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Insolvenzversicherung FTI-Pleite: Das rät der Deutsche Reisesicherungsfonds FTI-Kunden

Ein Reisebüro der FTI-Gruppe in München
Ein Reisebüro der FTI-Gruppe in München: Die Insolvenz des drittgrößten deutschen Reiseanbieters verunsichert die Kunden. Ob sie ihr Geld zurück bekommen – und was sie dafür tun müssen. | Foto: Imago Images / Revierfoto

Die Übernahme durch das Konsortium rund um den Tourismus-Investor Centares ist gescheitert; liquide Mittel fehlten: Am Montag meldete der hoch verschuldete Reisekonzern FTI Insolvenz an. Die Pleite des drittgrößten deutschen Reiseanbieters weckt Erinnerungen an die Insolvenz eines anderen deutschen Reiseriesen, Thomas Cook, im September 2019. Damals mussten rund 140.000 gestrandete Fluggäste zurückgeholt werden. Viele weitere Kunden konnten ihre bereits bezahlte Reisen nicht antreten.

Der Schaden damals: mehr als 500 Millionen Euro. Allerdings zahlte die Versicherungsgesellschaft Zurich, bei der Thomas Cook gegen Insolvenz versichert war, lediglich 110 Millionen Euro an die Geschädigten aus. Das entsprach einer Quote von rund 26 Prozent. Etwas Geld bekamen die Kunden auch vom Insolvenzverwalter aus der Insolvenzmasse des Konzerns. Den Rest musste – nach langem Hin und Her einschließlich einer Klage der Bundesregierung gegen die Zurich vor dem Landgericht Frankfurt – letztendlich der Staat, also der Steuerzahler, übernehmen. Der Grund: Die Versicherungssumme für die Insolvenz von Reiseanbietern war damals in Deutschland bei 110 Millionen Euro gedeckelt.

Am Ende bekamen Pauschalreisende ihr Geld zwar komplett wieder zurück – allerdings viele erst nach zwei Jahren. Außerdem habe es sehr viel Schriftverkehr mit unterschiedlichen Ansprechpartnern – der Versicherung, dem Insolvenzverwalter und eben den Vertretern der Bundesregierung – gegeben, schildert eine Thomas-Cook-Geschädigte gegenüber DAS INVESTMENT.

Die Lehren aus der Thomas-Cook-Pleite

„Wird es diesmal genauso laufen?“, so die häufig gestellte Frage betroffener Kunden. Wohl nicht, denn die Politik hat aus der Thomas-Cook-Pleite gelernt. Die Haftungsobergrenze von 110 Millionen Euro ist nun Geschichte. Zum 1. November 2021 ging der neu geschaffene Deutsche Reisesicherungsfonds (DRSF) an den Start. „Damit ist der vom Gesetzgeber beschlossene Systemwechsel bei der Insolvenzabsicherung vollzogen“, erklärte damals der DRSF-Geschäftsführer Andreas Gent.

Mittlere und große Reiseanbieter, die im letzten Geschäftsjahr einen Umsatz von 10 Millionen Euro oder mehr erwirtschaftet haben, sind seit dem 1. November 2021 gesetzlich verpflichtet, ihr Insolvenzrisiko beim DRSF abzusichern. „Kleinere Reiseanbieter können einen Absicherungsvertrag mit dem DRSF abschließen oder sich weiterhin über ein Versicherungsunternehmen oder ein Kreditinstitut absichern“, erklärt DRSF-Geschäftsführer Ali Arnaout. Prinzipiell sichert der DRSF alle Pauschalreisen der bei ihm abgesicherten Unternehmen komplett ab. Der Schriftwechsel mit mehreren zuständigen Stellen, über den viele Thomas-Cook-Geschädigte klagten, würde also entfallen – zumindest in Theorie.

Und wie sieht es in der Praxis aus? Was müssen FTI-Kunden tun, die sich bereits im Urlaub befinden und von Hoteliers oder dem Fluganbieter nochmals zur Kasse gebeten werden? Was ist, wenn die Reise in den kommenden Tagen startet? Was geschieht mit den Vorauszahlungen? Und werden auch Reisen, die Wochen oder Monate in der Zukunft liegen, ebenfalls abgesagt? Diese Fragen stellte DAS INVESTMENT dem DRSF-Geschäftsführer Arnaout.  Hier die Antworten:

DRSF-Geschäftsführer Ali Arnaout
DRSF-Geschäftsführer Ali Arnaout: © DRSF

 

Frage: Wer bei FTI eine Pauschalreise gebucht und bereits eine Anzahlung geleistet hat, wird sein Geld komplett zurückbekommen, verspricht der DRSF. FTI-Reisen, die in der Zukunft liegen, wurden jedoch noch nicht offiziell storniert. Was sollten die Kunden also tun: Abwarten, bis eine offizielle Stornierung von FTI kommt oder sich gleich an den DRSF wenden?

Ali Arnaout: Der vom Amtsgericht München bestellte Insolvenzverwalter hat entschieden, dass alle Reisen bis einschließlich 10. Juni storniert werden. Für alle Fragen zu Reisen darüber hinaus sind zunächst die Hotline-Nummer von FTI (+49 (0)89 710 45 14 98) oder auch die Servicenummer des DRSF (+49 (0)30 78954770) sinnvolle Anlaufstellen.

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Darüber hinaus erklärte der Insolvenzexperte Axel Bierbach gegenüber Tagesschau.de: Für Reisen, die nach dem 10. Juni beginnen sollen, wird derzeit nach Lösungen gesucht. Wir loten mit Hochdruck sämtliche Möglichkeiten aus, um die gebuchten Reisen ab einem frühestmöglichen Zeitpunkt wie geplant von anderen Reiseanbietern durchführen zu lassen. Gespräche hierzu laufen. Wir hoffen, eine Lösung für Reisen ab spätestens 1. Juli zu finden.

An wen, in welcher Form und innerhalb welcher Fristen sollten sich Pauschalreise-Kunden wenden, um ihre Rückforderungen geltend zu machen?

Arnaout: Grundsätzlich wird sich der DRSF von sich aus mit den Verbraucherinnen und Verbrauchern in Verbindung setzen. Wenn Fragen zum Prozess kommen, sind Informationen auf der Website drsf.reise zu finden. Auch an die beiden genannten Rufnummern können Reisende und Verbraucher, die Urlaub gebucht haben, sich wenden.

 

Wie lange wird es voraussichtlich dauern, bis die Kunden ihr Geld zurückbekommen?

Arnaout: Der DRSF wird im Rahmen seines gesetzlichen Auftrags dafür sorgen, dass geleistete Zahlungen erstattet werden. Er wird sich hierzu mit betroffenen Verbraucherinnen und Verbrauchern in Verbindung setzen, sobald der von der Insolvenz betroffene Reiseanbieter dem DRSF die dafür erforderlichen Daten zur Verfügung gestellt hat.

Was sollten Kunden tun, die jetzt schon in ihrem vollständig bezahlten Urlaub sind und nun nochmals fürs Hotel oder den Rückflug bezahlen müssen, da die Anbieter kein Geld von FTI bekamen?

Arnaout: Reisende sollten sich unter der Hotline-Nummer +49 (0)89 710 45 14 98 direkt an FTI oder unter der Hotline-Nummer +49 (0)30 78954770 an den DRSF wenden. Auch unsere betreuenden Partner vor Ort können helfen. Der DRSF hat den FTI-Kunden zudem Kostenübernahmeerklärungen für die Hotelleistungen zur Verfügung gestellt, die Reisende den Hoteliers direkt vorlegen können. Diese sollte sicherstellen, dass Pauschalreisende ihren Urlaub wie geplant fortsetzen können.

Das könnten Kunden mit Einzelleistungen tun

Im Vergleich zu Pauschalreisenden stehen Kunden, die nur Einzelleistungen wie nur Flug oder nur Hotel bei FTI gebucht haben, schlecht da. Denn für sie ist der DRSF nach eigenen Angaben nicht zuständig. Allerdings prüft FTI laut mehreren übereinstimmenden Medienberichten, ob die gebuchten Leistungen dennoch in Anspruch genommen werden können.

Ansonsten können sich diese Kunden an den Insolvenzverwalter wenden, um zumindest einen Teil ihres Geldes zurückzubekommen. Nutzern, die ihre FTI-Leistungen mit Paypal bezahlt haben, empfiehlt der Zahlungsdienstleister, den Käuferschutz auf seiner Website in Anspruch zu nehmen – zumindest dann, wenn die Reise bereits durch FTI storniert wurde und keine Rückzahlung durch FTI erfolgte. Bei einer Lastschrift-Zahlung kann bis zu acht Wochen nach Zahlung eine Rücklastschrift eingeleitet werden. Der Vergleichsportal Check24 empfiehlt seinen Kunden zu prüfen, ob die Rücklastschrift in ihrem Fall sinnvoll ist. Bei einer Kreditkarten-Zahlung kann bis zu 120 Tage nach Abbuchung oder länger eine Rückerstattung über ein Chargeback-Verfahren durchgeführt werden. Auch hier sollten Kunden prüfen, ob dies Sinn mache, heißt es von Check24.  

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