Aktualisiert am 04.11.2010 - 10:12 UhrLesedauer: 3 Minuten

Früher Versicherungsvertreter, heute der Lebensretter vom Kliff

Die Aussichtsplattform The Gap. Foto: Adam J.W.C.
Die Aussichtsplattform The Gap. Foto: Adam J.W.C.
„Ich versuche nur, Leben zu retten.“ Don Ritchie sitzt in seinem grünen Ledersessel und schaut auf den Pazifischen Ozean. Das Haus des 84-Jährigen liegt gegenüber einem beliebten Aussichtspunkt in Sydney. The Gap, die Lücke, heißt die 30 Meter hohe Klippe, die Besuchern einen perfekten Blick auf die Stadt bietet.

Doch der Felsbrocken hat auch eine dunkle Anziehungskraft. Fast jede Woche klettert ein Lebensmüder über die nur ein Meter hohe Balustrade und macht seinem Leben mit einem letzten Schritt von der Kante ein Ende. Don Ritchie versucht, das zu verhindern.

Ritchie sorgt dafür, dass Menschen ihren Lebensabend überhaut erleben

Früher verkaufte Ritchie Lebensversicherungen von Legal & General (L&G) – seit 1956 erst in Sydney, später in Perth. Dort eröffnete und leitete er die L&G-Dependance für den australischen Bundesstaat Western Australia. Später zog es ihn und seine Familie wieder zurück nach Sydney, wo Ritchie die L&G-Geschäftsstelle für New South Wales leitete. Mit seinem Beruf wollte Ritchie Menschen einen angenehmen Lebensabend ermöglichen, privat versucht er bis heute, dafür zu sorgen, dass sie ihn überhaupt erleben.

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Sieht er jemanden, der hinter dem Gitter steht oder etwas zu lange in Gedanken versunken in die Tiefe schaut, macht er sich auf den Weg. „Wollen Sie nicht mit zu mir kommen und eine Tasse Tee trinken“, fragt er dann und lächelt.

Manchmal reicht das. Die Lebensmüden gehen mit zu dem freundlichen Alten, sie erzählen, Ritchie hört zu, und dann überlegen sie es sich anders. Manchmal reicht es auch nicht. Der 84-Jährige erinnert sich an einen 19-Jährigen aus seiner Nachbarschaft, der eines Tages an der Kante stand. Auf die Einladung zum Tee folgten ein Nein und der Sprung.

400 Menschen haben überlebt

Als er jünger war, griff Ritchie noch beherzt zu, kletterte selbst über den Zaun und hielt die Menschen fest. Einmal hätte ihn eine Frau fast mit in die Tiefe gerissen, seitdem beschränkt er sich aufs Tee-Anbieten, Lächeln und Gut-Zureden.

Mit Erfolg. Offiziell hat er in rund 50 Jahren 160 Menschenleben gerettet, inoffiziell sind es eher 400. Dafür wird Ritchie zusammen mit seiner Frau als „Bürger des Jahres 2010“ ausgezeichnet und von Überlebenden zum „unter uns weilenden Engel“ emporgehoben.

Ritchie selbst ist am Boden geblieben, sieht seine Rettungsaktionen pragmatisch. Man könne den Leuten beim Selbstmord nicht einfach zusehen: „Früher vermittelte ich Lebensversicherungen, hier versuche ich, Menschen das Leben selbst zu verkaufen.“
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