Stefan Böttcher, Portfoliomanager bei Charlemagne Capital

Stefan Böttcher, Portfoliomanager bei Charlemagne Capital

Frontier-Märkte

„Die Stimmung könnte nicht unterschiedlicher sein“

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Frontier-Märkte haben in den letzten Wochen nicht die in sie gesetzten Erwartungen erfüllt. Trotz historisch äußerst geringer Korrelation zu den Weltmärkten und den Emerging Markets und deutlich besserer fundamentaler Daten sind auch die Frontier-Märkte in den Sog der globalen Aktienmarktkorrektur geraten. Besonders Märkte im Mittleren Osten, wie Saudi Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate (Dubai und Abu Dhabi), haben seit Anfang August signifikante Rückgänge von 12 Prozent und 17 Prozent erfahren.

Wir haben in der letzten Woche etwa 40 Unternehmen in den Frontier-Märkten besucht - die Stimmung könnte nicht unterschiedlicher sein. Dabei spielten Themen wie die US-Zinspolitik oder die schwächelnde Wirtschaft in China eher eine untergeordnete Rolle. Thema Nummer 1: der Ölpreis und seine Auswirkungen.

Nigeria

Nigeria ist der große Verlierer und trotzdem ist der Markt bisher relativ stabil. Dies liegt insbesondere an den kürzlich eingeführten Währungskontrollen. Die nigerianische Währung Naira wird somit auf einem überhöhten Niveau gehalten. Eine Abwertung scheint unvermeidlich und ist lediglich eine Frage der Zeit. Aus unserer Sicht sollte dieser Market auch weiterhin vermieden werden.   

Oman

Dem Sultanat Oman stehen ebenfalls  schwierige Zeiten bevor. Ölpreise auf dem derzeitigen Niveau könnten schnell sowohl zu einem Haushaltsdefizit wie auch Leistungsbilanzdefizit von etwa 25-30 Prozent im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt führen. Insofern ist es nicht überraschend,  dass Unternehmen mit deutlichen Steuererhöhungen rechnen.

Kuwait

Dagegen ist im Emirat Kuwait eine regelrechte Euphorie zu verspühren und das trotz einer massiven Abhängigkeit vom Erdöl;  über 90 Prozent der Staatseinnahmen sind vom Erdöl abhängig. Allerdings sind die Staatsausgaben relativ gering, sodass selbst bei derzeit niedrigen Ölpreisen Haushaltsüberschüsse erwirtschaftet werden. Seit Jahren wurden massive Rückstellungen in der Größenordnung vom zweifachen des Bruttosozialprodukts aus den Ölexporten aufgebaut. Die Weltbank errechnet für Kuwait sogar ein Pro-Kopf-Einkommen, das über dem der Bundesrepublik Deutschland liegt. Eine Reise in den Wüstenstaat hinterlässt allerdings andere Eindrücke: Die Infrastruktur ist äußerst vernachlässigt, der Flughafen erinnert eher an ein armes Entwicklungsland und selbst die meisten 5-Sterne-Hotels sind renovierungsbedürftig.

Das Jahr 2015 könnte der Wendepunkt sein. Ein Investitionsprogramm von 112 Milliarden US-Dollar, das seit Jahren im Raum steht, wird endlich implementiert. Profitieren werden davon vor allem die Banken und der Konsum. Kuwait ist gemäß dem MSCI Frontier Markets Index mit 21 Prozent der mit Abstand größte Markt.  

Saudi Arabien

Tatsächlich ist Saudi Arabien mit einer Marktkapitalisierung von etwa 570 Milliarden US-Dollar der größte und liquideste Aktienmarkt unter den Frontier-Märkten. Allerdings ist Saudi Arabien nicht Bestandteil der globalen Indizes auf Grund von Investitionsbeschränkungen für Ausländer. Insofern ist eine Verkaufswelle von ausländischen Fonds bei fallenden Rohölpreisen ausgeschlossen. Trozdem hatte der Markt in den letzten Wochen einen deutlichen Kursrückgang zu verzeichnen, da inländische Anleger  hinsichtlich der niedrigen Ölpreise eine negative Auswirkung auf die Konjunktur erwarten.

Anders als Kuwait wird in Saudi Arabien in diesem Jahr ein Haushaltsdefizit von etwa 20 Prozent im Verhältnis zum Bruttosozialprodukt erwartet. Dies sollte kurzfristig kein Problem darstellen, da Saudi Arabien in den letzen Jahren ebenfalls massive Überschüsse erwirtschaftet hat und die Staatsverschuldung bei nahezu Null liegt. Jedoch ist eine restriktivere Fiskalpolitik unausweichlich - der Markt würde Sparmaßnahmen und Ausgabenkürzungen mit steigenden Kursen honorieren. Wir erwarten signifikante Ausgabenkürzungen im nächsten Jahr, wobei konkrete Details momentan nicht bekannt sind. Subventionskürzungen im Energiebereich sowie eine Reduzierung der Investionsausgaben wären probate Mittel. Gleichzeitig könnten die Einnahmen durch die Einführung diverser Steuern erhöht werden.           

Dubai

In Dubai sind kaum Indikatoren eines wirtschaftlichen Rückgangs zu verzeichnen. Das Emirat verzeichnete sogar einen Haushaltsüberschuss im 2. Quartal. Der Tourismus wächst weiter und Investitionsprojekte haben mit Hinblick auf die Expo 2020 einen neuen Höhepunkt erreicht. Andererseits verzeichnen Immobilienpreise bereits leichte Rückgänge und die Regierung hat kürzlich die Subventionen für Benzin drastisch reduziert, um die Staatseinnahmen zu erhöhen.   

Frontier Markets stehen sehr unterschiedlich da

Zusammenfassend sehen wir zum jetzigen Zeitpunkt durchaus unterschiedliche Entwicklungen unter den neuen aufstrebenden Märkten. Nur in wenigen Frontier-Märkten gibt es konkrete wirschaftliche Probleme.

Fuer den Magna Frontier Markets Fund bedeutet das insbesondere eine Verlagerung des Anlageschwerpunktes auf Länder und Unternehmen, die potenziell von fallenden Rohstoffpreisen nicht belastet sind oder sogar profitieren. Bereits heute hält der Fonds keine Rohstofftitel und der Schwerpunkt der Allokation ist weiterhin auf den Konsum und Gesundheitssektor fokussiert. Eine weitere Umschichtung in die Länder Süd-Ostasiens, wie beispielsweise Vietnam, Myanmar oder Pakistan geplant. Die Gewichtung in Kuwait wurde ausgebaut. Zielmärkte wie Nigeria, Oman und Qatar werden vermieden.            

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