichten.            

JPMAM veröffentlichte die Umfrageergebnisse mit Blick auf den Weltspartag am heutigen Montag, 30. Oktober. „Während sich viele Frauen zum Handeln gezwungen sehen, indem sie etwa Aktien und Fonds auf Sparbuch und Tagesgeld umschichten, bleiben Männer ihrer Anlagestrategie eher treu“, resümiert Beatrix Vogel, Leiterin Marketing und PR bei JPMAM in Deutschland.

Insgesamt sind demnach die Sorgen der Angehörigen beider Geschlechter so ziemlich dieselben: Rund jeder Zweite (Männer: 51 Prozent, Frauen: 49 Prozent) befürchtet, dass das das eigene Geld durch die Inflation schleichend an Wert verliert. Ebenso hat rund jeder Dritte – sowohl unter Männern als auch Frauen – Angst vor einem wirtschaftlichen Abschwung. Allein in der Art, wie sie auf diese Sorgen reagieren, unterscheiden sich die Geschlechter.

Am Kapitalmarkt langen Atem bewahren 

Vogels Rat ist ein in der Finanzbranche oft wiederholtes Mantra: Gerade Frauen sollten darauf achten, ihre Investments in Anlageklassen wie Aktien, Fonds oder ETFs auch längerfristig zu halten. Sie sollten nicht zu einseitig auf Vehikel setzen, die – nach Anzug der Inflation – weiterhin ein Minusgeschäft darstellen und eher zur Aufbewahrung von Liquidität geeignet sind.

Insgesamt sind Frauen in ihrem Engagement am Kapitalmarkt immer noch unterrepräsentiert. Gerade bei Anlagen in Aktien, Fonds und Kryptowährungen zeigt sich weiterhin ein deutlicher Überhang männlicher Anleger – auch wenn Frauen in letzter Zeit aufholen, wie andere Umfragen verschiedentlich belegt haben.

So unterschiedlich legen Männer (grün) und Frauen (blau) ihr Geld an 

Grafik Anlagebesitz Frauen und Männer in Deutschland
Grafik Anlagebesitz Frauen und Männer in Deutschland © JP Morgan AM

Im Anlageportfolio von Frauen finden sich nach wie vor signifikant häufiger Sparbuchanlagen beziehungsweise Lebens- und Rentenversicherungen, stellte man bei JPMAM fest.

Dabei sind Frauen mit ihrer Geldanlage nicht unbedingt zufrieden, haben die Autoren der PPMAM-Umfrage ebenfalls herausgefunden. Nur 26 Prozent der Frauen – gegenüber 37 Prozent der befragten Männer – gaben an, sich mit ihrer Geldanlageform auch gut versorgt zu sehen.

Vermeintliches Unwissen als Hinderungsgrund 

Was Frauen weiterhin von Investments am Kapitalmarkt fernhält? Laut der Umfrage von JPMAM ist ein gewichtiger Grund ein selbst attestiertes mangelhaftes Wissen. „Frauen haben häufig das Gefühl, sie müssten besonders gut Bescheid wissen über Kapitalmarktinvestments wie Aktien und Anleihen“, beobachtet Vogel. Die JPMAM-Expertin rät jedoch, diesen Aspekt nicht überzubewerten. „Erfahrungsgemäß unterschätzen viele Frauen ihr Wissen.“ Zumal es weniger um Expertenwissen als ein grundlegendes Basiswissen gehe. „Vermeintliche Unwissenheit sollte nicht zum Hinderungsgrund bei Frauen werden, um sich am Kapitalmarkt zu engagieren“, rät Vogel.

Dass sich schon mit kleinen Beträgen, breit angelegt in Aktien, mit der Zeit ein kleines Vermögen anhäufen lässt, wird auch das Deutsche Aktien Institut, Interessenvertretung börsennotierter hiesiger Unternehmen, nicht müde zu betonen. Dort hat man errechnet, was aus einem monatlichen Investment von 25 Euro in einen Aktiensparplan wird, wenn man das Geld für sich arbeiten lässt, ohne zwischendurch einzugreifen. Demnach können bei einer Durchschnittsrendite von 8,5 Prozent – eine realistische Annahme für den MSCI World – aus 6.000 eingezahlten Euro mehr als 15.000 Euro werden. Bei höheren Sparraten lassen sich entsprechend höhere Vermögen ansparen.

Grafik Was in 20 Jahren aus einem 25-Euro-Sparplaninvestment wird
Grafik: Was in 20 Jahren aus einem 25-Euro-Sparplaninvestment wird © DAI