Ein weiterer Monat, ein weiterer fester VPI-Bericht aus den USA: Der Kern-Verbraucherpreisindex (CPI) lag im September erneut über den Konsenserwartungen in denjenigen Verbraucherkategorien, die in der Regel die Inflation langsamer abbilden, darunter Wohnen und Gesundheit. Das ist sowohl eine schlechte Nachricht für die Federal Reserve, die versucht, die Preisstabilität wiederherzustellen, als auch für die US-Verbraucher, die bereits mit einem Rückgang ihrer Reallöhne konfrontiert sind. Der Kernverbraucherpreisindex stieg im Jahresvergleich auf einen neuen Höchststand von 6,6 Prozent, während der Gesamtverbraucherpreisindex auf 8,2 Prozent im Jahresvergleich sank.

Die Verbraucherzahlen vom September bestätigen unsere Ansicht, dass die Inflation längerfristig wahrscheinlich auf einem hohen Niveau verharren wird, auch wenn die nachlassenden Energie- und Lebensmittelpreise die Gesamtinflation weiter abschwächen dürften (siehe unseren jüngsten Konjunkturausblick). Die Zahlen dürften auch die Fed in ihrer Entschlossenheit bestärken, die Inflation durch stärkere Maßnahmen zur Straffung der finanziellen Bedingungen zu bekämpfen. Wir halten daher Zinserhöhungen um 75 Basispunkte im November sowie im Dezember für wahrscheinlich. Durch den steileren geldpolitischen Kurs entstehen indes neue Abwärtsrisiken für die bereits schwachen BIP-Prognosen für die USA.

Mieten, Gesundheit, Autos: Der Inflationsbericht im Detail

Der Haupttreiber der Inflation war auch zuletzt das Wohnen. Die Mieten und eigentümeräquivalenten Mieten (OER) stiegen im September im Vormonatsvergleich um 0,8 Prozent, nachdem sie bereits im August um 0,7 Prozent geklettert waren. Der Mietanstieg war vor allem in den Großstädten auffällig; eine Veränderung gegenüber dem Pandemiebeginn, als sich die Mieten außerhalb der Großstädte deutlich verteuerten. Die Zinserhöhungen tragen wahrscheinlich zu einer schnelleren Mietinflation bei, da sie den Immobilienerwerb weniger erschwinglich machen. In der Vergangenheit hat sich die Mietinflation erst dann verlangsamt, sobald sich der Anstieg der Immobilienpreise deutlicher abschwächt und der Arbeitsmarkt nachgibt, denn die gemeldete Verbraucherpreis-Inflation hinkt den allgemeinen Trends auf dem Wohnungsmarkt in der Regel drei bis sechs Quartale hinterher.

Diese Faktoren unterstreichen die Herausforderung, vor der die US-Notenbank bei ihrem Versuch steht, die Inflation wieder in Richtung ihres Ziels zu bringen. Wir sind der Ansicht, dass die Kosten für Wohnen – die etwa ein Drittel des VPI-Warenkorbs ausmachen – sich im Jahresvergleich wahrscheinlich um mehr als 8 Prozent verteuern werden (vor der Pandemie: 3,5 Prozent), bevor sie sich infolge höherer Zinssätze und steigender Arbeitslosigkeit abschwächen.

 

Auch die Warenpreisinflation zeigte sich zuletzt hartnäckig fest. Die Kerngüterpreise (ohne die Preise für Gebrauchtwagen) stiegen um 0,3 Prozent gegenüber dem Vormonat und damit weniger stark als die im August verzeichneten 0,6 Prozent gegenüber dem Vormonat. Doch die allmählich steigenden Lagerbestände, die sich abkühlende Nachfrage nach Konsumgütern und die von Unternehmen immer öfter gewährten Preisnachlässe haben sich nicht in dem Umfang auf die Verbraucherpreise ausgewirkt, wie zuvor von vielen Marktteilnehmern erwartet.

Die Preise für medizinische Dienstleistungen stiegen im September stark an (+1 Prozent gegenüber dem Vormonat). Es handelt sich um den letzten Monat des Jahres, bevor das BLS (Bureau of Labor Statistics), das den Verbraucherpreisindex veröffentlicht, neue Jahresdaten einbezieht. Sie könnten unserer Meinung nach ab dem nächsten Monat einen etwas gemäßigteren Gesamtdruck des Kernverbraucherpreisindex vermitteln. Der Verbraucherpreisindex hat zuletzt von der Stärke der Margen der Krankenversicherer profitiert, die auf den Rückgang an medizinischen Eingriffen im Jahr 2020 während der Pandemie zurückzuführen ist. Doch dieser Umstand wird mit dem nächsten Bericht wegfallen.

Die Gebrauchtwagenpreise ermäßigten sich im Monatsvergleich um 1 Prozent. Die Neuwagenpreise stiegen hingegen im Einklang mit den jüngsten Trends, da die Lagerbestände nach wie vor weit unter den gewohnten Zahlen liegen. Obwohl die Großhandelspreise für Gebrauchtwagen zuletzt deutlich zurückgegangen sind, dürfte der Rückgang der Gebrauchtwagenpreise durch den Hurrikan Ian gestört werden: Fahrzeughalter versuchen, ihre beschädigten Fahrzeuge zu einem Zeitpunkt zu ersetzen, an dem die Lagerbestände knapp sind.

Was die Inflationsszahlen für die Fed-Politik bedeuten

Der anhaltend hohe Verbraucherpreisindex in Verbindung mit einem weiteren starken US-Arbeitsmarktbericht im September spricht dafür, dass sich die Fed weiterhin voll auf die Inflationsbekämpfung konzentrieren wird. Der VPI-Bericht vom September stand im Einklang mit dem jüngsten zyklischen Ausblick von PIMCO, der die Inflation in den USA als hartnäckig und breit angelegt beschreibt: Unserer Meinung nach wird mehr Zeit und infolgedessen eine stärkere wirtschaftliche Schwäche benötigt, um das Inflationsziel der Fed zu erreichen. Der kletternde Verbraucherpreisindex in den USA wird die Fed in den kommenden Sitzungen weiter unter Druck setzen – sie muss mehr tun, bevor das Straffungstempo wieder verlangsamt werden kann. Wir gehen nach wie vor von einer Zinserhöhung um 75 Basispunkte im November aus. Der jüngste VPI-Bericht deutet darauf hin, dass die Fed dieses Tempo im Dezember beibehalten dürfte.

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