Frontier-Märkte „Kuwait, Vietnam und Ägypten mit hohem Potential“

Börse in Kuwait City: Für Anleger kann sich ein Perspektivwechsel auszahlen.  | © Getty Images

Börse in Kuwait City: Für Anleger kann sich ein Perspektivwechsel auszahlen. Foto: Getty Images

Claus Born, Senior Vice President und Institutional Portfolio Manager in der Templeton Emerging Markets Group

Herr Born, angesichts des fortgeschrittenen Konjunkturzyklus in den Developed Markets nehmen viele Marktteilnehmer zunehmend Schwellenländer in den Blick. Warum sollten Anleger auch den Frontier-Märkten Aufmerksamkeit schenken?

Claus Born: Grundsätzlich sollten Frontier-Märkte in einem diversifizierten Emerging-Markets-Portfolio nicht fehlen. Wenn man alle Chancen wahrnehmen möchte, kommt man nicht umhin, sich nicht nur die großen Schwellenländer und großen Unternehmen in der Anlageklasse anzusehen, sondern man sollte sich auch in weniger beachteten Segmenten auf die Suche nach Renditebringern machen.

Das Besondere an Frontier-Märkten: Es handelt sich hier um eine sehr breit diversifizierte Anlageklasse, in der sich chancenreiche Titel rund um die Welt finden lassen. Weil Grenzmärkte von lokalen Trends geprägt sind, ist die Korrelation unter den einzelnen Märkten, wenn überhaupt, nur sehr gering ausgeprägt. Auch von Marktereignissen in den Industrie- und Schwellenländern lassen sich die jeweiligen Aktien kaum beeinflussen – sie sind daher sehr gut für die Diversifikation im Portfolio geeignet.

Was spricht für Investments in den Frontier-Märkten?

Born: Schauen wir uns einmal das globale Wirtschaftswachstum an: Unter den 30 am stärksten wachsenden Volkswirtschaften sind 25 Frontier-Märkte. Diese Volkswirtschaften stehen häufig am Anfang ihrer Wachstumsprozesse; sie stehen dort, wo die heutigen Schwellenländer vor 20 oder 30 Jahren waren. Ihre Kapitalmärkte sind weitgehend noch unreif: Die Liquidität ist noch nicht so hoch, die Anzahl der börsennotierten Unternehmen ist noch überschaubar. Zu den Branchen, die Anlegern bereits heute für Investments zur Verfügung stehen, gehören hauptsächlich die klassischen Emerging-Markets-Branchen: Banken, Telekommunikation und Konsumtitel.

Ist es denkbar, dass sich die Frontier-Märkte in den kommenden Jahren möglicherweise schneller entwickeln als die Schwellenländer in ihrer Anfangsphase? Ein beschleunigter Wissens-, Technologie- und Kapitaltransfer könnte für diese These sprechen.

Born: Alles steht und fällt mit der entsprechenden Infrastruktur, etwa bei Internet und Mobilfunk: Kommt es hier zu raschen Fortschritten, sollte einem Aufblühen des Wirtschaftslebens nichts entgegenstehen. Ein klassisches Beispiel ist Safaricom in Kenia: Das Unternehmen bietet sehr erfolgreich Bezahlmöglichkeiten per Mobiltelefon an und das nun schon seit mehr als zehn Jahren. Ungeachtet des Fehlens eines Bankkontos können Kenianer somit dennoch am Wirtschaftsleben teilhaben.

In welchen Frontier-Märkten sehen Sie gesteigertes Entwicklungspotenzial?

Born: Hier lassen sich drei sehr unterschiedliche Länder nennen. Kuwait, Vietnam und Ägypten weisen ein hohes Potential auf. Im Fall des Emirats Kuwait hat der Indexanbieter FTSE das Land kürzlich aufgrund seiner guten Entwicklungen in den Bereichen Wirtschaft und Finanzmarktdynamik zum Schwellenland hochgestuft und auch die Entscheider beim MSCI schauen sich die betreffenden Indikatoren derzeit näher an. Solche historisch zu nennenden Hochstufungen sorgen generell für eine starke Nachfrage nach den Aktien der jeweiligen Länder. Wir finden hier derzeit einige sehr günstig bewertete Unternehmen.

Ein weiteres Land mit sehr guten Wachstumschancen ist Vietnam. Die Volkswirtschaft ist extrem wettbewerbsfähig. Zugleich kommt es zu Verbesserungen in der Finanzmarktstruktur des Landes. So werden Beschränkungen der Investitionen von Ausländern in börsennotierte Unternehmen schrittweise abgebaut – was die Anziehungskraft des Marktes erhöht. Interessant ist für uns in Vietnam insbesondere der Konsumsektor. Aber auch die Industrieproduktion erscheint chancenreich: Größte Position unseres Schwerpunkts Vietnam im Templeton Frontier Markets Fund ist ein Stahlunternehmen. Franklin Templeton Investments unterhält ein Büro in Vietnam; wir können deshalb direkt auf die Expertise vor Ort zugreifen. Der Markt ist allerdings auch von teils bereits hohen Bewertungen gekennzeichnet. Vietnam ist nicht mehr billig. Wir versuchen mit unserer Arbeit, weiterhin Aktien mit stimmigem Preis-Leistungs-Verhältnis ins Portfolio zu nehmen.