Frontier-­ und Emerging-Markets-Experten „Volatilität ist nichts Schlechtes“

Die Teilnehmer an der Diskussionsrunde im Frankfurter OpernTurm (von links): Martin Lück, Europavolkswirt von UBS Deutschland; Peter Zurhorst, Head of German speaking Europe von RenAsset Management; Oliver Morath, Managing Director von Baring Asset Management; Walter Liebe, Senior Investment Advisor von Pictet Asset Management

Die Teilnehmer an der Diskussionsrunde im Frankfurter OpernTurm (von links): Martin Lück, Europavolkswirt von UBS Deutschland; Peter Zurhorst, Head of German speaking Europe von RenAsset Management; Oliver Morath, Managing Director von Baring Asset Management; Walter Liebe, Senior Investment Advisor von Pictet Asset Management

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DAS INVESTMENT.com: Starten wir mit einer Definitionsfrage. China gilt als Emerging Market par excellence, agiert aber weltweit als Großinvestor. Passt so ein Land in die gängige Einstufung der Emerging Markets hinein?

Martin Lück, UBS
: Kategorisierungen sind sicherlich nie perfekt, China ist zudem ein Sonderfall. Zwar handelt es sich um die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt, doch beim Pro-Kopf-Einkommen rangiert das Land nach wie vor weit hinter den großen Industrienationen. Und bei Themen wie Rechtssicherheit, Menschenrechte und Umweltstandards ist China nicht nur ein Schwellenland, sondern hat Entwicklungsland-Status.

Walter Liebe, Pictet
: Das sehe ich auch so. China ist ein Emerging Market, was die Corporate Governance anbetrifft. Auf der Anleiheseite sieht das anders aus, weil das Land extrem gering verschuldet ist.

Der Staats- und Unternehmensanleihesektor ist in den zurückliegenden Jahren stark gewachsen, sowohl in Dollar als auch in Renminbi. Insofern ist China als staatlicher Emittent von der Bonität her zweifellos auf Industrieland-Standard. Für die Gesamtstruktur der Volkswirtschaft gilt das aber noch lange nicht.

Peter Zurhorst, RenAsset Management: Zumeist hat man, wenn es um Schwellenländer geht, China und Indien auf der Agenda. Ich möchte aber auch für die Frontier Markets eine Lanze brechen, also beispielsweise ausgewählte Märkte auf dem afrikanischen Kontinent.

Dort sehen wir sehr interessante wirtschaftliche Entwicklungen, diese Länder tragen zum globalen Wachstum bereits eine Menge bei. Doch muss man aus unserer Sicht als Investor weniger aus der Top-down-Perspektive agieren, sondern bottom-up mit einer dezidierten Unternehmensanalyse.

Für unsere Investments kommen ausschließlich börsengelistete Firmen infrage, die mindestens 15 Prozent Wachstum pro Jahr erzielen. Anders ausgedrückt: Unser Ziel ist, das investierte Geld innerhalb von acht bis zehn Jahren zu verdoppeln.

Die Frontier Markets werden gern als die Emerging Markets von morgen bezeichnet, die sich dann wiederum konsequent in Richtung Industrieland entwickeln. Entpricht diese Einschätzung Ihres Erachtens der Realität?

Oliver Morath, Barings
: Da ist schon etwas dran. Katar und die Vereinigten Emirate zum Beispiel sind seit Kurzem in den Indizes nicht mehr als Frontier Markets, sondern als Emerging Markets gelistet.

Wenn man sich anschaut, welche Entwicklung diese Länder in den vergangenen 15, 20 Jahren hingelegt haben, ist das auch nur konsequent. Bei der Indexanpassung kam es natürlich phasenweise zu Verwerfungen im Markt. Doch an der Grundthese, dass die Grenzmärkte in Richtung Emerging Markets streben, ändert das nichts.