LinkedIn DAS INVESTMENT
Suche
Lesedauer: 10 Minuten

Unconstrained-Bond-Fonds Freiheit ohne Grenzen

Seite 2 / 4

Für die konservativ geltenden Fonds ist das enorm und möglicherweise noch nicht einmal das Ende der Fahnenstange. „Wir gehen davon aus, dass eine anhaltend hohe Inflation und steigende Energiepreise, wie wir sie im Vereinigten Königreich und in der Eurozone sehen, die Zentralbanken zu weiteren Zinserhöhungen zwingen könnten, was dann zu einem erneuten Rückgang der Anleihekurse führen würde“, schlussfolgert Mark Sullivan, Portfoliomanager des Wellington Total Return. Er gehört zur Gruppe der wenigen Strategen, die seit Jahresbeginn von ihren Wetten auf fallende Bondkurse profitieren konnten.

Quelle Fondsdaten: FWW 2024

Denn die Ketten, die herkömmliche Fondsmanager fesseln, gibt es bei ihm schlichtweg nicht. Sullivan verfolgt eine Total-Return-Strategie, bei der es darum geht, flexibel und unabhängig von einer Benchmark agieren zu können. Im Englischen gibt es dafür auch den feststehenden Begriff Unconstrained Strategy. „Eine solche Strategie kann mit den unterschiedlichsten Vermögenswerten vielfältige Ergebnisse erzielen. Sie kann Kapital schützen, Einkommen erzielen oder auch auf Wachstum setzen“, weiß Nick Hayes, Fondmanager des Axa Global Strategic Bonds (LU0746604528).

Der Fantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt, und die Lösungen fallen so unterschiedlich aus wie die Ergebnisse. Und genau hier liegt die Crux. Die Stärke, die einem Manager alle Waffen für die Jagd nach dem angestrebten Mehrwert gibt, kann umgekehrt zur Schwäche werden. Investoren müssen vor einem Kauf erst mal klären, ob der gewünschte Fonds überhaupt zum eigenen Risikoprofil passt. Dreht es sich beim Wunschobjekt um eine konservative Vermögensverteidigung, oder ist der gewählte Manager auf Überschussrenditen aus, wie man sie vielleicht von einem Hedgefonds erwartet?

 

Erinnert sei in diesem Zusammenhang an die Fondsboutique H2O. Deren Gründer Bruno Crastes erzielte über Jahre hinweg mit spektakulären Bond-Wetten erhebliche Gewinne. Das Haus stieg in Felder ein, die andere Investoren nicht mal mit der Kneifzange anfassten. In der Corona-Pandemie gingen die hoch riskanten Wetten jedoch nicht mehr auf. Die entstandenen Verluste wurden bis heute bei Weitem nicht aufgeholt.

Auch der Nimbus eines Star-Investors schützt nicht vor Misserfolg. So verließ Bond-König Bill Gross im September 2014 seinen Arbeitgeber Pimco, wo er große Erfolge feierte, und dockte bei Konkurrent Janus an. Er übernahm dort einen gerade einmal 12 Millionen US-Dollar schweren Unconstrained-Fonds. Bei der neuen Firma gelang es ihm aber nicht, seine frühere Erfolgsserie fortzusetzen. Grob gesagt kannte der Fonds nach der Übernahme nur einen Weg: den nach unten.

Quelle Fondsdaten: FWW 2024

Ruhig ist es auch um Templetons Star-Manager Michael Hasenstab geworden. Wie die Rating-Agentur Morningstar vor geraumer Zeit feststellte, seien einige seiner Investmentideen nicht aufgegangen. So monierten die Analysten Fehltritte in verschiedenen Bereichen, einschließlich der inzwischen aufgelösten Short-Position bei US-Staatsanleihen, der starken Konzentration auf hoch volatile lateinamerikanische Anleihen und des Long-Engagements im japanischen Yen. Zudem habe sich Hasenstab nach dem Ausverkauf während der Corona-Pandemie zu defensiv positioniert und bei Schnäppchen eben nicht beherzt zugeschlagen. Seine Allwetter-Strategie, der Templeton Global Total Return (LU0170475312), liegt auf Sicht der vergangenen drei Jahre mit 20 Prozent doppelt so hoch im Minus wie seine Vergleichsgruppe.

Trotz dieser Beispiele lohnt ein Blick auf die Alleskönner. Schließlich dürfen die Freigeister unabhängig von jeder Benchmark sämtliche Anleihesegmente und Währungen anzapfen, die Laufzeiten flexibel steuern und auf fallende Kurse wetten. „Die Rentenmärkte haben im Jahr 2022 eines der schlechtesten Jahre in der Geschichte der Anleihen erlebt. Alle Anleihesegmente waren davon betroffen, wobei US-Treasuries zum Beispiel derzeit ihre schlechteste Kalenderperformance seit fast 100 Jahren verzeichnen“, sagt Carmignac-Managerin Rose Ouahba. In diesem äußerst komplexen Umfeld sei ein flexibler Ansatz unerlässlich.

Tipps der Redaktion